Mister Hollywood aus Schwabing

München - Bernd Eichinger war Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent. Der Grundstock seiner Karriere wurde in München gelegt. Weggefährten erinnern sich.

Es muss vor etwa einem Monat gewesen sein, meint Charles Schumann, als er Bernd Eichinger das letzte Mal gesehen hat: „Er verabschiedete sich, sagte, er fliege morgen nach Los Angeles. Und dass er deshalb erst in ein paar Wochen wieder reinschauen kann. Ich soll mir also keine Sorgen machen.“ Es ist anders gekommen: Während seines Aufenthalts in Los Angeles starb Eichinger nach einem Herzinfakt - völlig unerwartet bei einem Essen im Familien- und Freundeskreis.

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Barmann und Weggefährte Schumann kann den Tod des erfolgreichen TV-Produzenten noch nicht fassen: „Für mich ist er nicht tot. Ich habe das Gefühl, dass er gleich zur Tür reinkommt“, sagt der Betreiber der Szenebar „Schumanns“ am Odeonsplatz. 30 Jahre lang war Eichinger Stammgast in der Bar, die früher an der Maximiliansstraße war: „Er kam nicht zum Essen, sondern zum Trinken“, erinnert sich Schumann. Meist sei Eichinger in Begleitung von Freunden gewesen, wenn er spät nachts die Bar betrat. Oft sei er bis in die Morgenstunden geblieben, und freilich habe Eichinger ausgiebig gefeiert, wenn es was zu Feiern gab.

Aber der erfolgreiche Produzent kannte seine Grenzen: „Wenn er am nächsten Morgen ins Büro musste, ist er früh gegangen. Ihm war schon klar, dass man nicht arbeiten kann, wenn man vorher kaum geschlafen hat“, erzählt Schumann. Ohnehin sei Eichinger in den vergangenen Jahren ruhiger geworden: „Wenn man verheiratet ist, verbringt man seine Zeit halt anders“, sagt der berühmte Barmann und fügt hinzu: „Seine Frau Katja hat ihm sehr gut getan.“

Eichinger hatte die Journalistin Katja Hofmann vor fünf Jahren geheiratet. Seither war sie meist an seiner Seite, wenn er in Schwabing unterwegs war. So führte Eichinger seine Gattin unter anderem ins „Rossini“ aus - ein italienisches Restaurant an der Türkenstraße, das nach Helmut Dietls gleichnamigem Film benannt ist. Chef des „Rossini“ ist der Italiener Fabrizio Cereghini, der vor etwa drei Jahren sein legendäres Restaurant „Romagna Antica“ an der Elisabethstraße aufgab.

Im „Romagna Antica“ war der 61-jährige Eichinger fast drei Jahrzehnte Stammgast: „Er kam mindestens 250 Mal im Jahr“, erzählt Cereghini. Der Italiener steht am Fenster des „Rossini“ und schaut hinaus in das Schneetreiben. In ihm muss es genauso trist aussehen wie draußen - Cereghini kämpft mit den Tränen: „Es trifft mich sehr. Ich bin ein Jahr jünger als Eichinger, wir waren Freunde“, sagt er.

In den 70er- und 80er-Jahren war Cereghinis Restaurant das Stammlokal der Filmschaffenden - Helmut Dietl, Patrick Süskind, Rainer Werner Fassbinder feierten hier: „Die hatten alle ihre Büros in der Nähe“, sagt Cereghini. Auch „Solaris“, die 1974 gegründete Produktionsfirma Eichingers, war gleich ums Eck. So kam es, dass der in Neuburg an der Donau geborene Eichinger fast immer im „Romagna Antica“ war: „Er hat nicht angerufen, um zu reservieren, sondern um Bescheid zu sagen, dass er heute nicht kommen kann“, erzählt Cereghini, der für Eichinger den immer gleichen Tisch freihielt. Dort aß Eichinger am liebsten die hausgemachten Tagliatelle, trank ein Glas Rotwein dazu. Oft kam der TV-Produzent in Begleitung seiner Eltern: „Er war ein Familienmensch“, erzählt Cereghini. „Seine Mutter hat er geliebt, er behandelte sie mit großer Aufmerksamkeit. Wenn sie in München zu Besuch war, hat er alles in Bewegung gesetzt, damit sie es so angenehm wie möglich hat.“ Auch seine Tochter, die Moderatorin Nina Eichinger, die aus Eichingers erster Ehe mit der Herstellungsleiterin Sabine Eichinger stammt, habe ihm unendlich viel bedeutet.

Cereghini erlebte den Produzenten nicht nur in Feierlaune: „Oft saß er da und grübelte über ein Filmprojekt“, erzählt er. „Sein Lieblingsort in München war wahrscheinlich sein Büro“, meint Cereghini, der Eichinger als Arbeitstier kennen gelernt hatte: „Er diskutierte auch bei Pasta noch über seine Projekte.“

Eichinger lebte an der Schwabinger Leopoldstraße - von dort hatte er es nicht weit zu seinem Büro an der Feilitzschstraße. Hier muss er regelmäßig ein- und ausgegangen sein - die beiden Empfangsdamen im dritten Stock der Constantin Film AG jedenfalls vermissen Eichinger: „Er war unser Chef“, sagt eine von ihnen mit tränenerstickter Stimme und bittet um Verständnis, sich nicht weiter äußern zu wollen. Eichinger war zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender der Constantin Film AG, die er 1999 an die Börse brachte.

Studiert hatte Eichinger 1970 bis 1973 an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), die damals noch in Schwabing war: „Wir müssen erst begreifen, dass Bernd Eichinger nicht mehr lebt. Er wird uns fehlen als Persönlichkeit mit professioneller Vorbildfunktion und menschlicher Größe“, sagt Gerhard Fuchs, Präsident der HFF.

Auch Klaus Schaefer, Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern (FFF) ist erschüttert: „Wir verlieren einen großen Produzenten, Regisseur und Autoren, der Filmgeschichte geschrieben hat.“ Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der Eichingers Witwe kondolierte, sagt: „Er hat mit seinen Filmen das Ansehen seiner langjährigen Heimatstadt München als Stadt der Medien und des Films geprägt.“

Bettina Stuhlweissenburg

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