+
Ein Blick aufs Backstage.

Eklat um Show

Konzert abgesagt: Backstage lädt Band aus - „Rote Linie überschritten“

Die Veranstalter haben ein geplantes Konzert im Backstage abgesagt und die Band wieder ausgeladen. Diese überschreite eine „rote Linie“.

München - Ein Schlagzeug knattert, Gitarren kreischen, Mikolaj Zentara – mit Kapuze und schwarzem Tuch vor dem Gesicht – grölt ins Mikrofon: „Die große Wahrheit ist, dass es keine gibt.“ Zentara ist der Frontmann der polnischen Black-Metal-Band Mgła. Die tourt gerade durch Europa, am ersten Mai stand ein Konzert im Backstage auf dem Plan. Daraus wird nichts – die Veranstalter haben das Konzert abgesagt. Der Vorwurf: Mgła seien Neonazis.

In den Songtexten einer anderen polnischen Black-Metal-Band namens Infernal War finden sich vielerlei antisemitische Stellen, ihr Sänger leugnet den Holocaust. Ihr neuestes Album heißt Axiom – Zentara hat es produziert, Instrumente und Gesang beigesteuert. Auch Mitglieder der Band Deus Mortem, die Mgła auf ihrer Tour begleitet, spielen bei Infernal War.

Hans Georg Stocker betreibt das Backstage.

Das alles hat das Team des Backstage bewogen, die Musiker auszuladen. Die Band überschreite mit ihren „widerlichen antisemitischen Äußerungen“ eine „rote Linie“, teilten die Veranstalter mit. Weiter heißt es: „Wir als Backstage können trotz intensivster Bemühungen leider nicht immer alle Bands und vor allem Supportbands lückenlos überprüfen.“ Sonst hätte man die Bands gar nicht erst eingeladen.

Kritik vom Linken Bündnis gegen Antisemitismus

Andreas Rentz vom Linken Bündnis gegen Antisemitismus sieht das anders: „Es sollte machbar sein, zu prüfen, wer die Musiker sind, die man einlädt.“ Gerade im Black Metal würden die Grenzen von Kunst und Hetze oft verwischt. „Das ist kein Nazi-Genre, aber die Musik ist sehr anfällig dafür“, sagt Rentz. Oft geht es um Hass und Zerstörung.

Bei Mgła und Deus Mortem ist sich Rentz sicher: „Diese Bands sind rechtsradikal, machen das aber nicht explizit, um breitere Schichten der Gesellschaft zu erreichen.“ Die Band hingegen wehrt sich: Ihre Konzerte seien „rein künstlerisch“ und hätten „keine politische Botschaft“. Den Vorwurf des Antisemitismus finden sie „lächerlich“. Außerdem seien sie bereits 2016 im Backstage aufgetreten.

Dort möchte man heuer am ersten Mai lieber ein spontanes Benefizkonzert gegen Antisemitismus organisieren. 

Severin Heidrich

Das könnte Sie auch interessieren: An Weihnachten 2017 mischten Bayern-Ultras eine Löwen-Party in einer Tapas-Bar auf und schlugen viele Gäste in die Flucht. Nun muss sich einer der mutmaßlichen Störenfriede vor Gericht verantworten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

S-Bahn München: Strecke zwischen München Ost und Giesing gesperrt
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
S-Bahn München: Strecke zwischen München Ost und Giesing gesperrt
CSD: Bunte Flaggen an den Bussen
Die Münchner Tram- und Buslinien werden heuer zum Christopher Street Day (CSD) sowie in der gesamten Pride Week vom 6. bis 14. Juli mit Regenbogenfähnchen ausgestattet.
CSD: Bunte Flaggen an den Bussen
Gasteig: Erneut Zuschlag für Henn
Das wieder aufgerollte Verfahren zur Generalsanierung des Gasteigs hat offenbar das selbe Ergebnis wie das bereits abgeschlossene.
Gasteig: Erneut Zuschlag für Henn
Kämmerei und Kommunalreferat: OB Reiter kassiert Umbenennungspläne
Stunk im Rathaus: Informationen unserer Zeitung zufolge hat OB Dieter Reiter (SPD) die geplante Umbenennung von Kämmerei und Kommunalreferat einkassiert – auch ein …
Kämmerei und Kommunalreferat: OB Reiter kassiert Umbenennungspläne

Kommentare