Gesundheitliche Probleme: Franz Beckenbauer ist nicht vernehmungsfähig

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Lange Schlangen bilden sich an den 27 Ausgabestellen der Münchner Tafel - so wie hier in Kleinhadern.

15.000 Münchner bekommen Grundsicherung

Arm, aber voller Scham? So können Sie im Alter finanzielle Hilfe bekommen 

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Das Sozialreferat schlägt Alarm: In München sind immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen. In den vergangenen fünf Jahren hat die Zahl der Senioren, die Grundsicherung im Alter beziehen, um 25 Prozent zugenommen.

München - Jeden Dienstag geht Manfred Zacharias (74) zur Ausgabestelle der Münchner Tafel an der Menaristraße in Kleinhadern - einer von 27 in München. Dort reiht er sich in eine lange Schlange mit etwa 500 anderen Bedürftigen ein. Er bekommt gerade mal 550 Euro Rente und bezieht daher Grundsicherung.

„Für sein Schicksal kann man nichts“, sagt er achselzuckend. Seit er Ende 40 ist, ist er arbeitslos. „Ich habe 600 Bewerbungen geschrieben, bin zu 50 Vorstellungsgesprächen gegangen, aber ich war zu alt.“ Heute lebt er in einer Sozialwohnung in Pasing, zahlt 350 Euro Miete. Eine Familie hat er nicht. „Ist wohl besser so“, sagt er. Zacharias hat sich in sein Schicksal ergeben.

Auf die Unterstützung der Tafel angewiesen: Manfred Zacharias bekommt nur 550 Euro Rente.

Sozialreferentin Schiwy rechnet mit fünfstelliger Dunkelziffer

So wie Zacharias geht es vielen. Im April 2019 bezogen 15.170 ältere Münchner die Leistung. Und Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) blickt mit Sorge in die Zukunft: „2035 erwarten wir bis zu 26.000 Anspruchsberechtigte.“

Und dann ist da noch die Dunkelziffer. Schon heute geht Schiwy davon aus, dass es mindestens 10.000 Senioren in der Stadt gibt, die Anspruch auf die Geldleistung hätten, sie aber nicht beantragt haben. Die Zahl ist eine grobe Schätzung, die auf den Zahlen des letzten Armutsberichts 2017 beruht. Demnach leben rund 17 Prozent aller Münchner unterhalb der Armutsschwelle und haben weniger als 1350 Euro monatlich zur Verfügung.

„Hemmschwelle vermutlich zu groß“

Warum so viele Menschen sich nicht an die Ämter wenden, kann Schiwy nur erahnen. „Wir vermuten, dass die Hemmschwelle zu groß ist.“ Viele wollten nicht, dass etwa ihre Kinder zur Rechenschaft gezogen werden, schämten sich, nach langen Berufsjahren „Stütze“ zu beantragen, oder hätten schlicht Angst, dann „aktenkundig“ zu sein.

An all diese Menschen richtet Schiwy nun eine Bitte: „Ich appelliere an sie, sich an die Behörden zu wenden und die Leistungen zu beantragen, die ihnen zustehen.“ In München schlügen die hohen Mieten besonders zu Buche. Viele könnten sich am Ende etwa Medikamente nicht mehr leisten oder kämen nicht mehr raus und vereinsamten in Folge.

Ist alarmiert: Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD).

Leistung kann beim Sozialbürgerhaus beantragt werden

Beantragen kann man die Leistung beim zuständigen Sozialbürgerhaus. Vorlegen muss man einen Ausweis, gegebenenfalls den Schwerbehindertenausweis, den Mietvertrag, einen Beleg über den Krankenkassenbeitrag sowie Unterlagen über Einkommen (Rente) und Vermögen.

Die Sachbearbeiter berechnen dann für jeden Einzelfall, welche Summe ausgezahlt werden kann. Der Regelsatz liegt derzeit in München bei monatlich 445 Euro - dazu rechnet man die Mietkosten. Von der Summe aus beidem wird dann das Einkommen abgezogen. Das Ergebnis ist der Betrag, den man als Leistung erhält. In bestimmten Fällen werden zusätzlich einmalige Leistungen übernommen, etwa die Erstausstattung einer Wohnung oder die Kosten für therapeutische Geräte.

Grundsicherung kann auch abgelehnt werden

Angst, sagt auch Sachbearbeiterin Antonia Eicher aus dem Sozialbürgerhaus Pasing, müsse niemand haben. „Wir nehmen uns beim ersten Termin viel Zeit.“ Zudem könne man seinen Anspruch auch nur prüfen lassen. „Wer dann sagt: Die Auflagen sind mir zu hoch, der kann die Grundsicherung auch ablehnen.“

Das könnte etwa dann der Fall sein, wenn selbst bewohntes Wohneigentum besteht. Wer in einem Haus über 80 Quadratmeter Wohnfläche lebt, muss damit rechnen, dass er sein Eigenheim mit einer Grundschuld belasten muss. Die Befürchtung, aus seiner - zu großen - Mietwohnung ausziehen zu müssen, sei in den meisten Fällen unbegründet, betont Schiwy. Für eine Einzelperson würden bis zu 660 Euro brutto Kaltmiete übernommen. Schiwy: „Wir wollen ja nicht, dass die Menschen obdachlos werden.“ Im Fall der Fälle sei das Sozialreferat auch behilflich bei der Suche nach einer passenden Wohnung.

Auch Fahrtkosten oder Kosten für Haushaltshilfe können übernommen werden

Auch ohne Anspruch auf Grundsicherung lohnt sich die Vorsprache beim Amt. „Auch wenn jemand knapp oberhalb der Grenze für die Grundsicherung liegt, gibt es viele Möglichkeiten, wie wir helfen können.“ So könnten etwa Fahrtkosten und die Kosten für eine Haushaltshilfe übernommen werden.

Einen politischen Appell wiederholt Schiwy angesichts der erschreckenden Zahlen: „Der Bundesgesetzgeber muss den Regelsatz an die Bedingungen in den jeweiligen Ballungsräumen anpassen.“ In Duisburg lasse es sich mit demselben Einkommen wie ein König leben, das in München ein Leben an der Armutsgrenze bedeute.

München boomt seit Jahren - doch das hat auch negative Folgen. Trotz eines Arbeitsplatzes können sich manche Münchner gerade so über Wasser halten - wir stellen einige von ihnen vor. Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat einen Wettbewerb unter Tafeln ausgerufen und dafür viel Kritik einstecken müssen.

Caroline Wörmann, Laura Felbinger

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