Demonstration gegen Rassismus · München
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Am 6. Juni setzten 25.000 Menschen auf dem Königsplatz ein Zeichen gegen Rassismus

Kundgebungen in München

„Black Lives Matter“ in München: 2000 Menschen demonstrieren gegen Rassismus

Die Organisatoren der Corona-Demos auf der Theresienwiese sind mit ihrer Verfassungsbeschwerde gescheitert. Protestiert wird aber weiter: An diesem Samstag erstmals gleich an zwei Orten. 

  • Schon mehrmals haben Menschen auf der Münchner Theresienwiese gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert.
  • Am Wochenende finden in München sogar drei Protest-Aktionen statt. 
  • Wissenschaftler raten zu stillem Protest.


Update vom 11. Juli 2020: Zahlreiche Menschen haben am Samstag in München erneut gegen Rassismus demonstriert. Laut Veranstalter versammelten sich rund 2000 Teilnehmer auf der Theresienwiese. Aufgerufen dazu hatte die Bewegung „BlackLivesMatter Munich“. Es gab mehrere Redebeiträge und ein Kulturprogramm.

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA versammeln sich auch in Deutschland immer wieder Menschen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Floyd war am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Großstadt Minneapolis gestorben. Wegen seines Todes kam es zu Protesten und teilweise auch Ausschreitungen in mehreren Städten der USA.

Bei der Demonstration am Samstag in München wurde auch an den zweiten Jahrestag des Urteils im NSU-Prozess erinnert. Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe war am 11. Juli 2018 am Ende des mehr als fünfjährigen Mammutverfahrens um die Morde und Anschläge des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

„Black Lives Matter“ in München: Große Demonstration angekündigt - hier soll die Kundgebung stattfinden

Update vom 10. Juli 2020, 11.09 Uhr: Die „Black Lives Matter“-Bewegung war vor knapp einem Monat in aller Munde. Nun steht in München für den kommenden Samstag (11. Juli) die nächste Demonstration an. Ab 17 Uhr wird auf der Theresienwiese demonstriert. 

Die Veranstalter haben via Facebook auf die wichtigsten Punkte hingewiesen, für die protestiert werden soll: Dabei geht es um „Das Ende rassistischer Unterdrückung“, „die Unterstützung der schwarzen Community“ sowie „eine langfristige Bildung für alle“. 

Corona- und Rassismus-Demos in München: Teilnehmerzahlen am Samstag zeigen Entwicklung

Update vom 13. Juni, 21. 44 Uhr: Auch an diesem Samstag ist in mehreren Städten in Bayern demonstriert worden. Dabei gab es sowohl Proteste gegen die bestehenden Corona-Maßnahmen, wie auch gegen Rassismus im Zusammenhang mit dem getöteten US-Bürger George Floyd. Die Demonstrationen erreichten aber in keinem der beiden Fälle die Größenordnung wie zuletzt.

Knapp 700 Menschen demonstrierten nach BR-Angaben in München und Nürnberg zusammengenommen gegen die Corona-Maßnahmen. In Regensburg waren es 30. Die größte Demonstration gab es demnach in Nürnberg: Hier gingen knapp 1000 Menschen gegen Rassismus auf die Straße.

Dass die Teilnehmerzahlen im Vergleich zu den letzten Wochen deutlich zurückgehen, zeigt das Beispiel München: Auf dem Königsplatz versammelten sich nach BR-Angaben knapp 500 Menschen - angemeldet seien 1000 gewesen. Die Polizei war demnach selbst mit 600-700 Beamten vor Ort.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei der Demo gegen Corona-Maßnahmen in Nürnberg ab. Statt der angemeldeten 500 Teilnehmer kamen dem Bericht nach etwa 200.

Demos und Corona: Drei Proteste am Wochenende - Experten mit Appell an Teilnehmer

Erstmeldung vom 13. Juni:

München - Vergangenes Wochenende hatten sie ihren Protest noch aus Protest abgesagt. „Wir erfahren jedes Mal unerträgliche Willkür und Gängelungen, Ungleichbehandlung und Behinderung unseres Demonstrationsrechtes“, hieß es von den Organisatoren der Corona-Demo auf der Theresienwiese. Hintergrund: Das städtische Kreisverwaltungsreferat hatte wegen des Infektionsschutzes die Demo ein ums andere Mal auf 1000 Teilnehmer gestutzt, obwohl 10 000 angemeldet waren. Die Organisatoren legten daher Verfassungsbeschwerde ein. Laut Rechtsanwalt Christopher Hallhuber, der die Kritiker der Corona-Maßnahmen vertritt, lässt sich aufgrund der Entwicklung der Corona- Fallzahlen keine akute Gefahrenlage für die Allgemeinbevölkerung herleiten, „welche derart massive Grundrechtseingriffe rechtfertigt“. Das sehen die Richter in Karlsruhe offenbar anders. Ein Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht auf volles Demonstrationsrecht ist abgelehnt worden, die Anwälte der Organisatoren prüfen weitere Schritte. Pressesprecherin Alexandra Motschmann: „Dessen ungeachtet verwundert uns weiterhin die Ungleichbehandlung der Demonstrationen ,Black Lives Matter’ und unserer Grundrechte-Demos.“ Wie berichtet, waren am Samstag 25.000 Menschen auf den Königsplatz gekommen, um gegen Rassismus zu protestieren. Angemeldet waren deutlich weniger.

Zwei Corona-Demos am Wochenende in München

Demonstriert wird auch an diesem Samstag. Die Organisatoren der Corona-Demo haben erstmals zwei Protestveranstaltungen genehmigt bekommen. Beantragt war eine Demo mit 10.000 Teilnehmern von 15 bis 17 Uhr auf der Theresienwiese, eine weitere mit 5000 Teilnehmern im selben Zeitraum für den Königsplatz. Das Kreisverwaltungsreferat hat beide Veranstaltung erneut lediglich für 1000 Teilnehmer zugelassen.

„Wir sind sehr gespannt, wie die Handhabung der Polizei an diesem Samstag sein wird, wo sich doch letzte Woche auf dem Königsplatz 25.000 Menschen für ,Black Lives Matter‘ versammeln durften“, schreiben die Organisatoren.

Anti-Rassismus-Demo am Sonntag auf Odeonsplatz

Eine voraussichtlich große Demonstration für Menschenrechte und gegen Rassismus unter dem Eindruck des gewaltsamen Todes von George Floyd in den USA soll es dieses Wochenende wieder geben: am Sonntag um 12 Uhr auf dem Odeonsplatz.

Demos und Corona: Experten raten zu stillem Protest

Unterdessen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Infektionsrisiko steigt, wenn lauter protestiert wird.„Der Rat ist, still zu demonstrieren“, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). „Wenn man lange viel schreit, fliegen viele Tröpfchen, und da entstehen Aerosole.“ Diese flögen weiter als eineinhalb Meter und könnten das Risiko einer Übertragung erhöhen. Allerdings ist nicht abschließend geklärt, welche Rolle Aerosole bei der Verbreitung des Virus spielen.

Proteste in Zeiten von Corona: Je lauter, desto riskanter

Ganz pragmatisch spricht sich Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München für ruhige Demos aus: „Wenn es laut ist und ich mit jemandem sprechen möchte, dann komme ich ihm automatisch näher oder rede lauter.“ Je lauter man aber rede, desto mehr Tröpfchen produziere man – das Risiko einer Ansteckung steige.

Corona-Neuinfektionen in München auf Tiefwert

Am Freitag meldete die Stadt noch eine neu infizierte Person. Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs wertete das als „Zeichen des Erfolges unserer Bemühungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.“ Für die Bewertung des längerfristigen Infektionsgeschehens müsse man aber noch abwarten. Infektionshygienisch relevante Ereignisse spiegelten sich in der Regel erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zehn bis 14 Tagen wider. Jacobs empfiehlt, weiterhin „große Menschenansammlungen zu meiden, Abstand zu halten und, wo dies nicht immer zuverlässig möglich ist, eine Mund-Nasen-Bedeckung* zu tragen“.

von Sascha Karowski und David Hutzler (dpa)

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