Immer den Überblick zu behalten, ist für die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle jetzt einfacher geworden. Foto: Schlaf

Per Mausklick ins passende Krankenhaus

München - Nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer schweren Verletzung zählt jede Sekunde: Wer in München die Notfallnummer 112 wählt, kann sich jetzt ganz sicher sein, dass er schnellstmöglich Hilfe bekommt. Dafür sorgt das neue Computersystem „Ivena“.

Trifft ein Notruf ein, müssen die Disponenten binnen Sekunden abklären, welches freie Rettungsfahrzeug alarmiert wird und in welches Krankenhaus die verletzte oder kranke Person gebracht wird. Letzteres bedeutete in der Vergangenheit vor allem eins: viel telefonieren. „Wir mussten bei den Krankenhäusern anfragen, ob sie freie Kapazitäten haben und die Patienten aufnehmen können“, erklärt Dieter Steinbrunner von der Integrierten Leitstelle München. Die Kliniken gaben - wenn überhaupt - einmal täglich per Fax oder telefonisch durch, wie ihre Abteilungen derzeit belegt sind. „Aber das ist ein dynamischer Prozess“, sagt Steinbrunner, „drei Stunden später konnte das schon wieder ganz anders aussehen.“

Die Folge: Es dauerte oft länger, bis das passende Krankenhaus gefunden war. „Vor allem bei Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Verletzungen zählt aber jede Sekunde“, sagt Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, Vorsitzender des Rettungszweckverbandes München, welcher den Rettungsdienst organisiert. Mit „Ivena“ (internetbasiertes System zur Anzeige von Behandlungs- und Bettenkapazitäten in Krankenhäusern) soll jetzt alles besser werden. Das neue System erleichtert vor allem den Mitarbeitern der Integrierten Leitstelle der Berufsfeuerwehr, bei der die Notrufe eingehen, die Arbeit. Über die öffentliche Internetseite www.ivena-muenchen.de haben die Mitarbeiter der Leitstelle immer einen aktuellen Überblick über die freien Kapazitäten der Kliniken. Aufgelistet sind dort die Münchner Kliniken, ihre medizinischen Fachbereiche und deren spezielle Behandlungsmöglichkeiten. Mitarbeiter der Krankenhäuser können sich jederzeit ins System einloggen und auf einer Zeitleiste ihre Behandlungsressourcen als frei oder belegt kennzeichnen. So weiß man in der Rettungsleitstelle etwa sofort, ob zwischen 12 und 13 Uhr der Schockraum im Klinikum rechts der Isar belegt ist oder ein Platz auf der Intensivstation frei. „Auch innerhalb der Häuser schafft das System Transparenz und einen besseren Überblick“, sagt Blume-Beyerle.

Auch die Krankenhäuser profitieren: Denn die Disponenten der Leitstelle können sich ebenfalls in das System einloggen und so Notfallpatienten ankündigen. Die Klinik weiß dadurch über den Patienten und seinen Zustand Bescheid, bevor er ankommt. Ein Beispiel: Ein Mann wird bei einem Verkehrsunfall verletzt. Über die Leitstelle erfährt die Klinik, welche Behandlung der Mann braucht, wie alt er ist, ob er beatmet oder reanimiert wurde und wann der Rettungswagen ungefähr eintrifft.

Vom 1. bis 15. Februar wurden über Ivena bereits 4451 Patienten zugewiesen. „Das heißt, der Patiententransport klappte direkt und ohne zeitliche Verzögerung“, sagt Blume-Beyerle zufrieden. 34 Münchner Kliniken, also fast alle, nehmen an dem Verfahren schon teil. „Und alle sind begeistert“, betont Blume-Beyerle. Das liege insbesondere auch an der einfachen Bedienung, die nicht viel Zeit koste. „Zwei Mausklicks und alles ist aktuell.“ Die 45 000 Euro für die Anschaffung der Software scheinen somit gut angelegt.

Doris Richter

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