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Das Gelände heute, von der Deroystraße aus gesehen. Hinter dem Hochhaus rechts soll ab Herbst der erste Neubau entstehen.

An der Deroystraße

Ein Mega-Finanzamt für München

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München - Pläne gibt es seit sieben Jahren, doch jetzt wird es ernst: An der Deroystraße soll in den nächsten 20 Jahren Europas größtes Finanzzentrum entstehen. „Baubeginn ist im Herbst 2014“, kündigte Finanzminister Markus Söder (CSU) am Mittwoch an.

Die wachsende Landeshauptstadt brauche als „Steuerbringer Nummer eins in Bayern“ auch eine effiziente Steuerverwaltung, sagte Söder, als er vor die Presse trat. Umso mehr, als immer mehr Weltunternehmen nach München kämen, was die Zahl der schwierig zu bearbeitenden Fälle wachsen lasse. Diesen Anforderungen seien die Finanzbehörden, auf sechs Standorte in München aufgesplittert, nicht mehr gewachsen. Die Lösung soll nun ein großer Wurf bringen: Ein „Steuercampus“, auf dem alle Finanzbehörden zusammengefasst sind. 2800 Beamte könnten dort professioneller und teamorientiert ihrer Arbeit nachgehen, so Söder.

Neu ist die Idee nicht. Bereits Minister Kurt Faltlhauser hatte das Projekt als „bundesweit einmalige Reorganisation der Steuerverwaltung“ angepriesen. Im Herbst 2007 wurde ein städtebaulicher Wettbewerb für das Areal zwischen Arnulf-, Mars- und Deroystraße ausgelobt.

Erwin Huber erbte Ministeramt und Wettbewerb, war aber schon nicht mehr im Amt, als die Jury 2008 einen Sieger kürte. Nun war Georg Fahrenschon der potenzielle Bauherr - und wurde von den eigenen Parteifreunden im Haushaltsausschuss ausgebremst: Man wolle nicht schon wieder ein Großprojekt in München, hieß es. Auch in anderen Regionen gebe es Investitionsbedarf. Eine Verlagerung nach Ostbayern war ebenso im Gespräch wie ein Umzug in gemietete Räume.

Der vierte Finanzminister, der mit dem Projekt befasst ist: Markus Söder vor einem Transparent mit Simulationen.

Am Mittwoch nun verkündete Söder nach „langen Gesprächen mit dem Haushaltsausschuss“ und gestützt auf eine Untersuchung, was die Landtags-Grünen bereits vor zwei Jahren proklamiert hatten: Ein Neubau auf dem Areal an der Deroystraße ist wirtschaftlicher als alle anderen Lösungen. Auf gut 300 Millionen Euro beziffert Söder die Gesamtkosten des Projekts „Steuercampus München“. Doch das, so betont er, seien die Bruttokosten. Netto müsse der Freistaat nur die Hälfte zahlen, weil die frei werdenden Standorte gewinnbringend verwertet werden könnten. Die immer noch „wuchtige Investition“, so Söder, sei notwendig, sinnvoll und „ein Bekenntnis zum Standort München“.

600 Stellen hat die Finanzverwaltung in den vergangenen Jahren von München in andere bayerische Regionen verlagert. Diese Stellen bleiben ausgelagert, verkündete Söder. Doch er versprach: „Der Prozess der Auslagerung ist beendet“. Die 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt in München Dienst tun, würden vor Ort gebraucht - Tendenz steigend, so Söder mit Blick auf die wachsende Aufgabenfülle in der boomenden Metropole.

Die Planung sieht vor, die 70er-Jahre-Gebäude auf dem Areal Zug um Zug abzureißen und durch fünf sechsgeschossige Büro-Neubauten und ein flacheres Servicezentrum zu ersetzen. Zum Auftakt soll ab Herbst 2014 im Nordwesten auf dem derzeitigen Parkplatz ein Neubau entstehen. Im Plan auf dem Transparent im Foto ist dies das unterste Gebäude. In dieses ziehen die Mitarbeiter aus dem Hochhaus um, das 2018/19 abgerissen und durch einen zweiten Neubau ersetzt wird. Im Uhrzeigersinn geht es nach diesem Prinzip weiter, bis zum Schluss in der Mitte an der Deroystraße das Servicezentrum entsteht.

Obwohl das Ende der alten Gebäude damit besiegelt ist, muss der Freistaat noch einige Millionen in die maroden Gemäuer stecken. Derzeit werden die Fassaden der drei Gebäude an der Arnulfstraße saniert, weil Teile der Verkleidung abzustürzen drohten. Für 2,9 Millionen läuft zudem im Hochhaus an der Marsstraße eine Brandschutz- und Asbestsanierung. Ohne die, so verlautete aus dem Ministerium, würde die sofortige Schließung drohen.

Peter T. Schmidt

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