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Monatzeder in der Favoritenrolle

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Hat’s geschafft: Bürgermeister Hep Monatzeder ist weiter im Rennen um die OB-Kandidatur 2014. © Schlaf

München - Er hat hoch gepokert – und gewonnen. Hep Monatzeder (60) heißt der Sieger im Machtkampf der Grünen um das Auswahlverfahren für den OB-Kandidaten. Er geht nun als Favorit ins Rennen, sieht sich aber auch der Kritik der Mitbewerber ausgesetzt.

Am Morgen danach hatte Hep Monatzeder wieder der Alltag eingeholt: Bürobesprechung, Zeitungen lesen und Vorlagen für den Stadtrat durchforsten – ausgerechnet über das strauchelnde städtische Klinikum – das war’s, was der Bürgermeister am Freitag tat. Nicht einmal zwölf Stunden vorher wäre der Grüne, der seit 1996 dritter Bürgermeister von München ist, fast selbst ins Straucheln geraten – bei der Stadtversammlung seiner Partei.

Dieser nämlich hatte Monatzeder die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder sie verwirft die Idee des Stadtvorstands, über die drei Bewerber auf sogenannten Foren abzustimmen, oder er ist raus aus dem Rennen. Monatzeder gewann den Poker mit 69 zu 66 Stimmen. „Das war sauknapp“, stieß der 60-Jährige wenige Minuten nach Bekanntwerden des Votums hervor (wir berichteten).

Die Dramatik des Abends war schwer zu überbieten. Mit großem Elan hatten sich zahlreiche – meist recht junge Grüne – für den Vorschlag des Stadtvorstands starkgemacht, vor der Wahl des OB-Kandidaten Gesprächsrunden zu veranstalten, bei denen die Bewerber sich und ihre Positionen präsentieren. Damit hätte sich auch Monatzeder noch anfreunden können, nicht jedoch mit den Abstimmungen nach diesen Foren, wer denn der beste Bewerber war. „Ich werde mich diesem Verfahren nicht stellen“, trommelte Monatzeder. Denn es sei „äußerst manipulierbar“, weil derjenige gewinne, dem es am besten gelinge, seine Unterstützer zu mobilisieren. Zudem passte Monatzeder nicht, dass auch Nichtmitglieder hätten abstimmen dürfen. Seine Mitbewerber, Stadträtin Sabine Nallinger und der frühere Stadtvorstand Nikolaus Hoenning, hatten sich indes für das Zuhörer- Votum ausgesprochen.

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

Als Monatzeder nochmals aufgefordert wurde, sich zu erklären, was denn sei, wenn es beim Vorschlag des Stadtvorstands bleibe, er aber auf seiner Position beharrte, dämmerte wohl so manchem im Saal, dass Monatzeder der bekannteste und beliebteste Münchner Grüne ist und Foren mit nur zwei Bewerbern wenig unterhaltsam sind. Um halb zehn war der Machtkampf entschieden – zugunsten Monatzeders. Die Abstimmungen wird es nun nicht mehr geben.

Dem Bürgermeister werden nach dem Erfolg nun auch die besten Chancen eingeräumt, das Rennen um die OB-Kandidatur zu gewinnen. „Ich denke, dass ihm das in die Hände spielt“, sagte Mitbewerber Hoenning. „Als alter Platzhirsch hat er es leichter, sich in einer reinen Briefwahl durchzusetzen.“ Mit dieser Form der Mitgliederbefragung soll nun – nach den drei Foren am 18. und 23. April sowie am 3. Mai – über den OB-Kandidaten entschieden werden, auch wenn am Ende die Aufstellungsversammlung der Grünen den offiziellen Beschluss fassen muss. In einer Urabstimmung dieser Art hatte sich Monatzeder schon vor der Kommunalwahl 2008 gegen die Stadträte Siegfried Benker und Lydia Dietrich durchgesetzt.

Entsprechend verärgert ist Mitbewerber Hoenning auch über Monatzeders Vorgehen gegenüber der Stadtversammlung. „Das hatte zumindest Züge von Erpressung“ und habe „mangelnden Respekt vor den Wählern“ deutlich werden lassen, klagte der 40-Jährige. Stadträtin Sabine Nallinger (48) betonte, die Abstimmungen seien nur „ein kleines Detail“ des Verfahrens gewesen. Dass Monatzeder seine Kandidatur davon abhängig gemacht habe, „ist für mich nicht nachvollziehbar“. Sie glaube auch nicht, dass Monatzeder nun der Favorit sei, sagte Nallinger. „Die Grünen sind immer für eine Überraschung gut.“

Der Stadtvorsitzende Sebastian Weisenburger betonte derweil, dass er sich mit Monatzeder verständigt habe, dass „persönlich nichts zurückbleibt“. Der Vorstand sehe sich nicht beschädigt, weil die Abstimmung ja sehr knapp ausgegangen sei. Dass Monatzeder gewonnen habe, liege wohl daran, dass viele Parteimitglieder für sich erkannt hätten: „Der Hep ist einfach zu wichtig.“ Von einem Erpressungsversuch, so Weisenburger, wolle er jedenfalls nicht sprechen. „Es wäre für die Versammlung ja leicht möglich gewesen, anders zu entscheiden.“

Von Matthias Kristlbauer

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