Münchner Projekt

Moschee-Debatte: Vorgespräche ohne Ende

München - Das Münchner Moschee-Projekt tritt auf der Stelle. Imam Benjamin Idriz zeigt sich erstmals unzufrieden mit der Stadtspitze. Über das Vorhaben sprachen zuletzt fast nur seine Gegner.

In der Suite des Außenministers ging am Samstag ein Jahr Funkstille zu Ende. Am Rande der Sicherheitskonferenz sprachen Oberbürgermeiser Christian Ude (SPD) und Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) mit Katars neuem Außenminister Khalid Mohamed Al-Attiyah. Es ging um katarische Touristen, die an der Isar nicht nur die Schönheit der Stadt schätzen, sondern auch das Niveau der Kliniken - und es ging um das Moschee-Projekt des Penzberger Imams Benjamin Idriz.

Ob das Wirklichkeit wird, so sehen es viele, die Idriz wohlgesonnen sind, hängt von der Frage ab, ob der reiche Wüstenstaat etliche Millionen Euro zuschießt. Vor einem Jahr hatten sich Vertreter der Stadt und des arabischen Staates ebenfalls am Rande der Sicherheitskonferenz getroffen. Man werde den Gesprächsfaden nun aufnehmen, hieß es damals. Treffen mit Vertretern der katarischen Botschaft seien geplant. Es passierte: nichts. Kein einziges Mal soll man seitdem in Kontakt gewesen sein. In Katar gibt es seit dem Sommer einen neuen Emir. Über dessen Bereitschaft, ein Islam-Zentrum in München zu unterstützen, weiß man bislang auch in Penzberg wenig. „Wir müssen versuchen, zu erfahren, wie der Emir sich persönlich positioniert“, hatte Benjamin Idriz Tage vor der Sicherheitskonferenz unserer Zeitung gesagt. OB Ude hält eine Unterstützung durch Katar nach dem Gespräch weiter für möglich. „Er hat bekräftigt, dass man das Projekt sehr gut kennt“, sagte Ude.

Idriz will in München nach eigenen Angaben einen Islam im Sinne europäischer Werte predigen - auf Deutsch. Ein modernes, westliches Zentrum für den Islam soll es werden - aber ausdrücklich kein europaweites, wie von seinen Gegner behauptet. Kürzlich änderte man den Namen von „Ziem“ (Zentrum für Islam in Europa München) in „MFI“ (Münchner Forum für Islam“).

Die Unterstützung der Politik ist stets von symbolischer Natur gewesen. Es handele sich um das Projekt einer Religionsgemeinschaft, nicht der Stadt, hat der OB immer betont. Mit einem Stadtratsbeschluss erklärten SPD, CSU, Grüne und FDP 2010 ihre Sympathie für das Projekt - enthalten sind aber auch zwei Punkte, wegen denen sich ein Grummeln zwischen München und Penzberg entwickelt hat.

Dabei geht es um die Frage, wer zunächst am Zug ist. Ude hat stets betont, bevor es konkret um ein Grundstück gehen könne, müsse die Finanzierung geklärt sein. So ähnlich steht das auch im Beschluss von 2010. Die Stadt erwarte von Idriz den „Nachweis einer gesicherten Finanzierung des vorgeschlagenen Islam-Zentrums“, heißt es da. Trotzdem klingt bei Idriz mittlerweile eine Genervtheit durch. „Ich erwarte von der Stadt, dass sie mit uns nicht nur ehrlich, sondern konkret zusammenarbeitet“, sagt er. Einst war von 40 Millionen Euro die Rede, zehn für das Grundstück, 30 Millionen für den Bau mit Moschee, Gemeindezentrum, Bibliothek und Museum. „Niemand gibt so viel Geld, ohne dass es einen Standort gibt“, sagt Idriz. Für seine Moschee in Penzberg - kein begehbares Minarett, keine Lautsprecher - schoss der Emir von Schardscha einen Millionenbetrag zu. Und das, ohne Einfluss auf die Arbeit der Gemeinde zu nehmen, wie der Imam betont.

Auch Idriz beruft sich auf einen Punkt in dem Stadtratsbeschluss. Man unterstützte „den Verein bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück in der inneren Stadt“, heißt es dort. Der grüne Bürgermeister Monatzeder argumentiert im Sinne von Idriz. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns früh auf einen Standort festlegen“, sagt er. „Dann hätten wir es positiv kommunizieren können.“

Längere Zeit war von einer Fläche an der Herzog-Wilhelm-Straße in der Nähe des Karlsplatzes die Rede, einen Stadtrats-Beschluss dazu hat es aber nie gegeben. In CSU und SPD gab es viele Kritiker einer Moschee innerhalb des Altstadt-Rings, letztlich beendete OB Ude die Debatte. Offizieller Grund: „Sicherheitsbedenken“. Die islamfeindliche Kleinstpartei „Die Freiheit“ ignoriert das und sammelt weiter Unterschriften gegen eine angeblich geplante Moschee „am Stachus“. SPD und CSU schweigen im Wahlkampf zum Thema. Von SPD-Kandidat Dieter Reiter ist gar keine eigene Position zum Thema bekannt, CSU-Kandidat Josef Schmid hat sich 2013 ablehnend zu einem Standort in der Altstadt geäußert, befürwortet das Projekt aber grundsätzlich. Einzig die Grüne Sabine Nallinger spricht. „Eine großartige Idee“, nennt sie das Projekt, betont aber: „Katar kann ich mir als Sponsor nicht vorstellen. Das ist ein Regime, das ich sehr kritisch sehe.“

Idriz mag die Einwände nicht gelten lassen. „Katar ist der einzige Staat in der Region, wo interreligiöser Dialog stattfindet“, sagt er. Ude erklärt: „Natürlich ist Katar durch die Weltmeisterschaft und die Begleitumstände nicht gerade beliebter geworden. Aber ausländische Staaten und Gesellschaften können hier selbstverständlich investieren.“

Wenn sie denn wollen. Idriz sagt inzwischen: „Wir wollen uns nicht nur auf Katar fokussieren.“ Man habe auch andere Sponsoren im Auge - wenn, ja wenn es denn endlich ein Grundstück gäbe. In der Stadtpolitik ist inzwischen die Rede von einem Areal an der Dachauer Straße in der Nähe des entstehenden Kreativquartiers. Idriz sagt, er wolle bald in Kontakt mit dem neuen Oberbürgermeister treten. Es stehen also erste grundsätzliche Gespräche an. Mal wieder.

Felix Müller

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Varieté-Star offenbar ermordet - Sie tanzte in Schuhbecks teatro
Der Tod von Varieté-Star Alla Klyshta schockiert die Münchner Künstlerszene. Wie bekannt wurde, stand ihr der mutmaßliche Mörder einst sehr nahe.
Varieté-Star offenbar ermordet - Sie tanzte in Schuhbecks teatro
S-Bahn München: Signalstörung am Hirschgarten - Verzögerungen auf Stammstrecke
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
S-Bahn München: Signalstörung am Hirschgarten - Verzögerungen auf Stammstrecke
Münchnerin ergreift Mangelberuf und bekommt trotzdem keinen Job - aus diesem Grund
Als kleines Mädchen wollte Linda Bollmann (25) Ärztin werden. Ihrem Wunsch, kranken Menschen zu helfen, blieb sie treu – und wurde Krankenschwester. So würde sie nie …
Münchnerin ergreift Mangelberuf und bekommt trotzdem keinen Job - aus diesem Grund
Schockierend: Neuer Bericht deckt gravierende Qualitätsmängel in Münchner Altenheimen auf
Ein neuer Bericht der Heimaufsicht München offenbart gravierende Missstände in den Altenheimen der Stadt. 
Schockierend: Neuer Bericht deckt gravierende Qualitätsmängel in Münchner Altenheimen auf

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion