München 2009 - Teil zwei: Terror, Tram und Schläger-Trio

München - Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu. Zeit, um zurückzublicken auf die Ereignisse, die das Geschehen in München in diesem Jahr prägten. Was hat uns bewegt, worüber haben wir uns gefreut, worüber haben wir uns geärgert? Eine Auswahl in drei Folgen.

Terror-Alarm beim Oktoberfest

München 2009:

Der erste Teil des großen Jahresrückblicks.

Es hätte die schönste Wiesn seit Jahren werden können: Das Wetter ist gut, die Stimmung entspannt. Doch dann kommen die Drohungen. Weil die Polizei einen Anschlag befürchtet, wird die Festwiese zur Hochsicherheitszone.

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

München findet Anschluss

Viel Bewegung bei Bussen und Bahnen: Am 11. September eröffnet der Zentrale Omnibusbahnhof an der Hackerbrücke. Vorerst macht die rund um die Uhr geöffnete Anlage allerdings nur als Vergnügungs- und Einkaufsziel für Nachtschwärmer Furore. Die Reisebusse, für die sie gebaut ist, lassen auf sich warten. Weitaus besser angenommen wird die neue Tramlinie 23 zur Parkstadt Schwabing, die am 13. Dezember in Betrieb geht. Sie startet an der Münchner Freiheit, deren Bahnhof generalsaniert und mit einer spektakulären Dachkonstruktion gekrönt wurde (Foto), und bedient sieben Haltestellen. Den Mittleren Ring überquert sie auf einer eleganten Tragseil-Bücke. Zum selben Termin rüstet auch die S-Bahn auf: Die seit vier Jahrzehnten unveränderte Stammstrecke wird am 13. Dezember um den Halt „Hirschgarten“ zwischen den Stationen Laim und Donnersbergerbrücke erweitert.

Die erste Fahrt der neuen Tram 23

Schweizer Schläger-Trio

Es ist die Nacht auf den 1. Juli, als drei Schweizer Schüler nahe dem Sendlinger-Tor-Platz wahllos Passanten angreifen und zum Teil lebensgefährlich verletzen. Ihr Motiv: Sie wollen Spaß und „ein paar Leute wegklatschen“. Die Schläger werden gefasst.

Zunächst haben die Schüler auf Klassenfahrt im Nußbaumpark Alkohol getrunken – dabei kommen sie in Gewaltstimmung. Noch im Park greifen sie drei 43, 55 und 64 Jahre alte Mazedonier an und prügeln diese teils bewusstlos. Wenige Minuten später schlagen sie ohne jegliche Vorwarnung den Geschäftsmann Wolfgang O. (46) am Sendlinger-Tor-Platz zu Boden und brechen ihm mit schweren Tritten zahlreiche Gesichtsknochen. Auf dem Weg zu ihrer Unterkunft nahe dem Hauptbahnhof schlagen sie noch auf einen bulgarischen Studenten ein.

Durch die Hilfe eines Augenzeugen können die drei Gewalttäter noch in der selben Nacht in ihrer Pension festgenommen werden. Die zur Tat 16-jährigen Mike B., Ivan Z. und Benjamin D. sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Die Münchner Staatsanwaltschaft will die Jugendlichen wegen versuchten Mordes zur Verantwortung ziehen. Voraussichtlich im ersten Drittel des kommenden Jahres sollen sie vor Gericht gestellt werden.

Moscheeverein kämpft

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, lautet das Motto der Moscheeplaner von „Ditim“ in Sendling. 2009 bringt ihnen politischen Rückenwind – doch die Geldnot bleibt.

Das Jahr beginnt mit einem frischen Gesicht: Recep Dereli wird Chef bei Ditim – ein Mann mit neuen Ideen. Er stellt klar: Er werde für das Projekt kämpfen, aber nicht sklavisch daran festhalten. Der Stadtrat setzt ein Zeichen pro Moschee: Er segnet das Projekt ab – gegen die Stimmen der CSU. Anfang 2010 dürfte ein Satzungsbeschluss Baurecht schaffen. Obendrein gewährt die Stadt den Planern eine Gnadenfrist: Sie haben nun noch viele Monate Zeit, bis sie die Finanzierung nachweisen müssen.

Noch noch immer fehlt Ditim das Geld für den Bau – und der Glaube schwindet bei vielen Unterstützern. Doch Dereli sucht weiter nach Investoren: Zuletzt habe er Gespräche mit einem türkischen Bauunternehmen geführt. Dereli: „Ich bleibe zuversichtlich.“

Haushaltssperre

Mit einer Haushaltssperre schockt Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) im April das politische München. Er kündigt „die schärfste Wirtschaftskrise seit 1945“ an. Lediglich Sozialleistungen sowie städtische Zuschüsse sind ausgenommen. Die Gewerbesteuer-Prognose droht mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 450 Millionen Euro.

Diese Steuer ist der wichtigste Gradmesser für die Prosperität der Stadt und der Grundstock für Investitionen, die vor allem der heimischen Wirtschaft zugute kommen sollen. Anfangs ist 2009 ein Jahr zum Heulen und Zähneklappern. Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) sieht sich sogar schon veranlasst, zu beschwichtigen: „Es droht keine Pleite, alle Rechnungen werden beglichen.“

Im Lauf des Jahres wird die Kassenlage der Stadt immer freundlicher. Zwei kräftige Nachzahlungen, die aus Betriebsprüfungen resultieren runden das Jahresergebnis ab. Statt der befürchteten Reduzierung der Gewerbesteuer auf 1,2 Milliarden Euro werden es am Ende 1,5 Milliarden. So lässt sich 2009 noch mit Anstand über die Runden bringen. Für die Rückzahlung von Krediten reicht es nicht mehr, weil die Investitionen hoch gehalten werden sollen. 600 Millionen Euro beleben die Wirtschaft 2009, im kommenden Jahr sollen es sogar 660 Millionen werden.

2009 Monat für Monat

Mai

Erzieher-Streik: Das Personal von Krippen und Kindergärten streikt für einen besseren Gesundheitsschutz und mehr Gehalt. Bis zum Ende des Tarifstreits Ende Juli müssen viele Eltern wiederholt eine Ersatzbetreuung organisieren.

Magets Nachfolger: Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Pfaffmann (53) wird mit 69,8 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der Münchner SPD gewählt.

Ex-Ariola-Chef tot: Der Münchner Musikmanager Monti Lüftner (77) wird auf einem Recyclinghof von einem Laster überrollt und stirbt.

Hertie macht dicht: Die Kaufhäuser in Fürstenried, Laim und Giesing schließen, in den Räumen in Fürstenried eröffnet im August ein Kaufring.

Juni

Schrecklicher Unfall: Eine 28-jährige blinde Frau tritt statt in die Eingangstüre der U-Bahn in die Lücke zwischen zwei Waggons, wird vom Zug mitgeschleift und getötet.

Tagesmutter verurteilt: Alexandra S. (Name geändert) hat im September 2008 einen 14 Monate alten Buben so heftig geschüttelt, dass der Kleine an einer Hirnblutung stirbt. Das Schwurgericht verurteilt sie zu einer Haftstrafe von fünf Jahren.

Juli

Bärentod: Braunbär Boris stirbt in Hellabrunn im Methusalem-Alter von 32 Jahren. Bärin Olga bleibt allein zurück.

Prozess startet ohne Opfer: Der Prozess gegen drei Männer, die eine 22-Jährige auf dem Oktoberfest vergewaltigt haben sollen, beginnt. Das lange Zeit unbekannte Opfer „Liserl“ meldet sich im Laufe des Prozesses und sagt aus. Die Täter bekommen lange Haftstrafen.

Pleitierpalast versteigert: Das Luxuspenthouse des Ex-Baulöwen Jürgen Schneider am Herzogpark wird versteigert. Kaufpreis: 2,24 Millionen Euro.

Gelöbnis: Auf dem Marienplatz sichern 1300 Polizisten das Gelöbnis von 500 Bundeswehr-Rekruten gegen die Demonstranten.

August

Homo-Ehe: Das erste schwule Paar heiratet im Standesamt an der Ruppertstraße.

Vor Sextäter gerettet: Ein Ehepaar greift auf einem Spielplatz in Freimann in letzter Sekunde ein, als zwei fünf- und sechsjährige Mädchen von einem vorbestraften Sexualstraftäter ins Gebüsch gelockt werden. Der Mann wird festgenommen.

Den dritten Teil des Jahresrückblicks lesen Sie am Mittwoch.

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