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Das Deutsche Museum in München wird saniert: Dafür fallen enorm hohe Kosten an.

Neue Gelder bewilligt

Deutsches Museum: Schon wieder Kostenexplosion bei Sanierung - interessanter Vergleich mit Elbphilharmonie

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Die Kosten für die Sanierung des Deutschen Museums sind erneut in die Höhe geschnellt. Bund und Freistaat haben zusätzliche Millionen bereitgestellt.

  • Das Deutsche Museum in München wird saniert.
  • Im November 2019 wurde bekannt: Es kommt zu einer erneuten Kostenexplosion.
  • Bund und Freistaat haben neue Gelder bewilligt.

Update 15. November 2019: Die Kosten für die Sanierung des Deutschen Museums in München steigen auf 745 Millionen Euro. Bund und Freistaat bewilligten 300 zusätzliche Millionen, wie das Wissenschaftsministerium am Freitag in München mitteilte. Bislang waren schon 445 Millionen Euro für die Generalsanierung bereitgestellt worden.

Zum Vergleich: Die Hamburger Elbphilharmonie, die inzwischen sinnbildlich für Kostenexplosionen bei Kulturbauten steht, kostete den Steuerzahler mit rund 800 Millionen Euro gar nicht so viel mehr - und sie wurde nicht saniert, sondern komplett neu gebaut.

Bund und Freistaat teilen sich die nun bereitgestellten zusätzlichen 300 Millionen für das Deutsche Museum nach Angaben von Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) zu gleichen Teilen auf.

dpa

Sanierung: Freistaat Bayern setzt Deutsches Museum einen Kostendeckel

Update, 8. Mai 2019: Der Freistaat Bayern dringt bei der Generalsanierung des Deutschen Museums auf eine Deckelung der Mehrkosten bei 150 Millionen Euro. „Das Deutsche Museum ist ein international viel beachtetes und äußerst beliebtes Forschungsmuseum, seine Sanierung muss gelingen. Mit einem Kostendeckel von 150 Millionen Euro zusätzlichen Mehrkosten ist das Museum jetzt gefordert, Szenarien zu entwickeln, wie die Sanierung erfolgreich zu Ende gebracht werden kann“, teilte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) mit. „Über die Aufteilung der zusätzlichen Kosten bin ich mit dem Bund in intensiven Gesprächen.“ Zunächst waren 445 Millionen Euro für die Arbeiten angesetzt gewesen. Davon waren jeweils 180 Millionen Euro von Bund und Land bewilligt. Mittlerweile ist die Rede von knapp 600 Millionen Euro. Gründe sind steigende Baukosten, aber auch unvorhergesehene Schwierigkeiten mit der historischen Bausubstanz. Zwischenzeitlich ist auch das für die Sanierung zuständige Architekturbüro insolvent. 

Das Deutsche Museum teilte mit, man freue sich über die implizite Botschaft, dass zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten, um die Modernisierung fortzusetzen. „Wir werden wie bisher sorgsam und verantwortungsvoll mit den uns zur Verfügung gestellten Steuermitteln umgehen“, hieß es. Die Insolvenz der Architekten und die daraus entstehenden Verzögerungen bürgen weitere Kostenrisiken. Mit Blick auf die Deckelung überarbeite man nun die ursprünglichen Pläne. Dafür würden mehrere Varianten entworfen, die nach der Verwaltungsratssitzung Ende Juni vorgestellt werden sollen. Ob sich die Probleme auf den geplanten Abschluss der Generalsanierung 2025 auswirken, ließ das Museum offen.

Sabine Dobel

Kostenexplosion im Deutschen Museum: Es geht um viele Millionen Euro

Ursprungsmeldung, 7. Februar 2019: Die Einladung kam so harmlos wie möglich daher. Zum „Informationsbesuch“ im Deutschen Museum wurde der Wissenschaftsausschuss des Landtags am Mittwoch geladen. „Ein Imbiss wird bereitgestellt“, prangte fürsorglich auf Seite 1 der Unterlagen. Die folgenden 198 Seiten und der Termin selbst waren allerdings weniger schmackhaft. Die Sanierung des Museums läuft, so wurde den Abgeordneten beigebracht, finanziell aus dem Ruder.

Im schlimmsten Fall verschlingt das Museum hunderte Millionen Euro mehr. Schon bisher galt die Sanierung bei laufendem Betrieb als aufwendig. Der Bau ist denkmalgeschützt, die Ufermauern an der Isar mussten erneuert werden. Auf der 35 000-Quadratmeter-Baustelle gab es Rückschläge – eine Fliegerbombe, Asbest. Stets sprach die Museumsleitung aber treuherzig von Kosten um/über 450 Millionen Euro.

Zuversichtlicher Bauherr: Wolfgang M. Heckl 2015 auf der Baustelle des Deutschen Museums.

Diese Summe ist gedeckt, Bund und Freistaat teilen sich den Löwenanteil, hinzu kommen 40 Millionen von privaten Spendern. In den Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, stehen allerdings ganz andere Zahlen. Dort formuliert die Museumsleitung drei Szenarien. A: Man brauche 75 Millionen Euro mehr und eröffne das Museum in Gänze erst 2024. B: Es wird gebaut, bis das Geld ausgeht, der Eingang wird nicht verlegt und der zweite Abschnitt halb fertig gelassen. C: Der zweite Abschnitt im nördlichen Teil wird gar nicht begonnen, 120 Millionen bleiben übrig. Das Museum rät wenig überraschend zu Variante A.

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Besonders krass: Die Prüfberichte sind anderthalb Jahre alt. Ende 2017 informierte das Kunstministerium die Landtagspräsidentin schriftlich, man halte Baukosten von 520 Millionen Euro für realistisch. Welchen Weg diese Information im Parlament ging, ist unklar. Der Öffentlichkeit wurden in den beiden Wahljahren 2017/18 die Zahlen vorenthalten. Offenbar vorsätzlich: Bei Baustellenrundgängen im Sommer 2018 verschwieg Museumsdirektor Wolfgang Heckl die Zahl. Als Ende Januar Finanzminister Albert Füracker und der neue Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) das Areal besichtigten, nannten sie auch keine Summe.

Im Landtag droht erheblicher Ärger. Die Kosten steigen ja weiter: In einer mündlichen Präsentation wurden dem Ausschuss jetzt gar 598 Millionen Euro genannt, berichten mehrere Abgeordnete. Die Grünen fordern eine schnelle Grundsatzentscheidung im Landtag. „Hier können wir das CSU-Wissenschaftsministerium nicht länger hemdsärmelig weiterwursteln lassen“, sagt Verena Osgyan. Die Informationspolitik sei „nicht hinnehmbar“.

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Der neue Ausschuss-Chef Robert Brannekämper (CSU) sagt, mit Kostenmehrungen habe er gerechnet. „Ganz ohne bayerisches Geld wird es nicht gehen.“ Unbefriedigend sei aber, dass man eine Rechnung erhalte, „von der man nicht weiß, ob es schon das Ende der Fahnenstange ist“.

Intern heißt es, mit den Haushaltspolitikern könne es massiv Streit geben. Auf Bayern würden nach den letzten Schätzungen mindestens 80 Millionen Euro Mehrkosten zukommen, der aktuelle Doppelhaushalt wurde aber nur mit einem großen Griff in die Rücklage ausgeglichen. Ob der Bund überhaupt mitzahlt, ist offen. Man verhandle „seit Längerem“, lässt Minister Sibler mitteilen.

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