Angeklagt: Thomas S. thi

„Ich habe zwei Fehler begangen“

Missbrauchs-Gutachter bietet Staatsanwältin Schmerzensgeld

München - Überraschung im Missbrauchsprozess gegen Gerichtsgutachter Dr. Thomas S. Er hat der Staatsanwältin, die er missbraucht haben soll, 20 000 Euro Entschädigung angeboten.

Es ist ein Schritt nach vorne, als die Verteidiger ankündigen, dass Gerichtsgutachter Dr. Thomas S. (60) eine Erklärung abgibt. Lange feilen sie an den Formulierungen. Bis die Erklärung am Mittwochnachmittag steht. Bisher hatte der Psychiater vehement bestritten, einer süchtigen Staatsanwältin Psycho-Pillen gegen Sado-Maso-Sex verschrieben zu haben. Nun legt er eine Wende hin, relativiert die Sache. Er „bedauere“ die ihm zur Last gelegten Vorwürfe, sagt er. Und bietet an, der Staatsanwältin 20 000 Euro Entschädigung zu zahlen.

„Ich habe zwei Fehler begangen“, lässt S. über seinen Verteidiger Stephan Lucas ausrichten. Er habe sich auf ein Arzt-Patienten-Verhältnis eingelassen – und gleichzeitig ein sexuelles Verhältnis mit der Staatsanwältin gepflegt. Einen Missbrauch weist er allerdings von sich. Als Entschädigung bietet er dennoch eine Geldzahlung an. Denn der Ruf der Juristin sei „nachhaltig geschädigt“. „Sie wurde schwer belastet, nicht zuletzt durch mein Prozessverhalten.“ So wurden im Prozess intime Details bekannt und schlüpfrige SMS verlesen. Außerdem musste die Staatsanwältin zweimal viele Stunden lang vor Gericht aussagen. Denn nachdem Thomas S. wegen eines Badeunfalls auf Teneriffa nicht erschienen war, platzte der Prozess beim ersten Mal und musste noch einmal neu gestartet werden.

Dr. S. spricht von einer Liebesbeziehung. Er sei verliebt gewesen, habe sich Kinder mit der Staatsanwältin gewünscht. Gemeinsam urlaubten sie in seinem Haus am Gardasee, spazierten Händchen haltend durch den Englischen Garten, berichtet er. Erst Monate nach Beginn der Beziehung sei er „zum Arzt mutiert“, als er sie mit einer Überdosis Beruhigungsmittel im Bett fand. Es sei üblich gewesen, dass er unter Freunden gelegentlich Rezepte ausgestellt habe – „ohne Gegenleistung“.

Wie sich die neue Erklärung nun im Prozess auswirkt, ist noch unklar. Thomas S. „möchte nun geklärt wissen“, ob er den Tatbestand des „sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses“ tatsächlich erfüllt habe. „Ob ich mich in der Tat strafbar gemacht habe.“

Ja, sagt die Staatsanwaltschaft, die den Gutachter auf die Anklagebank gebracht hat. Sie bewertet die angebliche Liebesbeziehung ganz anders. Sie wirft S. vor, dass er seine Stellung als Arzt ausgenutzt hat, um die Juristin sexuell gefügig zu machen: Psychopharmaka gegen Dienste als Domina. Ein Rechtsgespräch zwischen allen Beteiligten brachte kein Ergebnis. Der Prozess dauert an.

Nina Gut

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