Mord an Michaela Eisch (8) wird nach 26 Jahren neu aufgerollt

München - Vor 26 Jahren wurde die damals achtjährige Michaela Eisch missbraucht und erdrosselt. Jetzt verfolgt die Polizei eine neue Spur – und bittet zum größten DNA-Massentest, den es in München jemals gab.

„Wir wollen alle Register ziehen, um diesen Fall zu lösen.“ Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkomission, schaut entschlossen der versammelten Presse entgegen. Er kann am Donnerstag einen Fortschritt in einem Fall verkünden, der die Ermittler seit 26 Jahren beschäftigt: Eine neue Spur zum Mörder der kleinen Michaela Eisch, die im Mai 1985 nahe der Braunauer Eisenbahnbrücke missbraucht und erdrosselt worden war.

Bereits in den Jahren 2005 und 2006 untersuchte die Rechtsmedizin alle 85 am Tatort gesammelten Asservate nochmals – mit Erfolg, wie Kraus gestern sagte. „Der Rechtsmedizin ist es gelungen, eine tatrelevante Spur zu sichern.“ Seither arbeiten die Fahnder wieder mit Hochdruck an dem Fall. Sämtliche Personen, die im Laufe der Ermittlungen in Erscheinung getreten sind, wurden nochmals überprüft – 170 Menschen aus Michaelas nahem Umfeld. „Diese Personen konnten wir als Täter ausschließen.“

Der nächste Schritt ist gleichzeitig der letzte, den die Mordermittler gehen können: Eine DNA-Reihenuntersuchung – ein Massentest, bei dem Speichelproben der Männer genommen werden, die damals in Michaelas Umgebung lebten, der Maikäfersiedlung in Berg am Laim. Es ist eine in München bisher nie dagewesene Aktion.

1750 Münchner werden in den nächsten Tagen eine Einladung zu dem Test bekommen, der vom 8. bis 10. Juli in einer Turnhalle der Polizei an der Bad-Schachener-Straße stattfindet. Doch wie wurden die Betroffenen ausgewählt?

Um das zu verstehen, muss man den Fall näher betrachten: Michaela Eisch verschwindet am 17. Mai 1985 auf dem Weg zu ihrer Mutter. Das Mädchen darf an diesem Tag zum ersten Mal allein mit der U-Bahn fahren, um die Mutter von der Arbeit in der Innenstadt abzuholen. Dort kommt Michaela nie an. Zuletzt wird sie gegen 17 Uhr von zwei Frauen in der Nähe des Tatorts gesehen. Die Zeuginnen sagen unabhängig voneinander aus, Michaela sei in Begleitung eines Mannes gewesen. Der Umgang miteinander habe vertraut gewirkt. Vier Wochen später wird die Kinderleiche gefunden.

Staatsanwältin Nicole Selzam erklärt, welche Bedeutung die Aussagen haben: „Michaela hatte sich auf das Treffen mit ihrer Mutter gefreut. Die beiden wollten Schallplatten kaufen, die das Mädchen liebte. Wir glauben nicht, dass sie sich von einem wildfremden Mann davon hätte abbringen lassen.“ Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass Michala ihren Mörder kannte – möglicherweise aus der Nachbarschaft. Die Zeuginnen schätzten das Alter des Täters auf 30 bis 40 Jahre.

Diese Angabe legen die Ermittler nun dem Massentest zugrunde: Eingeladen werden alle Männer, die zum Tatzeitpunkt 25 bis 45 Jahre alt waren, also die Jahrgänge 1940 bis 1960, und in der Maikäfersiedlung lebten. Ursprünglich waren das 3000 Männer. 260 sind mittlerweile gestorben. 1750 sind noch in München gemeldet – sie bekommen nun eine Einladung. Wer weggezogen ist, wird in seiner Stadt ebenfalls zum Test gebeten. Die Teilnahme ist letzlich freiwillig. „Niemand macht sich verdächtig, nur, weil er nicht kommt“, sagte Selzam. „Wir sind aber auf die Bevölkerung angewiesen. Wenn der Täter noch lebt, besteht die Gefahr, dass noch so eine Tat geschieht.“

von Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © Markus Götzfried

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