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Dieses Areal an der Herzog-Wilhelm-Straße wäre der zentralste Standort für das Moschee-Projekt – aber auch der teuerste.

Moschee-Pläne sollen abgespeckt werden

München - Wegen der immensen Kosten erwägt Imam Benjamin Idriz, das ambitionierte Projekt Ziem etwas zu verschlanken.

Das geplante Islam-Zentrum „Ziem“ könnte kleiner ausfallen, als ursprünglich geplant. Der Initiator, Imam Benjamin Idriz, erwägt, das Projekt zu verschlanken, um die Kosten für das Vorhaben im Rahmen zu halten. Unserer Zeitung sagte Idriz, er könne sich vorstellen, auf eine theologische Ausbildung von Imamen und ein islamisches Museum am „Ziem“ zu verzichten. Bei der Stadtspitze trifft dies auf Zustimmung.

Auf dem Weg zum Bau des „Zentrums für Islam in Europa – München“ (Ziem) hat Idriz bereits eine Reihe von Problemen überwunden. Die politische Unterstützung von Stadtrat und Stadtspitze ist ihm sicher und auch der Streit mit dem Verfassungsschutz scheint ausgeräumt. Doch eine große Hürde hat Idriz noch zu nehmen: die Finanzierung.

Zwar ist der Penzberger Imam zuversichtlich, dass er mit Sponsoren aus den arabischen Emiraten rechnen kann. Erst kürzlich stellte er das Projekt namhaften Persönlichkeiten in Abu Dhabi vor – die Gespräche seien sehr vielversprechend verlaufen (wir berichteten). Doch Idriz räumt auch ein: Die potenziellen Sponsoren hätten ihm signalisiert, das Projekt sei etwas zu teuer.

Rund 30 Millionen Euro soll das Zentrum nach bisheriger Planung kosten und aus mehreren Bausteinen bestehen: einer Moschee, einer Akademie zur Ausbildung von Imamen, einer Bibliothek, einem islamischen Museum und einem Gemeindezentrum. Nun stellt Idriz klar: Vielleicht müsse man etwas bescheidener denken, um das Projekt verwirklichen zu können. Und er scheut sich nicht davor, sich von einem Teil seines Traum zu verabschieden.

Die Ausbildung von Imamen, also muslimischen Geistlichen, in deutscher Sprache war einst die zentrale Idee des Ziem, als die Planungen für das Projekt vor Jahren begannen. Schließlich gab es seinerzeit in Deutschland kein solches Angebot.

„Doch mittlerweile wird die Imam-Ausbildung an mehreren Universitäten eingeführt – auch etwa in Erlangen“, sagt Idriz. Er könne sich daher vorstellen, am Ziem auf eine theologische Ausbildung für Imame zu verzichten. „Das können wir dem Staat überlassen.“ Idriz würde dann der Uni Erlangen eine Kooperation anbieten: Die angehenden Imame dort könnten eine praktische Ausbildungseinheit am Ziem absolvieren. „Hier könnten sie die konkreten Dinge lernen: Wie man als Imam eine Trauung abhält oder wie man eine Familie in einem Trauerfall begleitet.“

Doch Idriz erwägt nicht nur, die muslimisch-theologische Ausbildung einzusparen. „Auch auf das Museum könnten wir verzichten.“ Auf die Art glaubt der Imam, die Kosten des Projekts um rund 30 Prozent senken zu können. Man müsse die Idee einer Akademie auch nicht komplett fallen lassen, so Idriz. Er will am Ziem durchaus ein Forum für theologisch-intellektuelle Diskussionen einrichten – ähnlich den katholischen und evangelischen Akademien. Gestern wollte Idriz seine Ideen dem Vorstand des Ziem-Vereins unterbreiten.

An der Stadtspitze kommen die Sparpläne gut an. Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) hält sie für vernünftig. „Man muss ja nicht auf der Luxusvariante bestehen.“ Denkbar sei es auch, das Projekt in Etappen zu verwirklichen. Auch Monatzeder gab sich zuversichtlich, was die Realisierung angeht. Das letzte Gespräch mit Imam Idriz hätte ergeben, dass das Projekt eine „sehr gute Zukunftsperspektive“ habe. Ende des Jahres will Monatzeder sogar persönlich Gespräche mit potenziellen Geldgebern führen. Wahrscheinlich werde er dafür in die arabischen Emirate reisen, sagte der Bürgermeister.

Auch in der Frage des geeigneten Grundstücks für das Moscheeprojekt, scheinen sich Idriz und Monatzeder einig. Neben dem Standort an der Herzog-Wilhelm-Straße (wir berichteten) zeigen beide deutliche Sympathien für ein Areal im Karree zwischen Dachauer-, Heß- und Schwere-Reiter-Straße. „Sollten wir für diesen Ort die Unterstützung der Fraktionen bekommen, wären wir dafür sehr offen“, sagte Idriz. Auch Monatzeder zählt dieses Areal zu seinen Favoriten. Wichtig sei, dass man einen zentralen Ort wähle. „Wie notwendig das ist, hat sich kürzlich beim Friedenstreffen wieder gezeigt.“ Während der Veranstaltung seien die Christen zum Beten in die Kirchen, die Juden in die Synagoge gegangen. „Nur die Muslime mussten ihr Gebet in einer Turnhalle abhalten.“

Johannes Patzig

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