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Mega-Projekt neuer Hauptbahnhof München: Wird er erst nach 2030 fertig?

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Von: Dirk Walter

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Eine Simulation der neuen Gleishalle am Münchner Hauptbahnhof.
Hell und licht: so soll die neue Gleishalle am Münchner Hauptbahnhof aussehen. © Auer Weber

Die Baustelle am Münchner Hauptbahnhof ist schon aktuell nicht zu übersehen. Bis zur Fertigstellung könnte es jedoch noch dauern. Ein Besuch auf der Baustelle.

München – Als Martin Wieser, 52, Bauingenieur und Projektleiter bei der Bahn, das Tor 4 öffnet, flutscht hinter ihm ein Mann durch die riesige Einfahrt, die sonst nur Bagger und Betonmischer nutzen. „Halt“, ruft Wieser und schickt den verirrten Fahrgast zurück. Der hätte sich wahrscheinlich auch gewundert, dass er nicht am Bahnhof, sondern auf einer Großbaustelle gelandet ist: Münchens Mega-Baustelle am Hauptbahnhof!

Rückblick: Im Frühjahr 2019 zerreißt eine Maschine mit einer Riesen-Beißzange Brocken für Brocken den Schwammerl, also das Vordach zum Haupteingang.

Münchner Hauptbahnhof: Acht bis zehn Jahre Bauzeit - ein Koloss aus Stahl und Glas entsteht

Es war der Auftakt zu einer Großbaustelle, die den Hauptbahnhof München* wohl die nächsten acht bis zehn Jahre prägen wird. Der Bahnhof soll für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag komplett neu entstehen – ein Koloss aus Stahl und Glas, dem auch der altehrwürdige Starnberger Flügelbahnhof weichen muss. Mit Ausnahme der denkmalgeschützten Gleishalle wird alles abgerissen und neu gebaut.

Das neue 35 Meter hohe Haupthaus soll sieben Stockwerke haben. Gastronomie, Schließfächer, Büros: „Das neue Empfangsgebäude aus der Feder des renommierten Büros Auer Weber ist ein architektonisches Highlight“, sagt die Bahn. Das ist aber noch längst nicht alles: In 40 Metern Tiefe wird die zweite Stammstrecke den Untergrund des Bahnhofs von West nach Ost durchbohren, es wird unter der Arnulfstraße einen neuen S-Bahnhof geben – und irgendwann einmal auch eine neue U-Bahn-Station: Die Stadt plant die Linien U9 und U29. Dort, wo einst die Schalterhalle war, entsteht der sogenannte Nukleus, das unterirdische Zugangsbauwerk, für das Wieser zuständig ist.

Seit drei Jahren baut die Bahn jetzt. In dieser Zeit entstand eine 55 Meter tiefe Schlitzwand. Ein rechteckiger Betonkasten, der die Baugrube umgibt und sie gegen einströmendes Grundwasser und etwaige nachrutschende Kiesmassen schützt. „Das ist wie eine Badewanne, die ist dicht“, sagt Wieser. München steht ab fünf Metern Tiefe im Wasser – daher die Wand. Die Ausmaße sind enorm: Die Wand ist 1,50 Meter dick und wurde in 2,80 Meter langen Teilstücken gegossen. Insgesamt sind die vier Wände des Betonkastens 280 Meter lang. 1800 Tonnen Bewehrungsstahl wurden verbaut.

Ab 2023 wird es eng am Hauptbahnhof München - Geschäfte müssen für Baustelle weichen

Der Betonkasten ist Wiesers erstes Werk. Es ist noch nicht vollendet, denn der Kasten muss noch größer werden, muss sich noch tiefer Richtung Westen in das jetzige Bahnhofsgebäude hineinfressen. Mit Helm und Gummistiefeln geht es durch eine Seitentür raus aus der Baustelle und rein in den Bahnhof. Mitten in der Haupthalle, neben dem Service-Point, bleibt Wieser stehen. „Ab 2023 wird hier abgebaut“, sagt er. Hier – mitten im Bahnhof?

Der Informationsschalter der Deutschen Bahn am Münchner Hauptbahnhof.
Der Informationsschalter der Deutschen Bahn am Münchner Hauptbahnhof wird im kommenden Jahr der Baustelle weichen müssen. © Matthias Balk/dpa

In der Tat wird es ab dem nächsten Jahr eng. Die Bahn benötigt mehr Platz. Sie wird sogar einen Teil des jetzigen Dachs abtragen, nicht den denkmalgeschützten Bereich, sondern das sogenannte MAN-Dach über dem Querbahnsteig. Die DB-Information wird verlegt, die Geschäfte müssen weg – die Gastromeile ist bereits geräumt.

Hauptbahnhof München: Bauarbeiten auch im Untergrund

Mehr passiert am Bahnhof aber derzeit im Untergrund. Kaum bekannt: Der jetzige Bahnhof ist mit Schächten und Röhren unterkellert, unter den Gleisen gibt es drei Tunnel, die fast bis zur Paul-Heyse-Unterführung reichen. Es ist stickig dort unten, Arbeiter verlegen Kabel. Die Elektrik des Bahnhofs wird neu erfunden. Bei manchen der Kabel wussten selbst die Experten nicht mehr, ob sie noch für etwas gut waren. Sie zwickten sie einfach ab und warteten, ob sich jemand beschwert.

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Die Baustelle zieht das Fachpublikum an. „Wir haben ganz viele Anfragen von Studenten“, sagt Isabel Dresel von der DB-Kommunikationsabteilung. Zu besichtigen gibt’s auf der Baustelle im Freien auch schon Arbeiten für die Ebene „minus 2“. Das ist quasi das zweite Untergeschoss für die Tiefbahnhöfe. Stück für Stück wird dort derzeit betoniert. Danach soll das Stockwerk darüber entstehen, also die Ebene „minus 1“, die etwa auf Höhe der Straße liegen wird. Ab 2023 wird der ­Stammstrecken-Bahnhof 40 Meter tief ausgeschachtet.

Münchner Hauptbahnhof: Fertigstellung erst in den frühen 2030er-Jahren?

Das liegt in der Zukunft. Offiziell soll die zweite Stammstrecke 2028 fertig sein, der neue Hauptbahnhof nach offiziellen Angaben etwa zeitgleich, aber das erscheint unrealistisch. Es könnte wohl bis in die frühen 2030er-Jahre dauern. Frage an Martin Wieser. Auf einer Skala von eins, Baubeginn, bis zehn, Fertigstellung – wo stehen Sie da mit den Bauarbeiten? „Bei zwei.“ (Dirk Walter)

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