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Roland B. soll seine Ex-Freundin erstochen haben.

Flucht endet auf dem Jakobsweg

Mordverdächtiger in Spanien gefasst

Fast drei Monate lang war Roland B. wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt wurde der mutmaßliche Stalking-Mörder in Spanien verhaftet – in einer Herberge am Jakobsweg.

Am Dienstag kurz vor Mitternacht taucht Roland B. in der Albergue de Villadangos del Páramo in der Provinz León auf. Er ist alleine, hat einen großen Rucksack dabei. Der Mann erzählt dem Chef der Pilgerunterkunft, dass er gerade den Jakobsweg geht. Jetzt sei er müde und suche einen Platz zum Übernachten.

Der 45-Jährige gibt dem Besitzer der Unterkunft in Villadangos del Páramo,etwa 270 Kilometer östlich von Santiago de Compostela, seinen Personalausweis. Der Chef gibt die Daten in seinen Computer ein. Und erschrickt. Der Mann, der bei ihm eingecheckt hat, wird per internationalem Haftbefehl gesucht – wegen Mordes an seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Sofort alarmiert der Inhaber der Herberge die Polizei. Die spanischen Polizisten verhaften Roland B. Zu der Tat, die ihm vorgeworfen wird, hat er sich nach Auskunft der spanischen Behörden noch nicht geäußert.

Das Opfer Tsin-ieh L.

Dass es B. gelungen ist, so lange unterzutauchen, ist ungewöhnlich. Die Kriminalpolizei hatte auch einen Suizid des 45-Jährigen nicht mehr ausgeschlossen. „Es gab keine Kontobewegungen, der Verdächtige nahm soweit wir wissen keinen Kontakt zu Freunden oder Angehörigen auf“, sagt Herbert Linder, Vize-Chef der Münchner Mordkommission, am Donnerstag. Auch Flugblattaktionen und Zeugenaufrufe in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ brachten nicht den entscheidenden Hinweis. Hatte Roland B. die Tat und seine Flucht doch längerfristig geplant?

Wie berichtet, lauerte der 45-Jährige am 16. August seiner Ex-Freundin Tsin-ieh L. im Hausflur des Mehrfamilienhauses, in dem sie wohnte, auf. Roland B. hatte ein Messer dabei. Mehrmals stach er auf die schmale Frau ein. Jemand brachte die 45-jährige Architektin vor die Tür des Hauses an der Bayrischzeller Straße in Obergiesing. Als der Notarzt kam, konnte er nichts mehr für Tsin-ieh L. tun. Sie war bereits tot.

Eine Nachbarin sah einen Mann aus dem Haus laufen, doch als die Polizei kam, war er weg. Im Flur lag noch das blutige Messer. Hunde verfolgten die Spur B.’s bis zur U-Bahn-Station Untersbergstraße.

Nach der Tat soll der 45-Jährige noch in seiner Wohnung im Glockenbachviertel gewesen sein. Dort zog er sich um, ließ die blutverschmierte Kleidung und sein Handy zurück. Seinen Personalausweis nahm er mit. In der Wohnung fanden die Ermittler Hinweise, dass B. eine starke Affinität zu den Bergen hat. Deshalb fahndete die Polizei auch in den Bergen nach dem 45-Jährigen.

B. war seit der Trennung von Tsin-ieh L. im Jahr 2009 im psychischen Ausnahmezustand. Die Ermittler gingen nach der Tat davon aus, dass verschmähte Liebe das Motiv des 45-Jährigen ist. Sechs Jahre lang stellte der Mann seiner ehemaligen Lebensgefährtin nach. Er soll ihr im Supermarkt aufgelauert haben, Telefonterror betrieben und vor der Haustür gewartet haben. Tsin-ieh L. zog nach der Trennung von B. zunächst nach Wolfratshausen. Der 45-Jährige fand ihre Adresse heraus. 2010 zog die Architektin nach München und dann innerhalb der Stadt noch zwei Mal um.

Zwei Tage nach der Tat hätte der 45-Jährige sich wegen Nachstellung und Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz vor Gericht verantworten müssen. Für einen Haftbefehl gegen B. reichte es nie, er war ansonsten nicht vorbestraft. „Das muss man leider sagen: Wenn nichts passiert, ist es schwierig, etwas zu unternehmen“, sagte Markus Kraus, Chef der Mordkommission, nach der Tat.

Da es im System der Polizei keine Fingerabdrücke des mutmaßlichen Stalking-Mörders gibt, steht die eindeutige Identifizierung des in Spanien Verhafteten noch aus. Die spanische Polizei brachte Roland B. mittlerweile nach Madrid. Er sitzt in U-Haft. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die Auslieferung des Verdächtigen nach Deutschland beantragt.

Stefanie Wegele und Alejandro Menzel Lopez

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