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Brian Johnson und Angus Young: die brillant inszenierten Hardrock Globetrotters.

AC/DC in München: Es wummste und rummste

Am Ende ging Angus Young über das Wasser. Auf einem Podest mitten in der Arena, das sich im strömenden Regen langsam füllte wie ein Swimmingpool voller Whisky, tobte er durch das Monster-Solo am Ende von „Let There Be Rock“ – und legte sich auch noch beherzt strampelnd in die Münchner Brühe.

Klar: Wer solche Musik erzeugt, den vielleicht großartigsten Lärm seit dem Urknall, der fürchtet weder Tod noch Teufel noch Stromschlag. Angus beim E-Gitarren-Seepferdchen – das war nur einer von gefühlt 229 Höhepunkten beim München-Gastspiel des größten Rock 'n' Roll-Zirkus der Welt, dem XXL-Konzert von AC/DC vor 70.000 Fans, am Abend, als die Champions League zurückkehrte ins Olympiastadion.

Vor einer Kulisse Tausender rotblinkender Teufelshörnchen (Sensations-Bild!) bewiesen die Hochoktan-Australier: Über den Status einer handelsüblichen Rockkapelle sind sie längst hinaus. AC/DC 2009 – das sind die brillant inszenierten Hardrock Globetrotters, ein krachbuntes Rock 'n' Roll-Disneyland, ein Cirque du Soleil, der sich selbst in die Luft sprengt, ein Klassiker à la Johann Sebastian Krach.

Spontaneität hat da keinen Platz mehr, die militärisch straff durchorganisierte Show und die Setlist waren praktisch identisch mit dem Olympiahallen-Gig 48 Tage davor. Aber: Wer braucht wechselnde Setlists, wenn es so erhaben wummst und rummst, wenn die Musik so viele Eier hat, wie beim australischen Nationalzirkus? Wenn einem das Bierbauchgefühl sagt: Wow, Baby, großartig!

Und AC/DC hatten alles zu bieten, was das Heavy-Herz begehrt: Shouter Brian Johnson bewies vom Opener „Rock 'n' Roll Train“ an, dass man ihm statt Stimmbändern offenbar längst rostige Ankerketten implantiert hat – heißa, wie der schieberbemützte 61-jährige mit der Optik eines englischen Gutsverwalters noch raunzen, röcheln, bellen und gurgeln kann! Angus Young, mit 54 der Junior unter den Sensations-Senioren, spielte wie immer den vom Wahnsinn Gepeitschten – auch wenn er seine Qualitäten als grenzgenialer Bluesgitarrist viel zu geheim hielt.

Und im Unterdeck schoben Malcolm Young, Cliff Williams und Phil Rudd die AC/DC-Galeere in stoischem Takt unerbittlich durch den Regen, immer weiter, immer weiter. Nichts fehlte, was die Aussie-Folklore ausmacht – das vorschriftsmäßige „Oi! Oi! Oi“ aus 70.000 Kehlen bei „TNT“, eine wunderbar dicktuttige 12-Meter-Riesenrosie, die bei „Whole Lotta Rosie“ lüstern über der Bühne schwebte, die Höllenglocke, an der Brian Johnson baumelte wie der Glöckner vom Oberwiesenfeld.

Der Sound, obwohl in halb München bis runter nach Giesing zu hören, wirkte im Stadion gar nicht mal so laut – ging aber wohl doch als veritable Imitation des Startgeräuschs einer Boeing 747 durch.

Am Ende: Salutschüsse für eine spektakuläre Rockrevue, bei der man sich Sorgen machen musste um jede einzelne Zeltdach-Kachel. AC/DC in München – eine wunderbare Reise auf dem Highway to Heaven.

Jörg Heinrich

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