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Merkur-Redakteur Peter T. Schmidt.

Populistische Forderung

Merkur-Kommentar: Bei den schmutzigsten Kraftwerken anfangen

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Wer Luftverschmutzung reduzieren will, sollte zuerst den Großbrand löschen. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Peter T. Schmidt zur Diskussion um das Heizkraftwerk Nord in München.

Danach kann man immer noch die Gaffer bitten, ihre Zigaretten auszumachen. So ähnlich verhält es sich auch mit Kraftwerken.

Der zweifellos notwendige Ausstieg aus der Kohle muss bei den schmutzigsten Kraftwerken beginnen, die Strom ins europäische Leitungsnetz speisen. In Deutschland sind das die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz und im Rheinland. Als letzte, so gebietet es die Vernunft, schaltet man jene Anlagen ab, die den geringsten Umweltschaden anrichten. Zu denen gehört, unter Experten unumstritten, das Münchner Heizkraftwerk Nord. Block 2 ist eines der saubersten Kohlekraftwerke in Europa. Womöglich sogar das sauberste, weil es dank der Fernwärme-Nutzung besonders effizient arbeitet.

Doch technische Vernunft ist das eine, Politik das andere. Aus einer stillgelegten Dreckschleuder in der Lausitz lässt sich in München kein politisches Kapital schlagen. Deshalb fordert die Münchner ÖDP lautstark die Abschaltung von Block 2 und strebt sogar einen Bürgerentscheid hierzu an.

Wer das will, muss sich über die Folgen im Klaren sein: Für München, so zeigt die ifeu-Studie, ergäbe sich keine spürbare Verbesserung. Deutschland- und europaweit würde Block 2 jedoch durch Kraftwerke ersetzt, die mehr Dreck in die Luft blasen. Wer das als Gewinn ansieht, hat einiges nicht verstanden.

Die ifeu-Studie entlarvt die ÖDP-Forderung als populistische Aktion einer im Stadtrat unbedeutenden Kleinst-Partei, die um öffentliche Wahrnehmung ringt – zu Lasten der Umwelt.

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