„Knorr Fix“-Würzmischung wird zurückgerufen - aus einem absurden Grund

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Regte die Studie an: Miriam Heigl von der Fachstelle gegen Rechtsextremismus.

Umfrage zeigt

So menschenfeindlich ist München

München - Feindseligkeit gegenüber Minderheiten und Islamphobie sind auch im wohlhabenden, scheinbar weltoffenen München keine Phänomene des gesellschaftlichen Rands. Wer das bisher geglaubt hat, den belehrt nun eine Studie eines Besseren.

Zum ersten Mal hat die Stadt eine große Umfrage zum Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bei der Ludwig Maximilians Universität (LMU) angestoßen. Ergebnis: Vor allem gegenüber der Gruppe der Muslime zeigt sich in München quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten eine solche „Menschenfeindlichkeit“. Die Rathaus-Grünen finden die Ergebnisse der Studie „erschreckend“ und fordern, sie baldmöglichst im Stadtrat zu diskutieren.

Was die Grünen so erschreckt hat, sind Erkenntnisse wie diese: Deutlich über 20 Prozent der Befragten stimmen der Aussage „Es gibt zu viele Muslime in Deutschland“ voll oder „eher“ zu. 17 Prozent finden, dass die muslimische Kultur nicht gut nach Deutschland passt. Für fast 40 Prozent bereichern Moscheen das kulturelle Leben nicht. Genauso viele Befragte unterschreiben im Großen und Ganzen den Satz „Sitten und Bräuche des Islam sind mir nicht geheuer“. Alle Aussagen zum Komplex Islam zusammengenommen bringen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass 41,3 Prozent der Befragten die Gruppe der Muslime vollständig oder eher ablehnen.

Zwölf Seiten stark ist der Fragebogen, mit rund 50 Fragen, die ihrerseits nochmals in bis zu 17 Unterpunkte gegliedert sind. Christian Ganser, Sozialforscher an der LMU, hat ihn gemeinsam mit seinen Studenten erstellt. 3750 Münchner haben die Wissenschaftler angeschrieben, 1139 Teilnehmer schickten die Fragebögen zurück. Eine Rücklaufquote von 30,4 Prozent. „Das ist nicht unüblich für eine schriftliche Zufallsstichprobe“, betont Ganser. Insofern sei sie durchaus repräsentativ. „Wir haben prozentual weniger Nicht-Deutsche befragt, als es im Bevölkerungsschnitt gibt. Dafür sind bei uns die Höhergebildeten leicht überproportional vertreten.“

Der Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ ist in der Sozialforschung geprägt worden, um in der Gesellschaft schwelende Phänomene wie Rassismus, Rechtsextremismus, Diskriminierung und Sozialdarwinismus neu zu fassen. Die Ergebnisse eines bundesweiten Langzeitforschungsprogramms erscheinen seit 2002 jährlich unter dem Titel „Deutsche Zustände“ im Suhrkamp-Verlag.

Im Vergleich zu Gesamtdeutschland gebe es in München keine besonderen Unterschiede bei den Ressentiments, sagt Ganser. Nennenswert sei, dass es in der Isarmetropole etwas weniger Ausländerfeindlichkeit gebe. Allerdings zeigen sich deutliche Trends zur Abwertung Langzeitarbeitsloser (40 Prozent der Befragten beurteilten diese Gruppe komplett oder eher negativ) und Obdachloser (hier sind 23,5 Prozent negativ eingestellt). Abgefragt wurden auch die Ablehnung Homosexueller (14,1 Prozent), Antisemitismus (12,8 Prozent), Frauenfeindlichkeit (8,2 Prozent), Ablehnung Behinderter (5,5 Prozent) sowie die Befürwortung des Nationalsozialismus (2,9 Prozent). „Feindseligkeiten gegenüber verschiedenen Gruppen gehen oft miteinander einher“, sagt Forscher Ganser.

Miriam Heigl ist nun schlauer. Die Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus hat die Studie in Auftrag gegeben. Ihre Stelle war geschaffen worden, nachdem 2008 ein Neonazi in den Stadtrat gewählt worden und die Stadtgesellschaft dementsprechend geschockt war. Heigl untersteht nun direkt OB Christian Ude (SPD). „Aber ich hatte keine Arbeitsgrundlage, ich wusste nicht, welche Gruppen abgewertet werden. Also, wo Rechtsextremisten punkten können.“ Wichtige Erkenntnisse für sie sind, dass Feindseligkeit in der Gesellschaft keineswegs ausschließlich ein Jugendproblem oder eines ungebildeter Schichten ist. Nun gelte es zum Beispiel, noch mehr Begegnungen zu ermöglichen, sagt Heigl. Denn nur der persönliche Kontakt könne bei Menschen mit einem zementierten Weltbild einen differenzierten Blick bewirken.

Einen entsprechenden Maßnahmenkatalog muss ihr der Stadtrat genehmigen. Darum fordern die Grünen, dass die Studie sofort im Rathaus vorgestellt wird, wenn sie im Herbst vollständig ausgewertet ist. „Da müssen auch Experten aus der Praxis mitreden“, fordert Fraktionschefin Gülseren Demirel. „Die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sollte nicht erst im Wahlkampf 2014 das Thema von Populisten werden.“

Johannes Löhr

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