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München zittert vor Affenpocken: Extremes Ansteckungsrisiko bei Sexualverkehr – Arzt klärt auf

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Von: Tanja Kipke

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Die Affenpocken breiten sich in München aus. Ein Experte erklärt, wie man sich schützt und was bei einer Erkrankung zu tun ist.

München – Der Countdown läuft und die Vorfreude ist riesig: Schon in einem Monat feiert die Stadt nach zwei Jahren Pandemie-Pause endlich wieder das Oktoberfest. Und Corona feiert wohl mit – genau wie die Affenpocken. Es gibt immer mehr Fälle in München – müssen wir Angst vor einer Ansteckung im Festzelt haben?

Affenpocken in München: Arzt erklärt die Krankheit

„Das Virus breitet sich weiter aus, ein Ende ist nicht in Sicht“, bestätigt der Experte Christoph Spinner. Aber: „Das ist kein Grund, in Panik zu verfallen.“ Spinner ist Infektiologe am Universitätsklinikum rechts der Isar. Die Ansteckungsgefahr auf der Wiesn hält er für gering, denn dazu brauche es sehr engen Hautkontakt, sagt er. Das Wiesn-Gedränge allein sei also noch kein großes Problem. Gefährlicher seien Situationen außerhalb des Festgeschehens: Der Großteil der Erkrankten infiziere sich durch wechselnde sexuelle Kontakte.

Aktuell sind das in München 29 Männer und Frauen, insgesamt verzeichnet die Stadt seit Bekanntwerden der ersten Fälle mittlerweile 169 Betroffene (Stand: 16. August). Was beim aktuellen Affenpocken-Ausbruch auffällt: Bisher erkranken überwiegend Männer.

Wer gesund bleiben will, sollte vor allem Abstand zu infizierten Personen halten. Denn in den roten Pusteln auf der Haut befinden sich besonders viele Viren. Doch nicht nur dort. „Affenpocken sind eine systemische Krankheit“, erklärt Spinner. Das heißt, sie betrifft den ganzen Körper. Blut und Speichel können auch ansteckend sein.

Gedränge wie auf der Wiesn birgt kein extremes Ansteckungs-Risiko für Affenpocken, sagt der Experte.
Gedränge wie auf der Wiesn birgt kein extremes Ansteckungs-Risiko für Affenpocken, sagt der Experte. © Tobias Hase/dpa

Affenpocken: Extremes Ansteckungsrisiko birgt Sexualverkehr mit wechselnden Partnern

Ein extremes Ansteckungsrisiko birgt Sexualverkehr mit wechselnden Partnern. Spinner sagt: „Kondome reduzieren das Risiko, aber sie schützen nicht wirksam.“

Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit – dauert fünf bis 21 Tage. Infizierte bekommen meist zuerst Fieber, dann werden die Pusteln sichtbar. Wer sie bemerkt, sollte möglichst schnell zum Arzt. „Aber: Bitte vorher anrufen und nicht einfach ins Wartezimmer setzen“, rät Spinner. Experten wissen zwar, wie mit der Krankheit umzugehen ist, aber sie sollten darauf vorbereitet sein.

Eine geringere Verbreitung in der Gesellschaft verhindere zum einen sehr schwere Verläufe und schütze zum anderen Gefährdete wie Ältere und Schwangere, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Es verringere zum anderen das Risiko, dass das Virus mutiert und dann noch gefährlicher wird.

Impfstoff wird knapp

Das Klinikum rechts der Isar impft Menschen aus Risikogruppen gegen Affenpocken. Dazu zählen Männer, die Sex mit Männern haben. Das schließt neben homosexuellen auch bisexuelle Männer ein, sagt Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum. Den Impfstoff gibt es zudem in Praxen, die sich um HIV-Erkrankungen oder -Vorbeugung kümmern. Eine Impfung wird jedem empfohlen, der in den letzten zehn Tagen engen Kontakt mit einer infizierten Person hatte. „Wir rechnen aber damit, dass uns in dieser Woche die Impfdosen ausgehen werden, weil die Nachfrage hoch ist“, sagt Spinner.

Affenpocken? RKI empfiehlt 21-tägige Isolation

Erkrankte sollten regelmäßig ihre Hände waschen, sie desinfizieren und sich isolieren. Das heißt, sie sollten sich möglichst nur in ihrer eigenen Wohnung aufhalten. Das RKI empfiehlt eine 21-tägige Isolation, die erst dann beendet werden sollte, wenn die Symptome komplett weg sind. Meist haben Infizierte milde Beschwerden, sie bekommen Medizin gegen die Symptome, sagt Spinner. Bei starken Schmerzen hilft das Medikament Tecovirimat.

Trotz ihres Namens werden Affenpocken meist über Nagetiere übertragen. Eigentlich sind sie vor allem in Afrika verbreitet, es gibt eine zentral- und eine westafrikanische Variante. „Beim aktuellen Ausbruch ist die mildere Variante aus Westafrika im Umlauf“, sagt Spinner. Die derzeit vielen Infizierten außerhalb Afrikas seien ungewöhnlich, so der Experte. „Eine Erklärung könnte sein, dass spätestens seit den 1970er-Jahren nicht mehr gegen Pocken geimpft wurde.“ Für welchen Personenkreis eine Impfung sinnvoll ist, lesen Sie im Kasten oben. (rmi)

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