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Viel Grün, wenig Schnee: So sieht es auf dem Olympiaberg zur Zeit aus. An ein Weltcup-Rennen ist hier (noch) nicht zu denken.

Ski-Weltcup droht Absage

FIS-Renndirektor: "Situation ist prekär"

München – Felix Neureuther ist der Titelverteidiger beim Parallelslalom am Olympiaberg. Allerdings: Für das Rennen wird es heuer eng, da kein Schnee in Sicht ist.

Felix Neureuther geht als Titelverteidiger ins Rennen, wenn sich die Stars des alpinen Skirennsports am 1. Januar beim Parallelslalom am Olympiaberg in München duellieren. Derzeit sieht der Hang noch wenig winterlich aus, die Zeit wird knapp. FIS-Renndirektor Günter Hujara spricht über die Chancen, den München-Slalom trotz Schneemangel zu retten und die Planung weiterer alpiner Stadtrennen.

Günter Hujara, vorgestern hatte es 14 Grad plus in der München, kein Schnee in Sicht. Wie sehen die Vorbereitungen am Olympiaberg aus?

Günter Hujara: Das gleiche Problem wie in München wird uns in nächster Zeit überall treffen, zum Beispiel beim Weltcup in Bormio. Wir haben eine sehr ausgeprägte Inversion-Wetterlage – unten kalt, oben warm. Erreichen wir in den Niederungen noch annähernd Frosttemperaturen, wird es weiter oben so warm, dass keine Schneekanone mehr laufen kann. Auch Naturschnee ist nicht in Aussicht. Im Olympiapark erreichten wir in den vergangenen Tagen an den kältesten Punkten -2 bis +1 Grad. Oben am Start, was nur 80 Höhenmeter Unterschied ausmacht, haben wir schon 6 Grad plus, auch in der Nacht.

Inversions-Wetter auch für Skigebiete ein Problem

Das hört sich für die Münchner Ski-Fans gar nicht gut an.

Günter Hujara: Die Schneekanonen stehen, aber wir können keinen Schnee produzieren. Dieses Problem haben wir derzeit in allen Skigebieten. Ich bin gerade in Gröden, da sind im unteren Streckenteil vier Kanonen gelaufen, die fünfte weiter oben hat schon nicht mehr funktioniert.

Besteht denn bei Meteorologen Hoffnung, der Winter könnte noch rechtzeitig eintreffen?

Günter Hujara: Wir bekommen jetzt eine Störung durch, die vielleicht auch noch an Weihnachten für eine feucht-stürmische Situation sorgt. Soweit die Meteorologen sehen, ist keine große Kälte zu erkennen. Ich hoffe schwer darauf, dass mich irgendein Wetterbericht widerlegt (lacht).

Das deutet auf eine Absage hin...

Günter Hujara: Im letzten Jahr haben wir es auch noch hingebracht. Die Situation heuer ist deshalb so prekär, weil es nirgendwo ausreichend Schnee-Depots gibt, auf die wir zurückgreifen könnten. Alle möglichen Resourcen werden abgecheckt. Wir suchen vernünftige Lösungen, werden nichts Verrücktes starten. Die Entscheidung fällt am Montag.

Kitzbühel hat schon mal Schnee vom Großglockner einfliegen lassen. Auf der Zugspitze liegt auch genug...

Günter Hujara: Das klären wir ab. In den verschiedenen Landkreisen gibt es auch verschiedene Genehmigungsverfahren. Ich darf daran erinnern, welche Botschaft die Volksabstimmung in Bayern gegen Olympia vermittelt hat... Bestimmt gilt nicht das Motto: Weil man vier Euro hat, muss man zehn Euro rausschmeißen.

In naher Zukunft ist auch ein City-Parallelslalom in Wien geplant, Moskau ist aus dem Kalender gestrichen. Wie weit sind die Pläne in Wien?

Günter Hujara: Moskau hat unsere Erwartungen in Sachen Zuschauerresonanz nicht erfüllt. München erreicht sein Ziel in jedem Jahr, wenn das Rennen durchgeführt werden kann. München kann durchaus – was die Begeisterung der Menschen angeht – das Vorbild für Wien sein. Ziel ist es, Wien in absehbarer Zeit in den Weltcup aufzunehmen. Es wird stark daran gebastelt. Wenn unsere Planungen im Stadtteil Schönbrunn erfolgreich sind, wäre Wien in der Saison 2014/2015 möglich.

Sind Stadtevents, nahe bei den Menschen, die Zukunft des Skisports?

Günter Hujara: Im Fußball wird gar nicht diskutiert, ob eine Abseitsregel noch zeitgemäß ist, sie gehört einfach dazu. Wie lange hat es gedauert, bis überhaupt technische Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung dazukamen? Und das in den erfolgreichsten Ligen der Welt. Der Fußball muss uns ein Beispiel sein: Die traditionellen Strickmuster erfolgreicher Events dürfen nicht zerstört werden, aber drumherum kann man die Erlebniswelt ändern. Die Champions League hat ein ganz neues Format – und warum wird die EM 2020 auf ganz Europa aufgeteilt? Das hat alles den Hintergrund: Wir müssen näher ran an die Leute.

Also raus aus den Bergen und zu den Menschen in die Städte?

Günter Hujara: Unsere durchschnittliche Altersstruktur im alpinen Rennsport ist sehr hoch. Viele junge Zuschauer wissen kaum noch etwas anzufangen mit der traditionellen Wettkämpfen. Bei den Parallel-Rennen haben wir eine riesige Resonanz aus diesen Altersgruppen. Man darf sich zwar nicht über die Tradition hinwegsetzen, muss sich aber innerhalb des Rahmens auch bewegen.

„Ein hochwertiger Bewerb: München bleibt im Kalender“

Wo liegt der Altersdurchschnitt der Zuschauer bei Alpinrennen?

Günter Hujara: Wir müssen versuchen, uns von den Mitte-Vierzigern zu den 20- bis 30-Jährigen zu bewegen. Das betrifft nicht nur Ski alpin. Wo sind die Konsumenten, wer hat die Möglichkeit, zu gewissen Zeiten vor dem Fernseher zu sitzen – das sind nicht die 16- bis 18-Jährigen. Skirennen haben auch eine andere Wirkung: Wenn die Leute selber skifahren, ist das ja auch eine hohe Zielsetzung. Wir wollen die Menschen nicht nur vor den Fernseher bringen. Die TV-Quoten bei Skirennen sind einigermaßen stabil, gleichzeitig konnten wir aber auch den Zuschauerzuspruch vor Ort steigern.

Welche weiteren Projekte sind in Planung?

Günter Hujara: Am Patscherkofel in Innsbruck gibt es nach Olympia einen Team-Event. Außerdem laufen Projekte in Rom, an der Ostküste Nordamerikas, in Asien. Das Interesse wird immer größer. In New York war ich schon mal ganz nah dran. Wien mit Schönbrunn kann jetzt das nächste riesige Event werden.

Zusätzlich oder anstelle von München?

Günter Hujara: Solange die Stadt München, der Olympiapark und die Menschen dahinter stehen, werden wir alles daran setzen, dass dieser Bewerb richtig klassisch im Kalender bleibt. Für uns ist das Rennen am Olympiaberg ein ganz hochwertiger Bewerb.

Interview: Jörg Köhle

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