Die Axt, mit der Polizist Peter R. seinen Opfern die Köpfe abschlug, liegt heut in der Asservatenkammer.

Der Mörder mit der Dienstmarke

München - Brutal, skurril, schicksalhaft - Wir einige der spektakulärsten Kriminialfälle Münchens neu. Heute: Der Fall eines Polizisten, der seine Ex-Freundin und ihren Lebensgefährten köpfte.

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Nachdem Peter R. die beiden Köpfe und die vier Hände seiner Opfer abgehackt hat, geht er zur Polizei. Doch die Beamten der Inspektion Schwabing bringen ihn nicht in eine Zelle, sondern fahren mit ihm zum Betriebsausflug. Peter R., damals 36 Jahre alt, ist selbst Polizeihauptmeister und arbeitet als Kontaktbeamter bei der Inspektion, als er zum Doppelmörder wird. Ganz normal sei R. beim Ausflug gewesen, erinnern sich später Kollegen. Nichts deutet auf die grauenhafte Tat hin, die er Stunden zuvor begangen hat.

Am Spaten, mit dem der Polizist Hände und Köpfe seiner Opfer vergrub, haftet heute noch Erde.

Peter R. hat alles ganz genau geplant: Im Kofferraum liegen der Spaten, die Axt und ein paar Flaschen Mineralwasser, mit denen er die Spuren seiner blutigen Tat wegwaschen will. Er hat die Rohypnol-Tabletten im Kakao aufgelöst, ein starkes Schlafmitteln, das er vorher auf der Wache hatte mitgehen lassen. Jetzt muss er nur noch Gabi L. ins Auto locken. Die 43-jährige Immobilienkauffrau und ihr späterer Mörder waren fünf Jahre lang ein Paar. Doch Peter R. geht es an diesem Abend im Juni 1996 nicht um enttäuschte Liebe oder Eifersucht. Es geht ihm um Geld, viel Geld.

Ex-Freundin Gabi L. und Thilo K.

Vor ein paar Wochen hatte ihm Gabi L. von den 90 000 Mark erzählt, die sie geschenkt bekommen hatte. Sie suchte eine lukrative Anlagemöglichkeit für das Geld und Peter R. behauptete, er kenne einen Banker, bei dem man Spitzenkonditionen bekomme. In Wirklichkeit liegen in seiner Wohnung schon 100 000 Mark. Die Seriennummern der Scheine sind akribisch in seinem Computer vermerkt, einer Bank traut R. nicht. Er will sein Geld bei sich haben und er will mehr davon.

„Dieses Geld muss ich haben“, dieser Gedanke habe sich in seinem Kopf festgesetzt, als ihm Gabi L. von ihren 90 000 Mark erzählt, sagt er später vor Gericht. Deshalb erzählt er Gabi L. von dem angeblichen Anlageberater, mit dem man sich am Frankfurter Ring treffen könne. L. kommt zum Treffpunkt, doch ein Banker taucht natürlich nicht auf. Stattdessen machen sich der Mörder und sein Opfer auf den Weg nach Bad Reichenhall. Dort wollen sie wenigstens miteinander abendessen, nachdem ihr angeblicher Termin geplatzt ist.

Eigentlich hätte Gabi L. diesen 4. Juni 1996 nicht überleben sollen. Doch auf der Fahrt habe ihn die Angst gepackt, behauptet Peter R. vor Gericht. Plötzlich sei er mit dem Gedanken, gleich einen Menschen zu töten, nicht mehr klar gekommen. Er fährt Gabi L. jedenfalls wieder zurück nach München, ohne ihr den Kakao mit dem Schlafmittel angeboten zu haben. Der Richter vermutet später, er habe seinen Plan nur verschoben, weil Gabi L. ihm bei der Fahrt erzählt hat, dass sie bald sogar noch mehr Geld haben werde - 130 000 statt 90 000 Mark. Aus Gier habe R. noch eine Woche gewartet.

Doch am 11. Juni 1996 vollendet er dann seinen furchtbaren Plan. Wieder warten Gabi L. und Peter R. vergebens auf den Anlageberater, den es gar nicht gibt. Dann fahren sie mit Gabi L.s blauem Ford Escort nach Bad Reichenhall. Sie essen gemeinsam, er lässt sich noch nichts anmerken. Erst auf der Rückfahrt gibt er ihr das Fläschchen mit dem präparierten Kakao.

Ob er seine Ex-Freundin zwingt es zu trinken, wissen nur sie und der Mörder. Peter R. hat jedenfalls einige Tage zuvor einem Kollegen die Dienstwaffe geklaut. Ob er Gabi L. damit bedroht hat? Er bestreitet es im Prozess. Gabi L. trinkt jedenfalls und das Rohypnol beginnt zu wirken. Betäubt fährt R. seine ehemalige Lebensgefährtin in den Wald bei Hebertshausen. Mit der Axt schlägt er ihr bei lebendigem Leib den Kopf ab. Dann hackt er auch die Hände ab, in der Hoffnung, dass man die Leiche so nicht identifizieren kann. Dann verscharrt er die Leiche, transportiert Kopf und Hände in einen anderen Wald und vergräbt sie.

Anschließend fährt Peter R. nach Hause, duscht und macht sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer. Obwohl er Gabi L. gebeten hatte, nicht über die Anlagemöglichkeit und ihr Treffen zu sprechen, hatte sie ihrem Freund Thilo K. davon erzählt. Als sie Peter R. ihre Plauderei gesteht, ist es das Todesurteil für Thilo K.

Mitten in der Nacht, um 2.30 Uhr, klingelt Peter R. bei Thilo K., erzählt ihm, Gabi L. habe einen Unfall gehabt, liege jetzt im Dachauer Krankenhaus. Thilo K. ist sofort bereit mitzufahren. Peter R. gibt auch ihm ein Fläschchen mit präpariertem Kakao, dann fährt er in den Wald und schlägt auch ihm den Kopf und die Hände ab.

Schon Wochen bevor die Leichen von Gabi L. und Thilo K. gefunden werden, kommen die Ermittler ihrem Polizistenkollegen auf die Spur. Die Eltern der beiden Opfer hatten ihre Kinder vermisst gemeldet. Die Polizei findet Blutspuren im Auto, ist sich sicher, dass Gabi L. und Thilo K. Opfer eines Verbrechens wurden. Die Ermittler befragen Freunde und Bekannte, einige wissen von Gabi L.s Vorhaben, mit Peter R. zusammen Geld anzulegen. Dann kommt der entscheidende Hinweis: Ein Zeuge hat einen Mann in Polizeiuniform am Steuer von Gabi L.s Auto gesehen. Fieberhaft suchen die Polizisten nach den Opfern ihres Kollegen. Doch erst als zufällig ein Ehepaar beim Beerensammeln auf die Leichen stößt, bricht Peter R. sein Schweigen und gesteht.

Der Prozess wird zum Ereignis. Die Medien stürzen sich auf die Geschichte des „Killer-Polizisten“. Peter R. wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest, der Vorsitzende Richter sagt: „Die grausige Tat kann letzendlich nicht erklärt werden.“

Peter R. sitzt 2010 noch immer im Gefängnis. Er hat noch einige Jahre vor sich. Trotzdem kämpft er schon heute für sein Leben nach der Haft. Mit juristischen Mitteln verhindert er, dass Zeitungen sein Bild drucken, seinen vollen Namen nennen. Er will, dass niemand weiß, was er getan hat, er will bald ein ganz normales Leben leben. Gabi L. und Thilo K. hatten diese Chance nicht.

Philipp Vetter

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