+
Der neue Richard-Strauss-Tunnel

München 2009: Neuer Tunnel und schräges Glockenspiel

München - Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu. Zeit, um zurückzublicken auf die Ereignisse, die das Geschehen in München in diesem Jahr prägten. Was hat uns bewegt, worüber haben wir uns gefreut, worüber haben wir uns geärgert? Mit diesem dritten Teil endet die Serie.

Drei Tunnel und ein Stau

Der Richard-Strauss-Tunnel, Nummer zwei der drei per Bürgerentscheid erzwungenen Ringtunnels, wird fertig, aber er begeistert die Münchner nicht so wie der erste: Eine Stau-Stelle bleibt. Im Westen beginnt die Arbeit an Tunnel Nummer drei.

Schräger die Glocken nie klangen

München 2009:

Der erste Teil

Der zweite Teil

Zwei Jahre hat niemand in der Stadt gemerkt, dass das Münchner Glockenspiel nach der Restaurierung noch schiefer klingt als vorher. Da müssen im August schon die beiden Fachleute Stefan Duschl (re.) und Rainer Kühne kommen und für den Münchner Merkur den Beweis erbringen: Statt eines „C“ wird beim Schäffler-Tanz im Rathausturm ein „Cis“ angeschlagen – und das 40 Mal. Knapp, aber sauber daneben. Nach ein paar Tagen stellt sich heraus: Die Technik ist beim Wiedereinbau verändert worden und ein falscher Kontakt seitdem daran schuld, dass die falsche Glocke klingt. 660 000 Euro haben Bürger für die Restaurierung gespendet. Bald ist der Fehler behoben und Münchner wie Touristen können die Darbietung der Spieluhr wieder genießen – der Sound freilich ist nach wie vor Geschmackssache. Wie sagt Stefan Duschl am Ende diplomatisch? „Im Rahmen der technischen Möglichkeiten klingt dieses 100 Jahre alte Instrument jetzt hervorragend."

Streit um S-Bahn-Tunnel

Die Debatte um den Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke zwischen Haupt- und Ostbahnhof verschärft sich 2009 weiter. Bereits zum zweiten Mal plant die Bahn die Trassenführung im Osten der Stadt um. „Haidhausen 3“ heißt nun die neue Variante, die nur noch einen Tunnelarm unter dem Stadtviertel vorsieht, in dem nach wie vor Proteststimmung herrscht. Nach der Umplanung soll es jetzt auch einen unterirdischen Halt am Ostbahnhof geben.

Unter dem Druck der Anhänger des Südrings ringen sich Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und OB Christian Ude (SPD) noch einmal zu einer Vergleichsstudie durch. Das Ergebnis: Der Südring fällt wie bei der ersten Untersuchung 2001 durch. Als förderfähig gilt nur der zweite Tunnel, rund 1,5 Milliarden Euro soll er kosten. Zweifel aber bleiben. Die Anhänger des Südrings kritisieren, der Südring sei künstlich teuer gerechnet worden. Eine weitere Studie kommt zum Ergebnis, dass der Flughafen eine Express-Anbindung per S-Bahn auf der Trasse der S 8 erhalten soll.

Trotzdem: Die Debatte um den Bahnknoten München geht weiter. Die CSU will nun noch einmal den Nordtunnel geprüft wissen. Das Verkehrsministerium plant unterdessen, 2011 mit dem Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels zu beginnen, um bis zu Olympia 2018 damit fertig zu sein.

Kampf um Olympia

Für die Münchner Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 wird es ernst. Am 15. Oktober ist Anmeldeschluss beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Nun stehen auch die Konkurrenten fest. Es sind nur zwei: Annecy in Frankreich, das mit dem Mont Blanc den höchsten Berg Europas zu bieten hat, und Pyeongchang in Südkorea, das bereits zum dritten Mal antritt.

Obwohl mit BMW und der Sparkassen-Finanzgruppe die ersten Großsponsoren auftreten, wird klar, dass es für die Stadt München und ihre Partner Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee schwer werden wird, 30 Millionen Euro für die Bewerbung einzusammeln. Die Stadt muss der Bewerbungsgesellschaft sogar mit einem Darlehen von einer Million Euro unter die Arme greifen. Auch werden Zahlen genannt, wie teuer die Winterspiele werden könnten: Das Gesamtbudget soll sich zwischen 2,8 und 3,5 Milliarden Euro bewegen.

Eine Überraschung haben die Olympier im November parat: Neuer Chef der Bewerbungsgesellschaft wird der Modedesigner und Filmemacher Willy Bogner. Er soll die wichtigen Ideen für einen Erfolg liefern. Die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt wird Vorsitzende eines 23-köpfigen Kuratoriums. Selbst ein Logo hat die Bewerbung nun.

Axel Berg bezwungen

Zwei Kontrahenten halten bei der Bundestagswahl ganz Bayern in Atem: Axel Berg (SPD) und Johannes Singhammer (CSU). Sie treten als Direktkandidaten im Münchner Norden gegeneinander an – wie schon so oft. Zuletzt hatte Berg Singhammer dreimal bezwungen. Diesmal entwickelt sich der Wahlabend zu einer beispiellosen Nervenschlacht.

Ständig wechseln an jenem Abend die Verhältnisse: Mal liegt Berg vorn, mal Singhammer. Die Kontrahenten zittern, bangen, schwitzen. Am Ende siegt Singhammer um Haaresbreite. Und für Berg und die SPD ist die Tragödie perfekt: Bergs Listenplatz reicht nicht, um im Parlament zu bleiben. Der Star der SPD, zuletzt der einzige Sozi, der in Bayern ein Direktmandat holte, fliegt aus dem Bundestag. Die Münchner SPD hat nun keinen einzigen Abgeordneten in Berlin. Sie rutscht an der Isar auf 19,3 Prozent, die CSU auf 32,1 Prozent. Grüne und FDP verbessern sich auf 17,5, respektive 17,6 Prozent, die Linke auf 6,7 Prozent.

2009 Monat für Monat

September

13 Jahre tot im Keller: Bei Räumungsarbeiten in einem Mehrfamilienhaus in Haidhausen wird ein seit 1996 vermisster Mann gefunden. Die Witwe des ehemaligen Hausmeisters lebt noch in dem Haus.

Großer Bahnhof: Der neue futuristische Zentrale Omnibbusbahnhof (ZOB) an der Hackerbrücke, wird eröffnet.

Ärzte-Protest: 22 000 Ärzte protestieren im Olympiastadion gegen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens.

Bombe weg: Bei Bauarbeiten auf einem Spielplatz in Obergiesing wird eine Stabbrandbombe aus dem 2. Weltkrieg entdeckt und nur zugedeckt. Einen Tag später soll sie entschärft werden. Doch morgens ist die Bombe verschwunden.

Oktober

Babyleiche: In der Nähe des Landtags entdeckt der Hund eines Spaziergängers die Leiche eines Säuglings. Trotz intensiver Suche bleibt die Polizei bisher erfolglos bei der Suche nach der Mutter.

Fußgängerzone wächst: Der Stadtrat beschließt, dass die Sendlinger Straße zwischen Färbergraben und Hackenstraße künftig für Autos tabu sein soll.

Eisbären-Umzug: Das Münchner Eisbären-Trio Yoghi, Lisa und Gianna zieht nach Berlin. In Hellabrunn wird ein neues, modernes Gehege für die Tiere gebaut. Die betagte Lisa ist inzwischen in Berlin gestorben.

November

Studenten-Protest: Studenten besetzen die Kunstakademie, um für bessere Studienbedingen zu kämpfen. Mitte des Monats wird das Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität in Beschlag genommen. Der Protest endet nach Weihnachten, als die Polizei das Audimax räumt.

Feuerteufel gefasst: Insgesamt 18 Holzkreuze setzt ein Unbekannter am Westfriedhof in Brand. Kurz nachdem in der St.-Benno-Kirche noch ein Beichtstuhl brennt, nimmt die Polizei einen 49-jährigen Angestellten fest. Sein Motiv: Gott sei für zahllose Naturkatastrophen verantwortlich.

Dezember

Aus alt mach neu: Das 100 Jahre alte Schwabinger Klinikum wird für 140 Millionen Euro modernisiert – bei laufendem Betrieb.

Sektenguru verurteilt: Der Esoterik-Musiker Oliver Shanti wird zu fast sieben Jahren Haft wegen Kindesmissbrauchs in mehr als 75 Fällen verurteilt.

Schock auf der Rolltreppe: Im Stachus-Untergeschoss trifft einen Studenten ein acht Kilo schwerer Betonbrocken am Kopf. Der 22-Jährige kommt mit einer Platzwunde davon. Der Stachus wird derzeit saniert.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Entsetzlicher Unfall: Junger Münchner stirbt - Totale Sperre der A9
Eine Tragödie spielte sich am Montagmittag auf der A9 ab: Ein junger Münchner wurde aus dem Leben gerissen.
Entsetzlicher Unfall: Junger Münchner stirbt - Totale Sperre der A9
Bei TV-Interview in München: Demonstrant erwischt Polizeisprecher da Gloria Martins eiskalt
Die 56. Sicherheitskonferenz findet noch bis Sonntag, 16. Februar, in der bayerischen Landeshauptstadt statt. Der bekannte Münchner Polizeisprecher da Gloria Martins …
Bei TV-Interview in München: Demonstrant erwischt Polizeisprecher da Gloria Martins eiskalt
Zwei Darsteller feiern 2020 ihr Nockherberg-Debüt - TV-Fans dürfte das Duo bekannt vorkommen
In diesem Jahr treten am Nockherberg zwei Debütanten auf, die die SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans darstellen. Beide kennt man bereits aus …
Zwei Darsteller feiern 2020 ihr Nockherberg-Debüt - TV-Fans dürfte das Duo bekannt vorkommen
Rollstuhlfahrerin und Begleiter beleidigen Schüler in München rassistisch - dann kommt es noch schlimmer
Zwei Schüler wurden an einer U-Bahn-Station in München beleidigt - danach kam es noch schlimmer. Das ist jedoch nicht der einzige Fall, in dem die Polizei ermittelt.
Rollstuhlfahrerin und Begleiter beleidigen Schüler in München rassistisch - dann kommt es noch schlimmer

Kommentare