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MM-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Merkur-Kommentar

München und sein geplatztes Islamzentrum: Illusionen

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Das Projekt Islamzentrum in München ist - erst einmal - gescheitert. Solange die Gelder dafür von schwerreichen saudischen Investoren kommen sollen, ist die Idee des Zentrums ohnehin nur Illusion kommentiert MM-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Es wär’ so schön gewesen, tönt es unisono aus dem Münchner Rathaus nach dem – diesmal wohl endgültigen –Scheitern der hochfliegenden Pläne für ein Islamzentrum im Herzen der Isarmetropole. Eine Begegnungsstätte für den interreligiösen Dialog, ein Leuchtturm des Euro-Islam: All das und noch viel mehr hätte da entstehen sollen, schwärmen die Verfechter des Projekts. Wirklich? Realistisch waren solche Hoffnungen nie, solange als Finanziers stets nur irgendwelche schwerreichen Saudis im Raum standen.

Welchen Anreiz sollten Geldgeber aus dem fundamentalistischsten islamischen Land der Welt haben, in Deutschland einem aufgeklärten Euro-Islam zum Durchbruch zu verhelfen? Nein: Solange Moscheen hierzulande fast ausnahmslos von den erzkonservativen Öl-Dynastien am Golf oder der türkischen Religionsbehörde Ditib finanziert und mit Imamen beschickt werden, werden diese Gotteshäuser kaum zu Horten einer toleranten Glaubensauslegung.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing: Wie sehr in den Moscheen von Erdogans Vorfeldorganisation Ditib dieses Motto beherzigt wird, zeigte zuletzt der Eifer, mit dem man deutsche Politiker nach der Armenien-Resolution des Bundestags vom gemeinsamen Fastenbrechen auslud.

Wer glaubwürdig für einen aufgeklärten, von staatlicher Lenkung freien Islam eintreten will, darf sich gar nicht erst in solche Abhängigkeiten begeben. Sondern muss versuchen, Spendengelder in den wachsenden muslimischen Gemeinden oder bei Unternehmen mit Geschäftskontakten in die islamische Welt zu mobilisieren. Auch wenn es dann am Ende nicht für ein mächtiges Islamzentrum, sondern nur für eine kleine, aber feine Moschee reicht. Dann sollte auch die Stadt München nicht abseits stehen.

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