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Die Ludwigstraße wird rund um den Tag der Deutschen Einheit sieben Tage gesperrt.

Zum Einheits-Tag: Ludwigstraße eine Woche gesperrt

München - Zum Tag der Deutschen Einheit plant die Staatskanzlei ein gewaltiges Fest in der Innenstadt. Eine halbe Million Besucher wird erwartet. Die Ludwigstraße wird sieben Tage gesperrt.

Einigkeit und Recht und eine große Sause: Seit 1990 ist der 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit. Seitdem finden die zentralen Feierlichkeiten jedes Jahr in der Hauptstadt jenes Landes statt, das den Vorsitz im Bundesrat innehat. Heuer ist München an der Reihe.

Das Fest findet am 2. und 3. Oktober in der Innenstadt statt, vom Odeonsplatz entlang der Ludwigstraße bis hin zum Siegestor sowie in den Innenhöfen der Residenz, dem Hofgarten und dem Marstallplatz. Die Staatskanzlei rechnet mit rund einer halben Million Besucher und hat 1200 offizielle Gäste geladen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In der Jesuitenkirche Sankt Michael wird ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten, im Nationaltheater soll ein Festakt für Glanz sorgen. Das Herzstück der zweitägigen Feier wird die „Ländermeile“ auf der Ludwigstraße sein, wo sich Vertretungen aller Bundesländer mit einem eigenen Zelt präsentieren. Am Siegestor und an der Feldherrnhalle werden Bühnen aufgebaut, vor der Staatskanzlei ist ein Kinderfest geplant.

Der Freistaat greift für die Feier tief in die Tasche. 2,2 Millionen Euro stehen im Haushalt bereit. Die Stadt München wird unter anderem die Kosten für Strom, Wasser und Straßenreinigung übernehmen. Die Verwaltung nennt einen „Mindestbedarf“ von 300 000 Euro, den der Stadtrat bereits abgenickt hat.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will ordentlich auftischen. Er war im Oktober 2011 bei der großen Einheitsfeier, die Nordrhein-Westfalen mit der damaligen Bundesratspräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in Bonn organisierte - für Seehofer der Maßstab. „Das war ein halbes Stadtviertel, nicht nur ein 15-Mann-Zelt. Da kann doch Bayern nicht zurückstehen, ich bitte Sie!“, so Seehofer zu unserer Zeitung. „Wir finanzieren die anderen Länder, und die präsentieren sich dann besser als wir?!“ Soweit soll es nicht kommen.

Die Anwohner an der Ludwigstraße müssen sich mit den Plänen arrangieren. Die Meile wird vom 28. September bis zum 4. Oktober, 24 Uhr, komplett gesperrt. Während die Länderzelte aufgebaut werden, sollen die Anwohner laut Staatskanzlei zwar noch ein- und ausfahren können, doch spätestens ab dem 2. Oktober ist die Straße auch für sie komplett dicht. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt, Oskar Holl, ist leicht angesäuert. „In der Sache“ sei das Fest zwar „ganz schön“, er hätte sich nur gewünscht, über die Pläne informiert zu werden. „Ich fiel aus allen Wolken, man setzt uns vor vollendete Tatsachen“, zürnt Holl. Die Staatskanzlei habe zwar mitgeteilt, dass es ein Fest gebe - von einer siebentägigen Sperrung der Ludwigstraße sei aber keine Rede gewesen. „Man hätte uns ins Boot holen sollen.“

Das „Boot“ wird in diesen Tagen wohl recht voll. Schließlich findet zeitgleich noch ein weiteres Fest in München statt: Die Wiesn.

Thomas Schmidt und Christian Deutschländer

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