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Harren vor der Bayernkaserne auf dem blanken Boden aus: Asylbewerber aus Afghanistan und Pakistan. Ihre Vorwürfe gegen den Ruhpoldinger Pensionsbetreiber wiegen schwer.

Geflüchtet aus Ruhpolding

Asylbewerber campieren vor der Bayernkaserne

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München - Seit Wochen kampieren vor der Bayernkaserne rund 25 Asylbewerber – weil sie ihre Unterkunft im Landkreis Traunstein unerträglich finden.

Regen peitscht unter das schmale Blechdach. Die Pappe, auf der die Asylbewerber sitzen, ist durchgeweicht. Einer der Männer zieht sich ein Laken um die Schultern, ein anderer einen Müllsack. Seit Anfang Juni kampieren rund 25 Geflüchtete vor der Bayernkaserne: auf dem Vorplatz an der Heidemannstraße, neben dem Beratungshäusl „Lighthouse Welcome Center“. Doch willkommen sind sie hier offenbar nicht.

Ganz und gar nicht. Die Männer sind ursprünglich aus Afghanistan und Pakistan geflüchtet – und dann aus Ruhpolding. Dort lebten sie in einer Pension, die die Regierung angemietet hat. Klingt komfortabel. Doch die Asylbewerber erheben schwere Vorwürfe gegen die Unterkunft. Weil sie es nicht mehr aushielten, zogen sie nach München – wo sie derart unwillkommen sind, dass die Regierung sie eher draußen schlafen lässt, als sie in der leeren Bayernkasernen-Halle gegenüber unterzubringen.

„Ich bin kurz vorm Platzen“, wettert Christl Quaas, die in der Bayernkaserne ehrenamtlich arbeitet. Am Dienstagmorgen schickte ihr einer der Geflüchteten ein Handyvideo, das er nachts beim Unwetter unter der überdachten, nach allen Seiten offenen Holzkonstruktion gedreht hat. „Die kampieren da doch nicht zum Spaß. Die sind verzweifelt.“

Die Flüchtlinge beklagen, dass der Koch in der Ruhpoldinger Pension sie tyrannisiere. Er öffne ihre Post und gebe ihnen Lebensmittel jenseits des Haltbarkeitsdatums. Sie müssten im Keller schlafen und würden eingeschüchtert, Krankheiten würden ignoriert. Wenn sich das Landratsamt ankündige, gebe er ihnen Geld und schicke sie weg, bis die Kontrolle vorbei sei. Der Unterkunftsbetreiber weist die Vorwürfe allesamt zurück.

Ehrenamtliche Helfer aus Ruhpolding zeichnen ein durchwachsenes Bild: Gegen die Pension sei nichts einzuwenden, ist zu hören. Es sei die Perspektivlosigkeit, die die jungen Männer in den Wahnsinn treibe. Einige warteten seit drei Jahren auf ihren Asylbescheid. Zwar gebe es Freizeitangebote und Sprachkurse. Doch das schiere Warten wegen der Asylverfahren zermürbe die Menschen, mache sie aggressiv und depressiv. Einige sagen, die jungen Männer wollten in die Großstadt, um Frauen kennenzulernen und sich Arbeit zu suchen.

Die Gründe sind komplex. Ebenso die Lösung: Weil die Asylbewerber dem Landkreis Traunstein zugewiesen sind, ist dieser für sie zuständig. In München steht ihnen nichts zu, weder Unterkunft noch Versorgung. Auf die Anfrage, ob den Menschen nicht wenigstens ein Obdach zu verschaffen sei, antwortet die Regierung von Oberbayern, die die Bayernkaserne betreibt: Die Asylbewerber seien verpflichtet, in der Unterkunft im Landkreis zu wohnen. Eine Umverteilung erfolge „nur in begründeten Ausnahmefällen, die hier jedoch nicht ersichtlich sind“. Dennoch verfolgten die beteiligten Stellen das Anliegen, eine „tragfähige Lösung zu finden“, so eine Sprecherin.

Quaas’ Ehemann, der Münchner CSU-Stadtrat Richard Quaas, hatte einen Runden Tisch initiiert, bei dem am Freitag die Asylbewerber mit Vertretern von Landratsamt, Regierung und Sozialverbänden sprachen. „Heraus kam nichts“, sagt Christl Quaas. Dem Koch könne angeblich nicht gekündigt werden. Dabei hätten sich die Männer sogar bereiterklärt, zurückzukehren, wenn der Angestellte weg sei.

Tatsächlich scheint es häufiger Probleme mit Unterkünften im Kreis Traunstein zu geben. 2015 war eine Gruppe Eritreer von dort nach München gekommen und hatte an der Boschetsrieder Straße vor der Ausländerbehörde kampiert – ebenfalls aus Protest gegen eine Ruhpoldinger Pension (wir berichteten). Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch war am Dienstag terminbedingt nicht zu erreichen.

Christl Quaas versorgt derweil die Kampierenden mit dem Nötigsten. Sie verstehe ja, dass sich Landratsamt und Regierung nicht „erpressen“ lassen wollten, wie sie sagten, und dass sie Sorge hätten vor Nachahmern. Aber es sei bitter, sagt sie, gegenüber die leerstehende und seit kurzem versperrte Halle zu sehen.

Am Abend stand die Regierung in Gesprächen mit der Stadt, ob nicht doch eine kurzfristige Lösung möglich sei – an einem dritten Standort.

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