Warten auf den Sommer

Münchner Handel: Schlechtes Wetter sorgt für Einbußen

München - Der Münchner Einzelhandel leidet unter dem seit Wochen anhaltenden schlechten Wetter. Sommerkleidung und Gartenzubehör bleiben in den Regalen liegen. Lediglich die Fußball-Europameisterschaft macht den Händlern Hoffnung.

„Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“, sagte einst Karl Valentin – und hatte damit eigentlich Recht. Trotzdem dürfte es im Moment nicht allen leicht fallen sich über den Dauerregen der vergangene Wochen zu freuen. Gastronomen klagen über leere Freischankflächen, Bauern über verregnete Ernten, und auch der Münchner Einzelhandel hat es im Moment nicht leicht.

„Bei dem nassen Wetter ist die Einkaufs-Motivation der Leute gering“, berichtet Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von City Partner, dem Verband der Münchner Einzelhändler. Momentan sei die Stimmung in den Geschäften noch eher verhalten. Liegen bleibt laut Fischer vor allem Saisonware. Bei Regen und Kälte hätten die Leute schlicht kein Interesse an Sandalen und Badeanzügen. Auch Grillartikel und Gartenutensillien warten dieses Jahr deutlich länger auf Abnehmer.

Sommerartikel werden zum Ladenhüter

Hofft auf die zweite Runde: City Partner-Geschäftsführer Wolfgang Fischer.

Auch beim Modehaus Hirmer macht sich der Dauerregen bemerkbar. „Wir spüren das schlechte Wetter natürlich in gewissen Sparten“, so David Thomas, Leiter im Einkauf bei Hirmer. Sommerartikel wie Polohemden, Leinenhosen und Bermudashorts bleiben derzeit häufiger in den Regalen liegen. Dafür, so Thomas, verkaufen sich Artikel wie Sommerjacken und Übergangsmäntel besser als in den vergangenen Jahren. „Insgesamt sind wir optimistisch“, so Thomas und ergänzt: „Der Sommer kommt so oder so.“ Ähnlich sieht das auch Fischer: „Noch ist der Sommer nicht vorbei.“ Dementsprechend dürfen Kunden in den nächsten Wochen noch nicht mit großangelegten Rabattaktionen für Sommerartikel rechnen.

Und das, obwohl zumindest bisher nicht einmal die Fußball-Europameisterschaft so richtig gegen die Schlecht-Wetter-Stimmung ankommt. Normalerweise wirken sich sportliche Großereignisse dieser Art positiv auf das Konsumklima aus. Doch in den meisten Münchner Geschäften ist dieses Jahr auch davon nur wenig zu merken. Selbst Trikots und Fanartikel verkaufen sich nicht so gut wie noch vor zwei Jahren zur WM. „Vom Sommermärchen kann noch nicht die Rede sein“, so Fischer. Allerdings hofft er auf bessere Konsumstimmung in den späteren Phasen des Turniers. „Noch sind wir ja erst in der Vorrunde“, sagt Fischer.

Immerhin die Elektro-Händler sind zufrieden

Zumindest eine Branche allerdings profitierte schon vor dem ersten Spiel von dem Fußballturnier in Frankreich: Fernseher und Elektronikzubehör fanden guten Absatz. „Hier war die Resonanz ziemlich positiv“, erklärt Fischer, „denn vor solchen Großereignissen wollen viele Leute dann doch noch einmal ihren alten Fernseher austauschen.“ Auf einen ähnlichen Effekt können die Münchner Elektrohändler in diesem Sommer noch ein zweites Mal hoffen: Am 5. August beginnen im brasilianischen Rio de Janeiro die olympischen Spiele. Und wenn der Fußball nicht genug Anreiz zum Kauf eines neuen Fernsehers bot, tut’s ja vielleicht die Leichtathletik.

So schön ist der Sommer in München und der Region

Annika Schall

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