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OB Christian Ude (SPD) hat die Münchner Klinik-Affäre zur Chefsache gemacht.

Millionen-Geldspritze für Klinikum

München - Die Finanzkrise des städtischen Klinikums wird zum Politikum. OB Ude (SPD) hat die Affäre zur Chefsache gemacht. Mit einer Geldspritze der Stadt über rund 100 Millionen Euro soll der marode Konzern aus den Schlagzeilen kommen.

Es rumort in den städtischen Krankenhäusern. Bis zu 43 Millionen Euro Minus dürfte der Klinik-Konzern heuer machen. Und nicht nur das: Mittlerweile ist von Personalabbau die Rede. Wie viele der derzeit 8500 Beschäftigten am Ende übrig bleiben, ist derzeit unklar.

Die politische Brisanz der Klinik-Krise ist enorm. Nicht zuletzt, weil OB Christian Ude 2013 SPD-Kandidat fürs Ministerpräsidenten-Amt werden will. Der Rathaus-Boss kann sich zwar mit prosperierenden Stadtwerken brüsten, nicht aber mit den kommunalen Krankenhäusern. Ude hat diese jetzt zur Chefsache gemacht und führte am Freitag, nicht zum ersten Mal, Gespräche mit Klinik-Chefin Elizabeth Harrison und dem Aufsichtsratschef der GmbH, Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne).

Geplant ist nun eine Erhöhung des Eigenkapitals der GmbH - in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Die Summe, so heißt es, könnte den Konzern über die nächsten Jahre retten - zumindest über 2013 und 2014. Dann nämlich stehen die Landtagswahl und die Kommunalwahl an. Bis dahin könnte so einigermaßen Ruhe herrschen. Zugleich aber würde die Stadt mit der Finanzspritze den Druck auf die Klinik-Geschäftsführung erhöhen - vor allem auf Finanzchef Franz Hafner, der schon lange vor Harrison da war.

Die Krise soll nach Informationen unserer Zeitung ohne Kündigungen bewältigt werden. Der Personalabbau in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und an der Thalkirchner Straße soll durch Fluktuation erfolgen. Zuletzt sei „zu viel Personal eingestellt worden“, diagnostizierte Monatzeder am Montag. Dem Ruf nach neuen Mitarbeitern sei man „zu schnell“ nachgekommen, ohne zu prüfen, ob durch Umorganisation auf die Stelle verzichtet werden könne.

Genaue Angaben, wie sich die Zahlen bei den aktuell rund 8500 Beschäftigten in Verwaltung, Medizin und Pflege seit Jahresanfang entwickelt haben, will die Klinikum GmbH nicht machen. Nur so viel sagt Sprecher Marten Scheibel: Die Zahl der Mediziner sei fast konstant geblieben, in Verwaltung und Pflege habe man Personal abgebaut.

Dass es „zu viele Ärzte“ gebe, sei „die subjektive Bewertung der Geschäftsführung“, sagt Christoph Emminger, Landesvorsitzender des Marburger Bundes und Klinik-Aufsichtsrat. Und: „Allein mit der Entfernung von Mitarbeitern ist das Problem nicht gelöst.“ Es gebe Fachabteilungen mit einer Überdeckung, sagt dagegen CSU-Stadträtin und Aufsichtsrätin Eva Caim. „Das hätte bei der Personalplanung auffallen müssen.“ Doch es „soll und darf keine Entlassungen geben“, betont die Chefin der Grünen-Fraktion und Klinik-Aufsichtsrätin Lydia Dietrich.

Beim Pflegepersonal geht es nun darum, den Anteil teurer Leiharbeiter abzubauen. Wie, ist unklar, denn der Markt für qualifiziertes Pflegepersonal ist leergefegt. Und: Nicht zuletzt wird überlegt, rund 50 Beamte, die noch in der Klinik GmbH beschäftigt sind, an die Stadt zurückzugeben.

Neben dem Personalabbau umfasst der Sparplan auch eine Strukturreform. Künftig wird es nicht mehr an allen fünf Standorten alle medizinischen Fachangebote geben. So sollen in Bogenhausen und Schwabing Kardiologie-Spezialisten sitzen, Neuperlach soll Zentrum für Darmerkrankungen werden. Die Grundversorgung sollen alle Häuser weiter bieten.

Von Caroline Wörmannund Matthias Kristlbauer

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