Noch lange nicht am Ende: Münchens Freie-Wähler-Chef Michael Piazolo ist seit zehn Jahren im Amt. Und hat noch viel vor: Piazolo kämpft etwa für einen Ring-Tunnel in seinem Landtags-Wahlkreis Giesing. Foto: Marcus Schlaf

Michael Piazolo

Vom Tennisheim in den Landtag

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München - Er hat erfolgsreiche Volksbegehren geprägt und die Freien Wähler in den Stadt-Bezirken verankert. Intern aber hat Michael Piazolo auch Kritiker, denen er zu rot-grün ist. Jetzt feiert Piazolo sein 10-jähriges Jubiläum als München-Chef der Freien Wähler.

Sie waren zu sechst. Als die Freien Wähler Michael Piazolo vor sieben Jahren zu ihrem München-Chef wählten, waren sie in der Stadt praktisch noch nicht präsent. Man traf sich im Tennisheim des TSV Milbertshofen. Die anderen fünf Anwesenden sprachen sich für Piazolo aus. Die anschließende Feier, erinnert sich der 56-Jährige heute, sei „nicht rauschend“ gewesen.

Piazolo fing klein an. Und kam groß heraus. Auf zwei erfolgreiche Bürgerbegehren zur dritten Startbahn und den Studiengebühren blickt er zum 10-jährigen Amtsjubiläum zurück. Auf seinen Einzug in den Landtag – und darauf, dass die Freien Wähler heute in München auch in vielen Bezirksausschüssen sitzen.

Piazolo ist ein nüchterner Mann. Einer, der ruhig und nachdenklich klingt und dem man nur selten Emotionen anhört. Ein bisschen stolz klingt er dann aber doch, wenn er bei einem Glas Mineralwasser in der Parteizentrale am Giesinger Bahnhof über seine Freien Wähler spricht – und darüber, was in den Jahren erreicht wurde. Man unterscheide sich immer noch stark von den Volksparteien, sagt Piazolo. „Natürlich mussten auch wir Strukturen aufbauen“, sagt er. „Aber wir sind trotzdem noch viel mehr draußen bei den Bürgern und machen nicht so viel Parteiarbeit.“

Piazolo, der Politikwissenschafts-Professor, spricht viel über „den Bürger“. Er will, dass die Menschen mehr mitentscheiden, an den Infoständen sind Bürgerbeteiligung und Bürgerentscheide immer sein großes Thema gewesen.

Was hat sich Piazolo vorgestellt, vor zehn Jahren, mit den fünf Mitstreitern im Milbertshofer Tennisheim? „Ich hätte mir damals auf jeden Fall nicht vorstellen können, dass man als Opposition so viel mitgestalten kann“, sagt Piazolo. Dass es heute keine Studiengebühren mehr in Bayern gibt und bisher keine dritte Startbahn am Flughafen – das hat auch mit Piazolo zu tun, der zu den Gesichtern der Volksbegehren gehörte. „Sehr unkompliziert und verbindlich“ sei die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg mit Piazolo gewesen, schwärmt seine Grünen-Landtagskollegin Katharina Schulze.

Seine eigene Fraktion im Landtag schippert derzeit durch unruhige Gewässer. Schlechte Umfragewerte, Skandale einzelner Abgeordneter. Über Piazolo hört man aber eher Gutes. „Er ist einer unserer Leistungsträger“, sagt etwa Florian Streib, Landtagsabgeordneter aus Oberammergau. „Ein eigenständiger Geist, der immer versucht, auf die Dinge ausgleichend zu wirken und die Dinge von verschiedenen Seiten zu beleuchten.“ Der freie Geist freilich provoziert intern auch. Zum Beispiel, weil er oft eher rot-grüne als konservative Positionen vertritt.

Innerhalb der Freien Wähler in München ist er sowieso nicht unumstritten. Mit seinen beiden Stadträten zum Beispiel gab es wohl immer wieder Meinungsverschiedenheiten.

Öffentlich wurden die in der Debatte darum, ob die Freien Wähler im Stadtrat eine formale Kooperation mit der AfD eingehen dürften oder nicht. Piazolo hat das nicht verstanden, die AfD eine „rechtspopulistische Partei“ genannt – und öffentlich erklärt, die Stadträte hätten sich ohne Absprache zu der formalen Kooperation entschlossen. Schließlich beendeten seine Rathaus-Leute die so genannte „Ausschussgemeinschaft“ von selbst. Die Stimmung aber ist offenbar nach wie vor schlecht. Auf Nachfrage zumindest will Freie-Wähler-Stadtrat Johann Altmann zu Piazolos Vorstands-Jubiläum lieber gar nichts sagen.

Piazolo wird es verkraften können. Konzertsaal, Ring-Tunnel in Giesing, neunjähriges Gymnasium: Er hat weiter seine Themen, für die er brennt. Überhaupt: Um Inhalte sollte es viel mehr gehen, findet er. Piazolo kann sich glaubhaft darüber aufregen, dass so viel über die Nachfolge von Ministerpräsident Seehofer spekuliert wird. „Das ist doch völlig uninteressant!“, sagt er. Ob Piazolo, der nie Mitglied einer anderen Partei gewesen ist, nochmal zehn Jahre als Freie-Wähler-Chef dranhängt? Er selbst kann es sich zumindest gut vorstellen. Es gibt noch viel zu tun. Und mehr als fünf Unterstützer, soviel steht fest, hat Piazolo inzwischen auch.

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