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Die Aubinger Kirche St. Quirin: Hier wirkte Pater Shaju 18 Monate lang als Kaplan.

Missbrauchs-Fall auch in München

München - Ein Missbrauchsfall durch einen katholischen Geistlichen in München ist jahrelang vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden. Er kam jetzt auf, weil sich derselbe Priester später offenbar auch in einer Gemeinde in Fürstenfeldbruck an Mädchen vergangen hat.

Egal, wen man fragt in der Aubinger Pfarrei St. Quirin: Kaplan Shaju war beliebt. Ende 30 war der indische Priester aus dem Bistum Bombay, als er im März 2002 in die Pfarrei im Münchner Westen kam. Schon mehrfach hatten Ordensbrüder aus Indien hier als Kapläne ausgeholfen, um Deutsch zu lernen. Pater Shaju engagierte sich in der Jugendarbeit, brachte frischen Wind ins Gemeindeleben, war stets höflich und hilfsbereit. Als er nach 18 Monaten turnusmäßig in die Pfarrei St. Magdalena in Fürstenfeldbruck versetzt wurde, fiel der Abschied vielen schwer. Doch Pater Shaju nahm offensichtlich ein düsteres Geheimnis mit an seine neue Wirkungsstätte: Am 30. Juni 2005 wandte sich eine damals 16-jährige Schülerin an die Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums: Pater Shaju habe sie in seiner Zeit in Aubing missbraucht, als sie 13 war.

Pater Shaju

Er habe den Fall sofort an das Ordinariat gemeldet, betont der Brucker Pfarrer Michael Bayer, der bis dahin keinerlei Verdacht gegen seinen Kaplan gehegt hatte. Pater Shaju durfte sich fortan Kindern, Jugendlichen und Ministranten nicht mehr nähern, keine Hausbesuche mehr machen. „Er durfte nur noch die Messe lesen und Sakramente spenden“, sagte Bernhard Kellner, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats, gestern. Ansonsten lief die Aufarbeitung des Falles jedoch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ab: Pater Shaju wurde im November 2005 wegen mehrfacher Nötigung und sexuellen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einer Geldstrafe verurteilt und Mitte 2006 zurück nach Indien geschickt. Das Ordinariat informierte seine Ordensoberen. Die Brucker Gemeinde freilich erfuhr nichts, und so bescherte sie dem Priester, der engagiert Spenden für die Tsunami-Opfer in seiner Heimat gesammelt hatte, sogar einen rauschenden Abschied. Nachforschungen, ob sich Pater Shaju auch in Bruck etwas hatte zu Schulden kommen lassen, gab es nicht – eine unglückliche Entscheidung, wie Kellner heute einräumt. Was die Geheimhaltung angeht, liege es im Ermessen des Pfarrers, das Kirchenvolk zu informieren. „Als Pfarrer fragt man nicht, da gibt es höhere Gewalten“, sagt Bayer dazu.

Die Tat wäre wohl gänzlich in Vergessenheit geraten, hätten sich nicht Ende letzter Woche zwei Familien dem Brucker Pfarrer anvertraut und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ihr Vorwurf: Auch in St. Magdalena soll Pater Shaju pädophile Neigungen ausgelebt haben. Die Opfer: zwei minderjährige Mädchen.

„Wir sind froh, dass die Opfer den Mut gefunden haben“, betont Kellner. Man wolle den Fall nun lückenlos aufklären und auch den indischen Orden erneut informieren. Mehr könne man nicht tun. „Unser Arm wird nicht bis nach Indien reichen.“

Von Ingrid Müller und Peter T. Schmidt

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