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Simon Nacak zeigt den Bahn-Brief und sein Ticket, auf dem man bei genauem Hinsehen den Stempel-Abdruck erkennen kann.

Ticket-Irrsinn

Als Schwarzfahrer abgestempelt: 28-Jähriger soll trotz seines entwerteten Fahrscheins blechen

Wer sein MVV-Ticket in den Stempelautomaten schiebt, der ist aus dem Schneider? Denkste! Denn wenn das Gerät versagt, wird der Fahrgast schnell zum Schwarzfahrer abgestempelt, wie der Fall von Simon Nacak zeigt.

München - Der 26. März war für den 28-Jährigen ein wichtiger Tag. Er hatte ein Vorstellungsgespräch in Allach – der erste richtige Job nach dem Studium. Für den Weg dorthin stieg der Unterhachinger in die S-Bahn. In der Tasche eine Tageskarte. „Natürlich kaufe ich ein Ticket“, sagt Nacak. „Ich glaube daran, dass man für eine Dienstleistung bezahlen muss.“ Und trotzdem bekommt er an diesem Tag noch Ärger mit der Bahn. Noch in Unterhaching steigt ein Kontrolleur zu, will seinen Fahrschein sehen. Nacak zeigt das Ticket vor und erschrickt: Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die Karte gestempelt ist – zu wenig Tinte.

Fahrgast kann Entwertung erkennen, die Bahn hingegen nicht

Es kommt, wie es kommen muss. Schwarzfahren! Der 28-Jährige muss 60 Euro blechen. „Ich war perplex, weil ich mir plötzlich selbst nicht mehr sicher war, ob ich die Karte entwertet hatte“, sagt Nacak. „Das ist mir noch nie passiert.“ Wieder im Büro schaut er sich das Ticket noch einmal genau an. Und jetzt entdeckt er die Spuren des Entwerters! „Daher bin ich dann gleich zur Service-Stelle am Ostbahnhof gefahren.“ Auf dem Weg begegnet er einem bekannten Gesicht: „Im Bus habe ich den Kontrolleur wieder getroffen. Dem habe ich die Karte gezeigt. Tausendmal hat er sich bei mir entschuldigt.“ Doch der Mann habe die Strafe nicht zurücknehmen können. Er müsse Beschwerde bei der Bahn einlegen, riet er dem Unschuldigen. „Er hat mir sogar seine Prüfnummer gegeben, damit die Bahn ihn später befragen kann“, so Nacak. An der Service-Station habe man ihn geradezu unverschämt empfangen. „Der Mann am Schalter hat mir vermittelt, er könne da jetzt nichts sehen. Ich solle die Karte halt einschicken.“ Natürlich beschwerte sich Nacak schriftlich – aber auch diese Beschwerde blieb erfolglos. In einem Brief der Bahn heißt es lediglich: „Leider war keine Entwertung für uns ausreichend erkennbar.“ 

Wenn dann der Kontrolleur nichts erkennen kann, muss er dem Fahrgast eben eine 60-Euro-Strafe aufbrummen.

Video: Schwarzfahren weil Automat kaputt- was nun?

Bei Stempler-Ausfall ist das Fahrpersonal anzusprechen 

Eine Bahn-Sprecherin verweist gegenüber der tz auf die Beförderungsbedingungen des MVV: Demnach habe sich „der Fahrgast von der ordnungsgemäßen Entwertung seiner Fahrkarte zu überzeugen.“ Wenn der Stempler nicht funktioniere, müsse „der Fahrgast die Fahrkarte dem Fahrpersonal unverzüglich und unaufgefordert zur Entwertung aushändigen.“ 

Immerhin: Den Fall von Simon Nacak will die Bahn noch einmal überprüfen, beteuert die Sprecherin. Der fährt unterdessen lieber erstmal mit dem Auto zur Arbeit.

Für großen Ärger sorgte am Osterwochenende ein Bahnhofstreppe im Raum München. Da der Bahnhof derzeit  barrierefrei umgebaut wird, mussten die Fahrgäste in Feldkirchen umsteigen. Als die Passagiere die Treppe sahen, über die sie gehen sollten, brach eine Frau sogar in Tränen aus.

Ganz legal mit gültigem Ticket stieg auch ein anderer Mann in die S-Bahn. Die Kontrolleure in München fanden aber nach seiner Fahrt einen Haken an der Sache. Ein ehemaliger MVG-Kontrolleur hat derweil interessante Details über seine Arbeit verraten.

Mehr News aus München: Beliebte Münchner Bar verwüstet: FCB-Ultras sprengen Party von Löwen-Fans - Unbeteiligte in Panik

Severin Heidenreich

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