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Der wegen dreifachen Mordes in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung Angeklagte Mohamed Ali E. kommt zu Beginn des Prozesses um den Brand an der Dachauer Straße in den Verhandlungssaal des Landgerichts München I.

Verheerendes Feuer in der Dachauer Straße

Vater und zwei Töchter verbrannten: Angeklagter wieder ein freier Mann

Aus Ärger über die Zustände im Haus soll ein 43-Jähriger Feuer in einem Mietshaus in der Dachauer Straße gelegt haben. Ein Mann und seine beiden Töchter starben. Nun fiel das Urteil.

Update 13.35 Uhr: Das Urteil ist da! Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Mohammed Ali E. wurde verdächtigt, einen Brand gelegt zu haben. Eine brennende Matratze im Treppenhaus des Gebäudes in der Dachauer Straße hatte das Feuer ausgelöst. Bei dem Feuer am 2. November 2016 starben Aleksandar M. (37) und seine Töchter (16 und 9 Jahre). Andere Hausbewohner retteten sich auf über die Feuerleiter oder auf umliegende Dächer.

Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der Angeklagte den Brand gelegt hat. Er wurde deshalb freigesprochen. Mohammed Ali E. bekommt außerdem eine Entschädigung für die Zeit in der Untersuchungshaft. Seit März 2017 saß er in U-Haft. 

Er hatte stets bestritten, das Feuer gelegt zu haben. Es gab keine handfesten Beweise für die Schuld des Angeklagten, somit entwickelte sich ein reiner Indizien-Prozess. Die Verteidigung forderte einen Freispruch. Bis zuletzt waren Zweifel an der Ursache für das Feuer und den Verantwortlichen geblieben, begründete der Vorsitzende Richter Michael Höhne das Urteil am Freitag am Münchner Landgericht I.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten mit libyscher und tunesischer Staatsangehörigkeit vorgeworfen, das Feuer aus Ärger über die Wohnverhältnisse in dem Haus und die häufigen Bewohnerwechsel gelegt zu haben. Sie hatte lebenslange Haft wegen Mordes gefordert.

Vorbericht:

Aus Ärger über die Zustände im Haus soll ein 43-Jähriger Feuer in einem Mietshaus in der Dachauer Straße gelegt haben. Ein Mann und seine beiden Töchter starben. Heute wird das Urteil erwartet.

Was entfachte das Feuer, das einen Vater und seine zwei Töchter im November 2016 das Leben kostete - oder wer? Im Prozess um den Brand in einem Münchner Mietshaus soll es am Freitag (13.00 Uhr) ein Urteil geben. Vor dem Landgericht München I muss sich seit März ein 43-Jähriger wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, das Feuer aus Frust über die Zustände im Haus und die häufigen Bewohnerwechsel gelegt zu haben. Handfeste Beweise gibt es allerdings nicht. Die Verteidigung hat daher auf Freispruch plädiert. Die Anklagebehörde dagegen fordert lebenslange Haft wegen Mordes sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Lesen Sie auch: Mordverdächtiger mit dreistem Auftritt: Sind drei Tote für ihn ein Witz?

Der 43-Jährige habe heimtückisch, aus niederen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln gehandelt, so die Staatsanwaltschaft. Der Anklage zufolge hatte der Mann libyscher und tunesischer Staatsangehörigkeit in der Nacht zum 2. November 2016 eine Matratze im Treppenhaus des Gebäudes nahe dem Münchner Hauptbahnhof angezündet, vermutlich mit einem Feuerzeug. Er habe daraufhin das Haus verlassen, ohne die anderen Bewohner zu warnen - abgesehen von seinem Mitbewohner. Rasch schlugen die Flammen nach oben. 39 Menschen befanden sich zu dem Zeitpunkt im Gebäude.

Ein 37 Jahre alter Mann und seine zwei Töchter im Alter von 9 und 16 Jahren wollten wohl über das Treppenhaus vor den Flammen fliehen. Sie wurden jedoch noch im Gang der Wohnung im Dachgeschoss bewusstlos und starben den Ermittlungen nach an der Wirkung des Rauchgases und an der Hitze. Der Mann habe eine seiner Töchter im Tod umklammert gehalten, hatten Zeugen zu Beginn des Prozesses geschildert.

Es gibt keine Zeugen und keine DNA

Einer der beiden Rechtsanwälte des Angeklagten, Walter Lechner, betonte vor der Urteilsverkündung, dass es sich um einen reinen Indizienprozess handele - es gebe keine DNA, keine Zeugen. „Und viele schwache Indizien führen auch in der Gesamtschau nicht zu einem Beweis“, sagte er. Zudem habe sein Mandant, der die Vorwürfe zurückweist, entgegen der Annahme der Staatsanwaltschaft kein Motiv. Zeugen, darunter der Hausmeister und -eigentümer, hätten den 43-Jährigen als höflich beschrieben. Er habe zwar auf Missstände im Haus hingewiesen, sich allerdings nie aggressiv gezeigt.

Zum Thema: Feuer in der Dachauer Straße: Warum mussten drei Menschen sterben?

Zudem verwies Lechner auf die Angaben eines Sachverständigen, der zwar ausgeführt habe, dass wahrscheinlich ein Brandbeschleuniger verwendet worden war, um die Matratze zu entzünden. Unter bestimmten Umständen hätte aber auch etwa eine glimmende Zigarette zu dem Brand führen können.

Eine brennende Matratze im Treppenhaus des Gebäudes nahe dem Münchner Hauptbahnhof hatte im November 2016 das verheerende Feuer ausgelöst. Ein 37 Jahre alter Bewohner und dessen 9 und 16 Jahre alten Töchter kamen ums Leben. Der Angeklagte libyscher und tunesischer Staatsangehörigkeit sitzt seit März 2017 in Untersuchungshaft.

dpa

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