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Münchens Behindertenbeauftragter Oswald Utz testete 2014 erstmals die gelben Rampen für Rollstuhlfahrer. 

Nach Pilotprojekt der MVG

51 U-Bahnhöfe bekommen Rampen Rampen für Rollstuhlfahrer

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Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will an 51 U-Bahnhöfen sogenannte Bahnsteigerhöhungen einbauen. Die gelben Einstiegsrampen waren in einem Pilotprojekt an drei Bahnsteigen getestet worden.

München - Jede zweiter U-Bahnhof in München stammt aus einer Zeit, in der Bahnsteige noch 100 Zentimeter über der Schienenoberkante angelegt wurden – zehn Zentimeter unter dem Niveau der Wagenböden. Das war damals so Vorschrift, an barrierefreie Zugänge dachte seinerzeit niemand. Das ist heute freilich anders.

Bereits 2014 hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gemeinsam mit dem Münchner Behindertenbeauftragten Oswald Utz ein Pilotprojekt initiiert. Am Scheidplatz, am Hauptbahnhof und am Sendlinger Tor wurden gelbe Bahnsteigerhöhungen eingebaut. Die gelben und sechs Zentimeter hohen Kunststofframpen nivellieren den Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Fahrzeugboden und sollen Rollstuhlfahrern den Einstieg in die Züge erleichtern.

Das Fazit der Verkehrsbetriebe fällt positiv aus. Dass mehr als drei Jahre ins Land gegangen sind, um zu diesem Schluss zu kommen, liegt laut MVG-Sprecher Matthias Korte an der langwierigen Testphase. „Wir haben mindestens ein Jahr lang schauen wollen, ob sich das Projekt bewährt, wie haltbar die Rampen sind und ob sie sich abnutzen.“ Zudem sei ein intensiver Austausch mit den Behindertenverbänden erfolgt.

In der Vorlage der Verwaltung schreibt die MVG, dass die Resonanz der Behindertenvertreter ebenfalls positiv ausgefallen sei. Der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft entscheidet am 16. Januar über den Wunsch der MVG, die Rampen an insgesamt 51 U-Bahnhöfen einzurichten. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, da der Stadtrat bereits das Pilotprojekt vorangetrieben hatte.

Welche Bahnsteige werden überhaupt für Rollstuhlfahrer umgebaut?

Die Bahnsteigerhöhungen am Hauptbahnhof, Sendlinger Tor und am Scheidplatz sollen laut MVG bestehen bleiben. Angedacht sind weitere Erhöhungen in den Bahnhöfen Rotkreuzplatz, Maillingerstraße und Stiglmaierplatz (alle U1), Hohenzollernplatz, Josephsplatz, Theresienstraße, Königsplatz, Fraunhoferstraße, Kolumbusplatz, Silberhornstraße, Untersbergstraße, Giesing, Karl-Preis-Platz, Innsbrucker Ring (alle U2), Olympiazentrum, Petuelring, Bonner Platz, Brudermühlstraße (alle U3), Prinzregentenplatz, Böhmerwaldplatz, Richard-Strauss-Straße, Arabellapark (alle U4), Laimer Platz, Friedenheimer Straße, Westendstraße, Heimeranplatz, Schwanthalerhöhe, Theresienwiese, Hauptbahnhof, Karlsplatz/Stachus, Odeonsplatz, Lehel, Max-Weber-Platz, Ostbahnhof, Michaelibad, Quiddestraße, Neuperlach Zentrum, Therese-Giehse-Allee (alle U5), Alte Heide, Nordfriedhof, Dietlindenstraße, Giselastraße, Universität, Odeonsplatz, Goetheplatz, Poccistraße, Implerstraße, Harras, Partnachplatz, Westpark und Holzapfelkreuth (alle U6). Neue Bahnhöfe, wie etwa der Marienplatz, seien bereits behindertengerecht ausgebaut und brauchen daher keine Einstiegshilfen.

Was kosten die gelben Rampen für die Rollstuhlfahrer?

Insgesamt sollen 125 Rampen gekauft werden, die Kosten belaufen sich auf 650.000 Euro, wobei der Freistaat 117.000 Euro Fördermittel in Aussicht gestellt hat. Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) sagt: „Das ist nicht wenig Geld, aber dadurch erreicht man natürlich etwas für die Schwächsten in der Gesellschaft.“ Vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates könnte die Münchner Verkehrsgesellschaft dieses Jahr in die Detailplanung einsteigen. Die ersten zusätzlichen Rampen könnten im Jahr 2019 eingebaut werden. 

Sascha Karowski

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