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Ludwig Hartmann (Grüne) sieht seine Skepsis nun begründet.

Millionen-Defizit bei Olympia

  • vonMatthias Kristlbauer
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München - Einen Monat vor der Entscheidung über die Olympischen Winterspiele 2018 fehlen weiter vier Millionen Euro im Bewerbungsetat. Die Hoffnung, das Geld von Sponsoren einzutreiben, ist dahin. Nun muss abermals der Steuerzahler ran.

Die Spannung steigt. Heute in einem Monat, am 6. Juli, entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) im südafrikanischen Durban, ob München den Zuschlag für die Winterspiele 2018 erhält - oder doch der südkoreanische Favorit Pyeongchang, vielleicht aber auch der französische Außenseiter Annecy. Der Ausgang ist völlig ungewiss. Mehr Klarheit herrscht bei der Frage, ob der dreijährige Bewerbungsmarathon - wie zunächst angepeilt - ohne Hilfe des Steuerzahlers zu schaffen ist und sich nur mit Sponsorengeldern finanzieren lässt. Bereits jetzt gilt der Versuch als gescheitert. Aller Voraussicht nach werden erneut die Gesellschafter der Bewerbungsgesellschaft zur Kasse gebeten: die Stadt München, der Freistaat, der Markt Garmisch-Partenkirchen und der Landkreis Berchtesgadener Land.

Mit einem Darlehen von insgesamt 2,7 Millionen Euro hatten die Gesellschafter schon 2009 der klammen Bewerbungsgesellschaft unter die Arme greifen müssen. Jetzt kommen wohl nochmals bis zu 4,1 Millionen Euro hinzu. Das heißt: Die öffentliche Hand muss an die sieben Millionen Euro vom 33 Millionen großen Bewerbungsbudget tragen.

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Denn die Finanzlage hat sich zuletzt nicht mehr verbessert. 26,2 Millionen Euro in bar und als Sachleistungen, also nur knapp 80 Prozent des genehmigten Etats, hat die Gesellschaft bisher einwerben können. Vier Wochen vor der Entscheidung wird in Bewerberkreisen nicht mehr damit gerechnet, dass von privater Seite noch viel Geld zu holen ist. Auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann (Grüne) räumte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) unlängst ein, dass mit „zunehmender zeitlicher Nähe der Entscheidung“ die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss weiterer Sponsoringverträge sinke. Auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) sagte nun unserer Zeitung: „Die Meinung, dass man keine großen Summen mehr bekommt, die würde ich teilen.“

Es ist genau festgelegt, wie viel die Gesellschafter zahlen müssen, sollte es bei der vier-Millionen-Lücke bleiben. Auf München (61,22 Prozent) kommen 2,5 Millionen Euro zu, auf den Freistaat (18,37 %) etwa 750 000, ›auf das Berchtesgadener Land (4,08 %) 167 000 Euro, auf Garmisch-Partenkirchen (16,33 %) knapp 670 000 Euro.

Unterm Strich aber wird die Olympia-Bewerbung für die Gesellschafter teurer. Denn die Chance, das 2009 gewährte Darlehen zurückzuerhalten ist jetzt dahin. München käme somit auf Gesamtkosten von vier Millionen Euro, der Freistaat auf 1,25 und der Markt Garmisch-Partenkirchen auf 1,1 Millionen. Dass die nicht gerade reiche Gemeinde im Werdenfelser Land nochmals 670 000 Euro aus der Schatulle nehmen muss, „darüber wären wir nicht glücklich“, räumt Bürgermeister Schmid ein. „Das Genick würde es uns aber nicht brechen.“ Die Gesellschafter der Olympia-Mission hätten jedenfalls vorsorglich darauf gedrungen, „dass nicht die kompletten 33 Millionen ausgegeben werden“.

Olympia-Zuschlag oder nicht - die Bewerbungsgesellschaft wird nach der Entscheidung in Durban aufgelöst. Womöglich lassen sich noch Werte der GmbH versilbern, vielleicht lassen sich auch die Kosten für die Party am 6. Juli deckeln. „Man muss warten, bis die Endabrechnung gemacht ist“, sagt Jochen Färber, der Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. Stolz könne man jedoch sein, dass es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelungen sei, so viel Sponsorengelder zu akquirieren.

Olympia-Gegner Hartmann sieht indes die Kritik der Landtags-Grünen bestätigt: „Dass die Finanzierung über Sponsoren nicht funktionieren wird.“ Zudem seien unter den Sponsoren auch Unternehmen der öffentlichen Hand - etwa Lotto Bayern, die Sparkassen oder der Flughafen. Was Hartmann auch stört: Dass der Deutsche Olympische Sportbund von den Kosten gänzlich verschont werde. Dabei sei der doch zu 51 Prozent an der Bewerbungsgesellschaft beteiligt.

Matthias Kristlbauer

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