1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Millionen-Programm für Flüchtlinge in München

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Vor allem im Münchner Osten sind neue Flüchtlings-Unterkünfte geplant – CSU und SPD wollen eine fairere Verteilung.
Vor allem im Münchner Osten sind neue Flüchtlings-Unterkünfte geplant – CSU und SPD wollen eine fairere Verteilung.

München - 125 Millionen Euro will die Stadt investieren, um künftig jährlich 3000 Bettplätze für Flüchtlinge zu schaffen. Das soll der Stadtrat am Donnerstag beschließen. CSU und SPD fordern eine fairere Verteilung der Unterkünfte. Purer Populismus sei das, schimpfen die Grünen.

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab - und nichts deutet darauf hin, dass sich die Situation schnell entspannen würde. Unter Hochdruck versucht die Stadt deshalb, möglichst schnell möglichst viele neue Unterkünftige für Flüchtlinge und unbegleitete Minderjährige zu schaffen. Am Donnerstag soll der Stadtrat grünes Licht für ein umfassendes Programm geben - das knapp 20 neue Unterkünfte im ganzen Stadtgebiet vorsieht. Kosten: etwa 125 Millionen Euro bis 2017.

Knapp 4000 Flüchtlinge sind derzeit in München untergebracht, darüber hinaus sind etwa 500 bis 600 Personen noch nicht registriert worden. 1400 davon sind in der Bayernkaserne und ihren Dependancen untergebracht, etwa 1700 sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, im Amtsjargon „umF“ genannt.

Allein dieses Jahr sollen noch Plätze für 1000 zusätzliche Flüchtlinge geschaffen werden. Ab November soll die McGraw-Kaserne mit 300 neuen Plätzen für Entlastung sorgen. Im Dezember sollen Gemeinschaftsunterkünfte an der Neumarkter Straße und an der Truderinger Straße jeweils 250 Plätze bieten. Für die unbegleiteten Minderjährigen sind dieses Jahr ebenfalls noch 131 zusätzliche Plätze geplant. Ende des Jahres, so die Prognose, leben knapp 5000 Flüchtlinge in der Stadt.

Erholen kann sich die Stadt auf diesem Stand nicht. Denn 2017 muss die Aufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne durch alternative Standorte ersetzt werden - weil auf dem Gelände Wohnungen entstehen sollen. Hinzu kommt, dass die Stadt auch Platz für Wohnungslose bereitstellen muss. Ende Juli waren 4404 Personen wohnungslos, davon 3434 Personen in städtischen Unterkünften untergebracht. Auch für Wohnungslose will die Stadt deshalb neue Plätze schaffen: Im Restjahr 2014 und 2015 rund 1330 Plätze.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass vor allem im Münchner Osten neue Unterkünfte geplant sind. „Obwohl die Verteilungsgerechtigkeit ein wichtiger Prüfungsaspekt ist, musste sich die Task Force bei den vorgeschlagenen Standorten an einer raschen Bedarfsdeckung orientieren“, schreiben dazu das Sozial- und Kommunalreferat in ihrer Vorlage - versprechen aber auch: „Künftig muss bei der Standortbewertung und Standortauswahl stärker auf eine Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Stadtbezirken geachtet werden.“

CSU und SPD hatten gefordert, dass die Verwaltung künftig stärker darauf achtet, wo neue Unterkünfte entstehen - und dass die Standorte fair auf das Stadtgebiet verteilt sind. Diese Forderung können die Grünen nur teilweise nachvollziehen: „Wie soll die Stadtverwaltung das hinkriegen?“, fragt Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel. „Das ist Populismus“, sagt die Grüne, „als würde es diese Möglichkeit geben“. Sie verweist darauf, dass es in den dicht besiedelten Innenstadt-Vierteln kaum Raum für neue Unterkünfte gäbe.

„Das brennt den Leuten auf den Nägeln“, entgegnet CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Es gehe um Gerechtigkeit. „Die Leute fragen: Warum sind die bei mir und nicht in einem anderen Stadtviertel?“. Die Populismus-Vorwürfe der Grünen stören Podiuk wenig. „Die Wünsche von Anwohnern zu berücksichtigen halte ich nicht für populistisch“, kontert er. „Das ist das Problem der Grünen wenn ihnen wurst ist, was der Bürger denkt.“

Ein anderes Problem ist, dass gerade viele junge Flüchtlinge in ihren Unterkünften unterfordert sind und Beschäftigung brauchen. „Deshalb wäre es klasse, wenn sich Münchner Jugendliche bereit erklären würden, mit ihnen Fußball zu spielen, Deutsch zu lernen, zu basteln oder ihnen einfach nur etwas Zeit zu schenken“, sagt SPD-Stadtrat Christian Müller. Die SPD bittet deshalb alle Interessierten, die sich ehrenamtlich in der Bayernkaserne engagieren wollen, per E-Mail an engagement.soz@muenchen.de zu melden.

Auch die Grünen wollen die ehrenamtliche Arbeit für Flüchtlinge verbessern. Sie fordern, dass die ehrenamtliche Arbeit für Flüchtlinge in den Stadtteilen dezentral organisiert wird. Vor Ort, an den einzelnen Unterkünften, soll es Ansprechpartner geben, an die sich wenden kann, wer gerne helfen will.

Moritz Homann und Felix Müller

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion