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Stillstand: Der gepflegte Mercedes SLK von Angela Weck lässt sich nicht mehr starten.

Unerfreuliches Schlüsselerlebnis

Sie kann ihr Cabrio nicht mehr fahren - der Grund dafür klingt unglaublich

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Das Cabrio lässt sich seit Monaten nicht starten. Angela hat sich an den Hersteller, doch der hat erst Mitte 2019 eine Lösung für ihr Problem. Klingt unglaublich, ist aber leider wahr. 

München - Silberfarben, schnittig, schick: Seit sieben Jahren fährt Angela Weck ein Mercedes SLK Cabrio – ihr Traumauto. „Das geht ab wie Hölle“, schwärmt die 61-Jährige. Doch seit Februar ist der Autoschlüssel kaputt – und Mercedes aus technischen Gründen nicht in der Lage, einen Ersatzschlüssel zu liefern. Deshalb steht der Sportwagen nun seit acht Monaten nutzlos vor Angela Wecks Haus herum. Sie kann ihn zwar mit dem defekten Schlüssel aufsperren, aber nicht starten.

„Es kann doch nicht sein, dass das Auto nicht mehr fahrbar ist, nur weil der Schüssel kaputt ist!“, empört sich die Ramersdorferin. Weil sie als Prokuristin einer Wirtschaftsberatung beruflich viel auf Achse ist, braucht sie ihren Wagen dringend. Weck hatte den Wagen, Baujahr 1998, gebraucht gekauft. Die Vorbesitzerin hatte nur noch einen Autoschlüssel. Aber das war für Weck kein Ausschlusskriterium. „Der Wagen war gepflegt und in einem Top-Zustand. Mit Lederausstattung und allem Drum und Dran. Ich wollte mit ihm alt werden.“

Als der metallene Schlüsselbart – vermutlich aufgrund von Materialverschleiß – vom Plastikteil des Schlüssels abbricht, wendet sich Weck an eine Mercedes-Niederlassung. Dort will sie einen Ersatzschlüssel bestellen. Eine verzwickte Angelegenheit! „Die Werkstatt sagte mir: Da könnten wir ein Problem kriegen. Denn dieser Schlüssel sei nicht lieferbar“, erzählt Weck. Wie sich herausstellt, ist sie nicht die einzige Mercedes-Fahrerin, die für einen Wagen aus dieser Baureihe keinen Ersatzschlüssel kriegt. „Die Werkstatt hatte eine ganze Liste von Bestellungen vorliegen. Aber Mercedes storniert diese Bestellungen, wie mir die Werkstatt gesagt hat.“

Das sagt Mercedes zu dem Problem

Mercedes-Sprecher Markus Nast erklärte auf Nachfrage: „Wir haben den Bedarf erkannt und entwickeln gerade eine Neuauflage des Schlüssels. Das ist ein komplexer Vorgang, der voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres dauert.“ Hintergrund sei, dass Mercedes seine Wagen ab 1998 mit einem elektronischen Diebstahlschutz ausgestattet habe. „Steckt man den Schlüssel rein, fragt das Auto über die Elektronik ab, ob der Schlüssel wirklich zum Auto gehört“, erklärt Nast. Weil sich die Elektronik rasant entwickle, seien einige Komponenten des alten Schlüssels nicht mehr lieferbar.

Angela Weck findet das unmöglich. „Wenn es sich um irgendeine Marke handeln würde. Aber wir sprechen von Mercedes!“ Nast sagt dazu, dass Mercedes bis 15 Jahre nach Baujahr die Lieferung von Ersatzteilen garantiere – und damit ohnehin länger als gesetzlich vorgeschrieben. Laut Katharina Glasl von der Verbraucherzentrale Bayern halten Autobauer Ersatzteile üblicherweise mindestens zehn Jahre bereit.

Darum ärgert sich Angela W.

Angela Weck ärgert sich aber auch über das Verhalten des Mercedes-Kundenservice. Er habe zwar ihr erstes Schreiben beantwortet, dann aber wochenlang nicht mehr reagiert. „Ich musste fünf weitere Male hinschreiben und mit der Presse drohen.“ Dann erst habe sie zur Antwort bekommen, das Problem sei der Diebstahlschutz. Dazu sagt Mercedes-Sprecher Nast: „Wir werden selbstverständlich die Hintergründe prüfen. Unser Anspruch ist es, Frau Weck schnell wieder mobil zu machen.“ Mercedes versuche, eine Zwischenlösung zu finden, bis die neuen Schlüssel entwickelt sind.

Allerdings hat sich Angela Weck inzwischen selbst geholfen: „Ich habe mir einen VW Beetle gekauft. Wieder ein Cabrio, weil ich immer Cabrio fahre!“

Wie bekomme ich einen Ersatzschlüssel fürs Auto?

Seit den 90ern werden Autos mit Wegfahrsperren versehen. Heißt: Im Schlüssel steckt ein Transponder, der den elektronischen ­Diebstahlschutz deaktiviert. Ein Ersatzschlüssel muss also in der Werkstatt erstellt werden – damit er zur jeweiligen Wegfahrsperre im Auto passt. Anhand der Schlüsselnummer oder der Fahrgestellnummer (steht im Fahrzeugschein) ordern die Mechaniker zunächst einen Ersatzschlüssel beim Hersteller. Beim Abholen des Schlüssels muss der Fahrer Personalausweis, Fahrzeugschein und Wagen ­mitbringen. Der neue Schlüssel wird quasi aufs Auto angelernt. Der verlorene kann das Fahrzeug dann nicht mehr starten. Lesen Sie auch: Autoschlüssel verloren: Das müssen Sie jetzt tun

Zwei engagierte Polizisten haben einer Rentnerin in München aus einer recht schwierigen Situation geholfen. Ihr waren die Autoschlüssel in einen Gully gefallen, auf dem das verschlossene Auto stand.

Dem Fahrer eines Mercedes CLK waren Verkehrsregeln völlig egal. Jetzt bekommt der Fahranfänger die Quittung.

Bettina Stuhlweissenburg

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