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Neuer Schritt Richtung autofreie Stadt: München erweitert Fußgängerzone – „Wollen große Schritte gehen“

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Von: Klaus Vick

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Eine Visualisierung des Tals mit viel Grünfläche statt Autos.
So soll das Tal in München einst aussehen. © Visualisierung: Andreas Gregor/Grüne

Jetzt soll es doch schnell gehen: Grün-Rot will die Autos aus dem Bereich zwischen Marienplatz und Isartor verbannen. Die Umsetzung soll bereits 2023 erfolgen – ein sportlicher Plan.

München - Ein halbes Jahrhundert ist es her, seit der verstorbene Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD) die Münchner Fußgängerzone in der Neuhauser Straße eröffnet hat. Seither gab es immer wieder kleinere Erweiterungen, der letzte große Wurf war 2019 der Umbau der Sendlinger Straße.

Nun soll mit dem Tal erneut ein größerer Bereich der Altstadt vom Individualverkehr befreit werden. Die Rathaus-Regierung machte am Freitag deutlich, dass sie mit ihrem im Koalitionsvertrag verankerten Ziel einer weitgehend autofreien Altstadt ernst machen will. Von einer „zukunftsgerechten Stadtreparatur für mehr Lebensqualität“ in München war die Rede.

Autos stehen am Straßenrand im Tal.
Die aktuelle Verkehrssituation im Tal. © Oliver Bodmer

Münchner Fußgängerzone wird erweitert - das war der Auslöser

Auslöser für diese rasche Reaktion ist die Verzögerung des Baus der zweiten Stammstrecke bis weit in die 2030er-Jahre hinein. SPD-Fraktionschefin Anne Hübner: „So lange können wir mit dem Umbau nicht warten.“ Weil der Verkehr zur Stammstrecken-Baustelle am Marienhof über das Tal abgewickelt wird, hatten Grüne und SPD bisher die Fußgängerzonenpläne auf Eis gelegt. Der Baustellenverkehr soll nach den Vorstellungen der Koalition künftig über die Maximilianstraße abgewickelt werden. Ohnehin sei dies „in der Praxis wesentlich unkritischer, als es scheint“, wie SPD-Verkehrsexperte Nikolaus Gradl anmerkte.

Noch vor der Sommerpause will die Rathaus-Koalition die Verwaltung damit beauftragen, Pläne für die Umgestaltung des Tals auszuarbeiten. Auch die 300 Meter lange Westenriederstraße, die vom Isartor zum Viktualienmarkt führt, soll Fußgängerzone werden. In München ist zudem ein neues Festival geplant.

„Wir wollen nun große Schritte gehen“ - Umsetzung schon bis 2023 angedacht

Nach einer kurzen Pilotphase soll die Fußgängerzone bereits 2023 umgesetzt werden. Die Zeitschiene sei ambitioniert, räumte Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs ein. „Aber wir wollen nun große Schritte gehen.“ Das Tal habe „ein riesiges Potenzial, Maßstäbe für die Gestaltung moderner Urbanität zu setzen“. Florian Roth, Ex-Fraktionschef der Grünen, sagte, ein Juwel wie das Tal könne nicht weiter mit Blechlawinen verstopft werden.

Aktuell gibt es im Tal 29 Parkplätze, in der Westenriederstraße etwas weniger. Künftig soll es nur noch Parkzonen für Anwohner und Lieferverkehr geben. Erlaubt sein sollen auch Taxis für Arztbesuche mobilitätseingeschränkter Personen. Noch nicht geklärt ist, was mit den bestehenden Taxi-Standplätzen oder dem Stadtbus 132 passiert. Die Stadtregierung kann sich einen Shuttle-Service mit kleinen Elektro-Fahrzeugen in der gesamten Fußgängerzone vorstellen.

Nikolaus Gradl, Anne Hübner, Mona Fuchs und Florian Roth.
Nikolaus Gradl (l.), Anne Hübner, Mona Fuchs und Florian Roth. © Oliver Bodmer

Zugleich soll das Tal mit mehr Grün und womöglich mit einem freigelegten Stadtbach aufgewertet werden. Laut Grünen und SPD sollen die bei einem Workshop entwickelten Ideen der Anwohner bei der Umgestaltung aufgegriffen werden.

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Erweiterung der Münchner Fußgängerzone: Das sagt OB Reiter

OB Dieter Reiter (SPD), der sich zuletzt zum Oktoberfest 2022 äußerte, unterstützt die Pläne: „Die Münchner wollen jetzt mehr Lebensqualität, nicht erst in zehn oder 15 Jahren.“ Ablehnung kommt von der FDP. Fraktionschef Jörg Hoffmann spricht von einem „überstürzten Umbau“, der zu Lasten der Anwohner und Gewerbetreibenden gehe. Skeptisch äußert sich auch der Geschäftsführer der Innenstadt-Einzelhandelsvertretung CityPartner, Wolfgang Fischer. Es sei nicht zielführend, eine Straße „aufzuhübschen und im Umfeld Verkehrschaos zu produzieren“, erklärt Fischer.

Vielmehr bedürfe es eines Erschließungskonzepts für das gesamte Viertel, das auch die Belange von Unternehmen und Anwohnern berücksichtige. Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ merkt an, die Zukunft der Buslinie 132 müsse mitgedacht werden. Zentrumsnahe Haltestellen rund um den Marienplatz und am Viktualienmarkt seien für viele Menschen wichtig.

Margarethe Stadlbauer, Sprecherin der Bürgerinitiative Tal, kann mit den Plänen leben, auch wenn noch viele Zielkonflikte zu lösen seien. Dafür müsse man während der Umsetzungsphase mit Anwohnern, Gewerbetreibenden und Ärzten im Dialog bleiben, betont sie. (kv)

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