Miki und Muki leben zurzeit im Tierheim. Foto: Kurzendörfer

„Mehr Wildnis wagen“

München - Natur- und Tierschutzverbände gründen ein Aktionsbündnis zum Schutz gefährdeter Wildtiere in Münchner Grünanlagen.

Der Igel ist vom Aussterben bedroht – auch in München schrumpft sein Lebensraum. Einen Grund hierfür sehen Tierschützer in den Münchner Grünanlagen – diese würden zu akribisch gepflegt. „Da wird jeder Grashalm abgemäht, jeder Laubhaufen sofort beseitigt. Wo soll sich der Igel da verkriechen?“, kritisiert Rudolf Nützel, Geschäftsführer des Bund Naturschutz (BN) in München. Heutige Parks bestünden nur noch aus Rasenfläche und Bäumen – es gebe viel zu wenig Büsche und Wildflächen und damit keinen Unterschlupf für Kleintiere. Dies ist laut Tierheim-Chef Karl-Heinz Joachim auch in Privatgärten ein Problem.

Zum ersten Mal schließen sich der BN, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Tierschutzverein München deshalb zu einem Aktionsbündnis zusammen. Sie wollen mithilfe einer Unterschriftensammlung dafür sorgen, dass die Lebensräume der Wildtiere erhalten bleiben. „Wir müssen mehr Wildnis in der Stadt wagen“, sagt Heinz Sedlmeier, Geschäftsführer des LBV München. So solle man am Rande der Grünanlagen vor allem das Unterholz erhalten, in dem Kleintiere nisten und leben können. In neueren Anlagen wie dem Westpark werde dies bereits berücksichtigt.

Das Problem: Die Parkbesucher nutzen die relativ freien Flächen unter Bäumen als Wege. Die Stadt will deshalb die Sicherheit garantieren – Totholz und ältere Bäume werden beseitigt oder beschnitten, um Unfälle zu verhindern. Dies wiederum zerstört weiteren Lebensraum. So findet man im Bavariapark etwa keinen einzigen Zaunkönig mehr. „Wenn es mehr Bewuchs geben würde, würden die Leute auch nicht überall hingehen. Damit wäre dieses übertriebene Sicherheitsdenken unnötig“, so Nützel. Die Stadt verschanze sich hinter der Rechtsprechung zur Verkehrssicherheit.

Dem widerspricht Otto Efler von der Abteilung Gartenbau im Baureferat: „Wir betonen den Sicherheitsaspekt, ohne die Natur aus den Augen zu verlieren.“ Das Fällen eines Baums sei dabei immer die letzte Alternative. 1300 Fällungen im letzten Jahr seien bei insgesamt 900 000 Bäumen in München nicht unverhältnismäßig gewesen.

Natürlich geht es auch um Geld: Eine differenzierte Pflege der Anlagen, wie das Bündnis sie fordert, wäre teurer als ein einheitliches Konzept. Neue Geräte und qualifiziertes Personal müssten her. Denn zur Zeit wird die Pflege der Grünanlagen nicht nur vom Gartenbauamt erledigt, sondern auch von Sub-Unternehmern: „Da läuft dann oft einiges falsch“, so Sedlmeier. So würden etwa mitten im Januar Laubhaufen mitsamt Igeln abtransportiert. Im Sinne der Natur müsse man dann eben mehr Geld ausgeben. „Man kann der Natur zu ihrem Recht verhelfen und die Parkqualität dadurch sogar erhöhen“, sagt Sedlmeier. „Wenn ein Schmetterling vorbeiflattert, freut sich doch auch der Parkbesucher.“

Ann-Kathrin Gerke

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