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Kurt Wilhelm mit Ehefrau Rita (Archivfoto von September 2009)

"Brandner Kaspar"-Autor Kurt Wilhelm ist tot

München - Der Münchner Regisseur und Autor Kurt Wilhelm, der unter anderem den "Brandner Kaspar" geschrieben hat, ist tot.

Der Name Kurt Wilhelm wird nicht jedem ein Begriff sein. Aber wenn man sagt: Das ist der Autor vom Brandner Kaspar und das ewig’ Leben, dann weiß jeder, um wen es geht – auch wenn die Arbeit des Regisseurs und Autors viel umfangreicher war. Doch mit dem Brandner schuf er das erfolgreichste Stück Bayern, das je auf die Bühne des Bayerischen Staatsschauspiels kam. Das mit über 1000 Aufführungen für ausverkaufte Häuser sorgte und sorgt; Christian Stückls Inszenierung am Volkstheater hat es bis nach Rio geschafft.

Mit dem Brandner Kaspar ist Kurt Wilhelm sein Paradestück gelungen, ein Stück vom weiß-blauen Himmel, das ewig leben wird. Doch der Autor jenes Bühnen-Kults ist tot: Er starb 86-jährig im Kreis seiner Familie am ersten Weihnachtsfeiertag, teilte die Trauerhilfe Denk gestern mit. Gegenüber der tz erinnern sich zwei Regisseure, die den Brandner Kaspar auf die Bühne bzw. die Leinwand gebracht haben: eben Christian Stückl, Intendant des Volkstheaters und Leiter der Passionsspiele in Oberammergau, und der Münchner ­Kinoregisseur Joseph Vilsmaier.

„Kurt Wilhelm kam auf mich zu: ,Ich wünsch mir, dass du den Brandner machst‘“, erinnert sich Stückl. „Ich fand das sehr mutig von ihm, mir das Stück zu geben – er musste ja davon ausgehen, dass ich etwas Anderes daraus machen würde.“ Kennengelernt haben sich Wilhelm und Stückl vor fünf Jahren, wo noch keiner ahnen konnte, dass der Grundstein gelegt wurde für den größten Erfolg des Volkstheaters mit bisher über 100 000 Besuchern. „Kurt Wilhelm war schon sehr krank, die Arbeit mit ihm war aber sehr angenehm. Er war umgänglich und nett – und ein Mensch, der genau wusste, was er wollte.“ Bei der Premiere im Volkstheater war Wilhelm ebenfalls, „aber er konnte kaum aufstehen. Ich bin mir aber sicher, dass es ihm sehr gut gefallen hat.“

Joseph Vilsmaier war zwei, drei Mal bei Kurt Wilhelm in Straßlach zu Besuch. „Er war ungeheuer gastfreundlich, ich musste immer Kaffee trinken und Kuchen essen“, erinnert sich der Star-Regisseur (Herbstmilch, Rama Dama). „Wir haben über alte Zeiten geredet – er war ja lange Jahre beim Bayerischen Rundfunk. Ein charmanter, warmherziger und sehr offener, neugieriger Mensch. ,Vilsmaier, setz di her!‘ – so war er.“

Wilhelms Inszenierung fürs Staatsschauspiel machte Toni Berger zum Star, der unzählige Male in die Rolle des Boanlkramers geschlüpft ist. Wer die legendäre Aufführung mit Berger und Fritz Straßner verpasst hat: Zumindest gibt’s das Stück als Hörbuch vom Bayerischen Rundfunk.

Jetzt hat Kurt Wilhelm sein ewig’ Leben. Ob’s da oben auch einen Kerschgeist gibt?

M. Bieber

Stichwort: Der Brandner Kaspar

Die Urfassung der Geschichte um den Brandner Kaspar ist 138 Jahre alt und im Kern so, wie sie auch später für die Bühne umgeschrieben wurde: Der Brandner springt dem Tod (Boanlkramer) von der Schippe, indem er ihn betrunken macht und beim Karteln betrügt. Der Brandner Kaspar ist eine literarische Figur aus einer Kurzgeschichte Franz von Kobells, die 1871 erschien. Die erste Bühnenversion schrieb 1934 Joseph Maria Lutz im Jahre („Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“). Doch die wichtigste und populärste Version ist von Kurt Wilhelm, dem Ururgroßneffen Kobells. Er bearbeitete Kobells Geschichte und inszenierte sie 1975 fürs Residenztheater – ein Dauerbrenner mit über 1000 Aufführungen. Rechts: Szene aus Joseph Vilsmaiers Verfilmung mit Franz Xaver Kroetz als Kaspar und Bully Herbig (Boanlkramer).

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