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Ingrid und Harry Engelbrecht quält die Ungewissheit über den Verbleib ihrer Tochter.

Tag der Vermissten

Diese Fälle halten die Ermittler seit Jahren in Atem - Tauchen die Frauen jemals wieder auf?

Von den vermissten Sonja Engelbrecht, Ingrid Sonnleitner und Bettina Trabhardt fehlt seit vielen Jahren jede Spur. Das geschah bei ihrem Verschwinden.

München - Es sind Geschichten, die einem den kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen lassen. Sie handeln von vermissten Kindern, Ehepartnern und Familienmitgliedern. Von heute auf morgen verschwunden. Ohne Begründung, ohne Spur. Die Sorge und die Qual, die betroffene Familien dann erleben, sind nur schwer vorstellbar. Der 30. August soll deshalb an all jene Menschen erinnern, die verschleppt wurden oder aus anderen Gründen wie vom Erdboden verschluckt sind: Heute ist der internationale Tag der Verschwundenen!

Ursprünglich stand eine Organisation aus Costa Rica hinter diesem Gedenktag – Familienangehörige von verschwundenen und ermordeten Personen hatten sich zusammengeschlossen. Das Thema erfasste aber schnell die ganze Welt – unter anderem bei einer Debatte anlässlich der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 21. Dezember 2010. Man beschloss, den 30. August zum offiziellen Gedenktag zu machen, erstmals begangen wurde er im Jahr 2011. Hinter diesem Tag stehen Schicksale, die auch München und Bayern bewegen – wie etwa das Verschwinden einer Mutter und ihrer Tochter, die vor einigen Wochen zum PEP wollten. In der Nähe von Würzburg wird seit zwei Jahren ein inzwischen 17-jähriger Junge vermisst. Es sind Fälle wie diese, über die die tz auf dieser Seite berichtet.

München: Sonja Engelbrecht ist seit 11. April 1995 verschwunden

Ingrid und Harry Engelbrecht quält die Ungewissheit über den Verbleib ihrer Tochter.

Er hatte den Abend mit ihr verbracht, begleitete sie zu einer Telefonzelle, stieg in die Tram – und ist der Letzte, der Sonja Engelbrecht je gesehen hat. Die 19-Jährige verschwand in der Nacht zum 11. April 1995 am Stiglmaierplatz spurlos. Mit besagtem Schulfreund war Engelbrecht in ein Lokal an der Schleißheimer Straße gegangen. Gemeinsam besuchten sie später einen Bekannten an der Schellingstraße. Bereits auf dem Weg zur Tram teilte sie ihrem Begleiter mit, dass sie sich verfolgt und beobachtet fühle. Noch heute quält die Eltern Ingrid und Harry Engelbrecht aus München die Ungewissheit über den Verbleib ihrer Tochter. Über die Jahre entstanden unterschiedliche Theorien: Einer zufolge könnte Engelbrecht geplant haben, per Anhalter nach Hause zu fahren. So könnte sie in das Auto ihres mutmaßlichen Entführers eingestiegen sein. Auch vermutete man, ein Serientäter könnte am Werk sein. Die Polizei schloss dies 2010 aber aus.

München: Mit 18 Jahren verschwand Ingrid Sonnleitner

Ingrid Sonnleitner aus München ist mutmaßlich entführt worden.

„Ihre Tochter lebt – aber nicht in BRD – nicht suchen – kommt nicht wieder.“ Diese Zeilen steckten am 1. Februar 1983 im Briefkasten der Eltern von Ingrid Sonnleitner. Das erste und letzte Zeichen des Entführers ihrer Tochter. Die 18-Jährige war am 18. Januar 1983 mitten auf der Sonnenstraße verschwunden. Spurlos, ohne Zeugen. Die junge Frau arbeitete im Postscheckamt und wollte nach Feierabend ins Kino gehen, doch dort kam sie nie an. Im Laufe der Ermittlungen gewann eine Begebenheit immer mehr Gewicht: Im Vorjahr war Sonnleitner vom Fahrer eines roten BMW angesprochen und regelrecht verfolgt worden.

München: Bettina Trabhardt wurde im August 1997 zuletzt gesehen

Sie traf sich zu einer Verabredung und kehrte nie zurück. Bettina Trabhardt verließ am Abend des 12. August 1997 ihre Wohnung in Harlaching – seitdem wurde sie nie mehr gesehen.

Bettina Trabhardt galt als furchtlos. Ist ihr das zum Verhängnis geworden?

Laut der Aussage einer Nachbarin machte sie sich an jenem Abend gut gelaunt und elegant gekleidet auf den Weg. Am nächsten Morgen warteten Trabhardts Arbeitskollegen in der kardiologischen Abteilung einer Internistischen Klinik vergeblich auf die 45-Jährige. Für ihren neuen Job war Trabhardt aus dem Raum Rosenheim nach München gezogen. Ihre Wohnung an der Gufidauner Straße bezog sie erst sechs Wochen vor ihrem Verschwinden. „Bettina hat keinerlei Großstadterfahrung und leider auch überhaupt keine Angst. Sie ist sehr resolut und würde ohne Weiteres allein nachts durch den Park laufen“, sagte ihr besorgter Schwager einmal der tz. Mit einem etwas älterem Herrn war sie zudem bei einem Nobel-Italiener in Harlaching gesehen worden.

Seit ihrem Verschwinden sind Jahrzehnte vergangen, die Polizei konnte nie eine Spur zum Aufenthaltsort der Frau finden. Wer der ältere Herr war, weiß man auch bis heute nicht.

München: Till Ramming ist vor zwei Jahren verschwunden

Till Ramming verschwand am 16. September 2017.

Es ist ein Samstag, als der ­15-jährige Till Ramming sein Elternhaus in Markt Bibart (Mittelfranken) verlässt (merkur.de*) und angeblich zu einem Praktikumstermin aufbricht. Seit diesem Samstag, dem 16. September 2017, ist der Junge nicht heimgekommen. Die Polizei fand heraus, dass er ohne ­Zustimmung seiner Eltern mit dem Zug zu einem Mann nach Niedersachsen fuhr, den er von Online-Spielen her kannte. Das dortige Jugendamt setzte den Burschen mit einer Fahrkarte zurück in den Zug. „Abends hat man ihn noch am Handy erreicht. Er hat mit seiner Mutter telefoniert“, berichtet Vater Erwin Ramming. Es ist das letzte Mal, dass Mama Rosa Maria die Stimme ihres Kindes hört. Till stieg wohl unterwegs aus dem Zug aus, sein Handy ist seither ausgeschaltet. Im Oktober 2017 telefonierte der jetzt 17-Jährige noch einmal mit einem Freund. „Er wollte ihn auch dazu bewegen, nach Niedersachsen zu kommen“, sagt Papa Erwin. Das letzte Lebenszeichen seines Sohnes.

„Früher war er ein begeisterter Angler, bei der Feuerwehr und bei den Schützen. Dann kam die Playstation, und es gab nur noch das Zocken“, sagt Ramming traurig. „Er war einfach weg. Wir können es nicht verstehen. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es versteckt ihn jemand, oder er ist tot. Ich muss es einfach so nennen. Ich bin nicht gefühlskalt, aber das Leben muss irgendwie weitergehen.“ Familie Ramming gibt aber die Hoffnung nicht auf: „Sein Zimmer ist immer noch genau so, wie er es verlassen hat. Vielleicht steht er bald ja einfach vor der Tür.“

In München fehlt seit einigen Wochen jede Spur von Maria Gertsuski und ihrer Tochter Tatiana. Sind sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Auch der Fall der jungen Flensburgerin Nathalie Minuth geriet in die Öffentlichkeit. Sie wird ebenfalls gesucht. Über beide Fälle hat merkur.de* berichtet.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Sophia Oberhuber

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