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Moschee-Verein schreibt Standort ab

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München - Die Pläne für das Islam-Zentrum „Ziem“ sind ins Stocken geraten. Für den Standort an der Herzog-Wilhelm-Straße werben jetzt nicht einmal mehr die Initiatoren.

Es ist schon fast Mitternacht am Donnerstagabend, und Benjamin Idriz wirkt beinahe schüchtern, wie er im Restaurant eines Haidhauser Hotels steht und von einem Bein auf das andere wippt. Dabei ist es ein guter Moment für den Penzberger Imam, er steht beim festlichen Fastenbrechen von „Ziem“ – natürlich – im Mittelpunkt. Bürgermeister, Vertreter aller Religionsgemeinschaften, der Generalkonsul der USA – sie alle haben ihm heute die Ehre gegeben. Kein offizielles Wort ist darüber gefallen, dass es nicht so recht vorangeht beim „Ziem“, dem „Zentrum für Islam in Europa“, das Idriz in München plant. Stattdessen wurde viel über Vertrauen zwischen den Religionen, gesprochen, den Abbau von Vorurteilen und einem Islam, der gut zu westlichen Werten passen soll. Nun steht Idriz also da – um ihn herum trinken die letzten Gäste noch ein Gläschen Tee, hier eine Umarmung, da ein letztes Händeschütteln – und spricht doch noch über die aktuelle Situation seines Projekts.

Der Imam wirbt seit Jahren für sein „Ziem“-Projekt, das neben einer Moschee unter anderem ein Gemeindezentrum und eine Bibliothek beinhalten soll. Idriz will nach eigenen Angaben einen Islam weiterentwickeln, der zum Grundgesetz passt. Gepredigt werden soll auf Deutsch. In Penzberg hat er für seine Moschee – ohne begehbares Minarett, ohne Lautsprecher – eine breite politische Unterstützung gefunden. Und einen potenten Geldgeber. Der Emir von Schardscha schoss einen Millionenbetrag zu – ohne Einfluss auf die Arbeit der Gemeinde zu nehmen, wie Idriz stets betont.

Auch in München gibt es eine breite politische Unterstützung – zumindest theoretisch. Ein Geldgeber aber ist nicht gefunden. Und auch die Politik hält sich öffentlich auffällig zurück. Bis zur Kommunalwahl im März 2014 scheint eine politische Entscheidung für einen Standort ausgeschlossen. Keiner traut sich im Wahlkampf an das Thema. Schwer vorstellbar, dass ein roter oder schwarzer OB-Kandidat demonstrativ die Penzberger Moschee besucht, wie Ende 2010 Christian Ude, unsere Zeitung schrieb von einem „bemerkenswerten politischen Signal“. Wie zu hören ist, sind kleinere Verstimmungen zwischen Ziem und der Münchner Stadtspitze ausgeräumt, in Penzberg hat man Verständnis für die aktuelle Zurückhaltung der Politik.

Überhaupt scheint Idriz nicht mehr allzu zuversichtlich, dass es schnell gehen kann. Eher wirbt er kontinuierlich und im Hintergrund um Unterstützer – wie bei dem Fastenbrechen am Donnerstag, wo er die verschiedenen Sympathisanten von „Ziem“ zusammenbringt. „Wenn die jüdische Gemeinde mehr als zehn Jahre gebraucht hat“, sagt er, „dann brauchen wir wohl 20 Jahre.“ Das klingt bei weitem nicht mehr so optimistisch wie 2012, als sich Idriz und seine Mitstreiter kurz vor einer dicken Finanzspritze aus Katar sahen. Von 40 Millionen Euro war die Rede, zehn Millionen für ein Grundstück, 30 Millionen für einen Bau. Damals sollte eine Münchner Delegation nach Katar reisen, es wäre auch ums Ziem gegangen. Die Reise wurde kurzfristig abgesagt – zum Unverständnis der Kataris, wie es hieß. Am Rande der Sicherheitskonferenz im Februar traf OB Ude den Außenminister von Katar. Mittlerweile hat der Emir, von dem es hieß, er habe sich persönlich fürs Ziem interessiert, abgedankt. Was sein Nachfolger will, weiß niemand. Hinzu kommt: Nach den Umbrüchen in der arabischen Welt sind die dortigen Verhältnis sehr unklar. „In Katar hat man derzeit andere Sorgen als das Ziem“, hört man am Donnerstag bei Lammfleisch und Bulgur an den Tischen immer wieder.

Mittlerweile scheint sich Idriz nach anderen Geldgebern umzusehen. Dieser Tage, erzählt er, fliege er in die Vereinigten Arabischen Emirate. „Natürlich sprechen wir auch mit anderen. Wir wollen uns nicht komplett abhängig machen von der Entscheidung aus Katar.“ Diese Taktik unterstützt Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne): „Es ist vernünftig, jetzt mehrgleisig zu fahren“, sagt er. „Vielleicht gibt es ja eine Kooperation zwischen verschiedenen Staaten.“

Offenbar hat man bei den Ziem-Initiatoren mittlerweile auch den Standort Herzog-Wilhelm-Straße nahe dem Stachus aufgegeben. Wie berichtet, haben sich CSU- und SPD-Politiker bis hin zum OB mittlerweile davon distanziert. In den Fokus rücken dürfte jetzt wieder ein Karree, das zuletzt kaum jemand auf dem Schirm hatte: zwischen Dachauer-, Heß- und Schwere-Reiter-Straße.

Die unbeantwortete Standort-Frage dürfte für Idriz auch die Gespräche mit Sponsoren erschweren. Beobachter gehen davon aus, dass aus den arabischen Staaten kein Geld kommt, so lange die politische Unterstützung ungewiss ist. Ude aber hatte betont, man wolle sich zunächst der Finanzierung sicher sein – Klinkenputzen sei nicht Sache der Stadt, auch Kirchen müssten ihre Finanzierung selbst sicherstellen.

Idriz will nun verstärkt auf die Arbeit des Ziem abseits des Bauprojekts aufmerksam machen. Im Herbst lädt er zu einem Symposium zu „Perspektiven einer Theologie im Dialog“. Dort sollen Religionswissenschaftler und islamische Theologen diskutieren. Das dürfte Alois Glück gefallen. Der Vorsitzende des Zentralkomitees deutscher Katholiken wirbt beim Fastenbrechen engagiert für die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen.

Felix Müller

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