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Shanti am ersten Prozesstag.

Missbrauchsopfer sagt gegen Shanti aus

München - Im Missbrauchsprozess gegen den Sektenguru Oliver Shanti ist eines seiner Opfer am Donnerstag vom Münchner Landgericht vor einer Konfrontation mit dem Angeklagten geschützt worden.

Lesen Sie dazu den ausführlichen Prozessbericht:

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Kranker Guru Shanti: Prozess im Glaskasten

Während der nicht öffentlichen Aussage der heute 32 Jahre alten Frau wurde der Musikproduzent von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Angeklagte musste zwar den Saal nicht verlassen, sein Anblick blieb der Zeugin aber durch Sichtblenden erspart. Ihre Aussage wurde dem 60-Jährigen per Bild- und Tonübertragung in den Glaskasten überspielt, in dem er als Träger des übertragbaren MRSA-Keimes ohnehin während der Verhandlung sitzen muss. 

Kranker Guru Shanti: Prozess im Glaskasten

Shanti hat die Zeugin und Nebenklägerin laut Anklage zwischen ihrem zwölften und vierzehnten Lebensjahr in etwa 200 Fällen missbraucht. Dabei sei es in einem Fall auch zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen. Die junge Frau sei schwer traumatisiert, begründete ihre Anwältin Carmen Hapke ihren Antrag auf Entfernung des Angeklagten aus dem Sichtfeld der Frau. Bei einer Aussage unter den Augen Shantis, von dem sie jahrelang abhängig gewesen sei, müsse ein Nervenzusammenbruch mit gesundheitlichen Schäden befürchtet werden.  

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Laut einem Psychiater könnte die 32-Jährige beim Anblick des Angeklagten in eine Starre mit Sprachlosigkeit verfallen, die womöglich tagelang andauere. Der Vorsitzende warnte Shanti ausdrücklich vor Unterbrechungen der Aussage aus dem Glaskasten hinaus, "sonst müssten wir über Ihre Entfernung entscheiden". Shanti ist des Kindesmissbrauchs in 314 Fällen an zwei Mädchen und vier Jungen angeklagt. Er soll sich an den anfangs 8 bis 13 Jahre alten Kindern von 1985 bis 1998 regelmäßig vergangen haben. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt am Vortag die Vorwürfe bestritten. Er habe niemals Kinder missbraucht. Sexuelle Kontakte mit drei mutmaßlichen Opfern räumte er ein, die betreffenden Jungen seien damals aber schon 17 Jahre alt gewesen.

Der krebskranke Angeklagte sitzt in der Glasbox wegen einer Infektion mit dem MRSA-Keim. Dieser Erreger, der verschiedene lebensbedrohliche Krankheiten übertragen kann und resistent gegen Antibiotika ist, wird unter nicht einwandfreien hygienischen Bedingungen in Kliniken übertragen. Der Prozess gegen Shanti ist bislang auf acht Tage terminiert. Das Gericht hat vorsorglich weitere Verhandlungstage bis zum Jahresende mit den Beteiligten abgesprochen.

dpa

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