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Angriff der Außerirdischen? Nein! Christian Bornkessel von der TU Ilmenau misst am Marienplatz mit einem „Spektrumanalysator“ die Mobilfunk-Immissionen.

Messungen

Mobilfunk & Co: Wie sehr strahlt München?

München - Die TU Ilmenau will in einer Studie klären, welche Hochfrequenz-Quellen im Alltag dominieren und ob die Grenzwerte eingehalten werden.

Der Marienplatz ist an diesem späten Montagvormittag gut gefüllt. Kein Wunder, es ist sommerlich warm, und hunderte Touristen warten kurz vor 11 Uhr auf das berühmte Rathaus-Glockenspiel. Von dem Mann, der sich einen sonderbaren gelben Kasten um den Körper geschnallt hat und um die Mariensäule herumstreunt, nimmt keiner Notiz. Das seltsame Gerät, aus dem ein Gegenstand herausragt, der einem Richtmikrofon ähnelt, ist ein so genannter Spektrumanalysator. Christian Bornkessel von der Technischen Universität (TU) Ilmenau misst damit Hochfrequenz-Immissionen.

Vom Montag an führt der Studienleiter im Auftrag des Informationszentrums Mobilfunk (IZMF) in München Immissionsmessungen von verschiedenen, typischerweise im Alltag auftretenden Funkwellen durch. Das städtische Referat für Umwelt und Gesundheit unterstützt das Projekt. Die IZMF ist ein eingetragener Verein, hinter dem die deutschen Mobilfunknetzbetreiber stehen. Die Studie soll belastbare Daten liefern, um die Gesamtimmissionen im Hochfrequenzbereich beim Gebrauch mobiler Endgeräte abzuschätzen. Außerdem soll sie Informationen darüber bereitstellen, in welchem Maße Mobilfunkantennen, Rundfunksender oder WLAN-Router sowie Handys, Laptops oder Tablets Anteil an der Gesamtausstrahlung der Geräte haben.

Die Versuche dauern bis Mitte nächster Woche und werden an verschiedenen Plätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Schulen, in Firmen, der Feuerwache und in Wohnungen besorgter Bürger vorgenommen. Die Messergebnisse werden von Bornkessel und seinem Team wissenschaftlich ausgewertet und sollen voraussichtlich bis September endgültig vorliegen.

Interessant ist laut Bornfessel herauszufinden, welche verschiedenen Immissionsquellen – Handy, Mobilfunkmast, Radiosender, W-LAN und zahlreiche andere Funktechniken – in welcher Größenordnung auf die Menschen einwirken, wenn er sich durch die Stadt bewegt. Mithilfe der Messdaten können Verbraucher Rückschlüsse auf ihre individuelle Exposition ziehen. Das Problem: Die Zahlen allein sagen wenig. Ob sie dem Menschen schaden, ist in Medizinkreisen bis heute umstritten.

Bislang stand vor allem die Abstrahlung von Sendeanlagen und deren womöglich gesundheitsschädliche Wirkung im Fokus. Die Diskussion über die Installation neuer Mobilfunkmasten ist landauf, landab bestens bekannt. Bornfessel sagt: „Jeder will Mobilfunk haben, aber bitte keine Basisstationen in seinem Bereich.“ In dieser Versuchsreihe werden aber gerade auch Endgeräte wie Handys oder Tablets unter die Lupe genommen. Vorsichtige Verbraucher sind ja schon seit Jahren dazu übergegangen, Smartphones nicht mehr direkt an den Kopf zu halten, sondern beispielsweise Kopfhörer zu tragen. Für die erlaubte Höhe hochfrequenter elektromagnetischer Felder gibt es Grenzwerte, die sich an den Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission (ICNIRP) orientieren. Bornkessel arbeitet im Übrigen selbst bei der Strahlenschutzkommission mit.

Nach Auskunft des Wissenschaftlers wurden die Grenzwerte bei Messungen in der Vergangenheit nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft. Überraschende Ergebnisse erwartet Bornkessel auch bei dieser Studie nicht. Interessant sei vielmehr die „prozentuale Ausschöpfung der Grenzwerte“ von Endgeräten in Relation zu den Basisstationen, etwa an belebten Plätzen wie dem Marienplatz oder dem Viktualienmarkt. Klar ist laut Bornkessel so viel: „Das Handy ist die Hauptquelle der persönlichen Immission.“ Ergänzend zur wissenschaftlichen Publikation erstellt das IZMF eine Broschüre, in der die Ergebnisse auch für Laien nachvollziehbar sind.

Klaus Vick

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