Mister Olympiapark nimmt seinen Hut: Abschiedsinterview mit Wilfrid Spronk

München - Nach 26 Jahren bei der Parkgesellschaft geht der 63-jährige Wilfrid Spronk Ende Mai in den Ruhestand. Heute wird Spronk von Christian Ude bei einem Festakt verabschiedet.

-Herr Spronk, auf welche Veranstaltung der vergangenen 16 Jahre sind Sie denn besonders stolz?

Über alles gesehen, ist sicher die Leichtathletik-Europameisterschaft 2002 etwas ganz Besonderes gewesen. Es war ja zum ersten Mal, dass der Ausrichter nicht ein Verband, sondern die Olympiapark-Gesellschaft war. Da war bei uns Spannung pur über Wochen. Noch heute spricht man international über die EM. Das ist wohl auch ein Grund dafür, warum mir der Europäische Leichtathletik-Verband vor ein paar Wochen die höchste von ihm zu vergebende Auszeichnung verliehen hat.

-Als Sie 1993 Geschäftsführer wurden, stand gleich die Eishockey-WM an. War diese der sportliche Höhepunkt Ihrer Amtszeit?

Sicher nicht allein. Dafür hatten wir doch eine Vielzahl von Großereignissen gehabt, etwa die Frauen-Tennis-WM 2001. Das ist ja das Faszinierende, dass wir hier nicht nur auf einem Klavier spielen. Wir sind ein Zirkusunternehmen mit vielen Manegen unter einem weltberühmten Zeltdach. Und es gab ja auch große Konzerte.

-Welches Konzert hat Ihnen am besten gefallen?

(überlegt) Für jemanden, der Pavarotti gemocht hat, natürlich sein erstes Konzert in der Halle. Das wird unvergessen bleiben. Und wenn wir bei dem Genre bleiben: die drei Tenöre im Stadion, auch wenn da Sauwetter war. Da fällt mir noch ein drittes Konzert ein – aber ein Höhepunkt war das nicht.

-Aha. Welches denn?

Als Pavarotti nicht singen konnte. Schon bei der Generalprobe war ihm die Stimme weggekippt. Am Nachmittag des Veranstaltungstags war klar, dass er nicht auftreten kann. Was sich dann am Abend bei den aufgeregten Zuschauern in der Olympiahalle abgespielt hat, ist einmalig. Das war ein schreckliches Erlebnis. Fürchterlich.

-Was ist dann passiert?

Es wurde ein junger Amerikaner aus der Oper geholt, der zufällig in München war. Ein Tenor. Der war gar nicht schlecht. Sicher besser, als Pavarotti an diesem Abend gewesen wäre.

-Eine Zäsur für den Olympiapark war der Auszug des Fußballs. Wann war Ihnen klar, dass aus dem Umbau des Stadions nichts werden würde?

Das war beim Architekten-Hearing im Rathaus am 6. Dezember 2000. Ein Sturz in ein gewaltiges Loch.

- Wie lange hat es gedauert, bis Sie das moralisch verschmerzt hatten?

Das ging eigentlich relativ schnell, weil wir alle erkannt hatten: Jammern hilft nichts. Da ist eine richtige Jetzt-erst-recht-Haltung entstanden. Wir haben die Turandot-Oper und die Weinwelt geholt. Und wir haben mit den Promotern gesprochen, dass sie ihre Open-Air-Konzerte in den ersten Sommer ohne Fußball legen. Es war aber klar, dass wir das, was wir durch den Auszug des Fußballs verloren hatten, nicht aufholen konnten.

-So ganz aufgeräumt klingen Sie nicht . . .

Wenn Sie so wollen: Es tut immer noch ein bisschen weh. AC/DC ist kein Fußball und nicht unbedingt meine musikalische Richtung. Aber es ist trotzdem faszinierend, dieses wunderschöne Stadion voller Menschen zu sehen.

-Hätte die WM auch im nicht umgebauten Olympiastadion funktioniert?

Das ist müßig zu diskutieren. Ich meine schon.

-Bei der Pleite des „Olympic Spirit Erlebniscenters“ gingen rund 20 Millionen Euro verloren. Was war da schiefgelaufen?

Dass das, was an Sportdisziplinen und Simulationen im alten Radstadion da war, nicht dem entsprach, was man erwartet hatte. Durch die dauernden Ausfälle und die unattraktive Gestaltung blieben dann auch die Besucher aus. Es hat nicht sollen sein.

-Sie haben den Umbau der Olympiahalle und den Neubau einer kleinen Halle auf den Weg gebracht. War das alles nötig?

Wenn die Olympiahalle auch in Zukunft in der Champions League der Veranstaltungsstätten mitspielen will, dann müssen wir modernisieren. Man darf gar nicht laut sagen, dass wir erst im 37. Jahr nach Olympia 1972 – also im Herbst vorigen Jahres – professionelle Kioske haben eröffnen können, weil das zuvor von den Architekten nicht genehmigt wurde.

-Der Widerstand gegen Veränderungen im Park hat sich also gelegt?

Denen, die ich die selbsternannten Freunde des Parks nenne, wäre es natürlich am liebsten, dass gar nichts passiert. Einige Schlauberger meinten ja auch, sie müssten das Sea-Life-Center verhindern. Überraschend war, dass gerade das Architekturbüro Auer + Weber akzeptiert hat, dass man heute andere Anforderungen stellt.

-Wie hat sich der Olympiapark seit Ihrem Amtsantritt verändert?

Der Park ist auch 37 Jahre nach den Spielen ein lebendiger Park – mehr als 1993. Wir haben hier fast jedes Wochenende von Mai bis September Veranstaltungen auf dem Außengelände. Darauf bin ich stolz.

-Und wie sieht der Park in 20 bis 30 Jahren aus?

Ich habe nie in der Glaskugel gelesen. Aber wegen der aktuellen Maßnahmen wage ich die Behauptung, dass in 10 bis 15 Jahren der Park mit Sicherheit noch das Veranstaltungszentrum ist, das er heute ist. Wenn jetzt die Olympischen Spiele 2018 kämen dann reden wir über die 20 Jahre ohne Probleme. Gefährlich wäre aber, erst bis zur Olympia-Entscheidung 2011 abzuwarten, bis etwas passiert. Dann kann ganz schnell der Zug abfahren.

-Sie würden also schon vor einer Olympia-Zusage zu bauen anfangen?

Wir brauchen eine neue Halle. Deshalb sollte man dann, wenn 2011 die Evaluierungskommission des IOC kommt, zumindest einen Spatenstich machen. Damit die sehen: Da bewegt sich was.

-Im vergangenen Jahr hatte Sie ein Burnout gezwungen, ruhigerzutreten. Hängt Ihr Abschied damit zusammen?

Nein. Die Entscheidung, dass ich jetzt am 31. Mai aufhöre, ist schon 2006 gefallen.

-Bis zu dem Burnout waren Sie auch Geschäftsführer der Olympia-Bewerbungsgesellschaft. Werden Sie wieder für diese tätig?

Ich schließe das nicht aus. Ich will jetzt aber erstmal Abstand bekommen. Ich werde nicht generell auf Null schalten, aber auch keinen neuen Fulltime-Job übernehmen.

-Wann wird Ihre letzte Amtshandlung sein?

Am Samstag vor Pfingsten. Da spielt Simply Red. Ich habe den Herren hier mitgeteilt, dass sich keiner Gedanken machen muss, wer abends die Geschäftsleitung übernimmt. Das mache ich.

-Und machen Sie dann auch das Licht aus?

Nein, das machen andere. Aber ich mag Simply Red. Das passt einfach wunderbar.

Interview: Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Kommentare