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Heiner Schuck wurde brutal zusammengeschlagen.

Mildes Urteil für irre Schläger

München - Zwei  Paketboten, die einen Fahrlehrer krankenhausreif prügelten, sind mit einigermaßen milden Strafen davongekommen. Dabei war die Tat von äußerster Brutalität.

Heiner Schuck ringt um Fassung. Mehrmals muss der Wolfratshauser Fahrlehrer seine Aussage unterbrechen. Auch sieben Monate nach der Tat gelingt es ihm nur mühsam, den brutalen Vorfall vom April dieses Jahres zu schildern, für den sich die Täter am Mittwoch vor dem Jugendrichter verantworten mussten.

Während einer Motorradfahrstunde im Geltinger Gewerbegebiet bemerkte Schuck, dass aus einer Firmeneinfahrt ein Fahrzeug eines Paketauslieferers rückwärts auf die Straße fahren wollte. Dort kam sein Fahrschüler im Schritttempo mit dem Motorrad angefahren. Durch Handzeichen und lautes Rufen versuchte der Fahrlehrer den Transporterfahrer zum Halten zu bewegen. Doch das misslang. „Wenn einer Stop schreit, dann muss man doch anhalten“, beschreibt Schuck sein Unverständnis. Bevor er den Fahrer zu Rede stellen konnte, waren der Fahrzeuglenker und sein Beifahrer aus dem Auto gestiegen und prügelten auf den Kopf des Wolfratshausers ein. Durch die Faustschläge erlitt das Opfer Prellungen, Quetschungen und eine Gehirnerschütterung. Er lag einige Tage im Krankenhaus.

Seither leidet der Fahrlehrer unter starken Gefühlschwankungen, permanenten Kopfschmerzen, „einem Geräusch wie von Kreissägen“ in beiden Ohren. Zum Prozess erschien nur einer der beiden Angeklagten. Der Mittäter ließ über seinen Bruder ausrichten, dass er wegen eines Todesfalls in Ecuador weile und dort erkrankt sei. So zogen sich Richter Johann Lupperger, die Verteidiger Sewarion Kirkitadse und dessen Ehefrau Maria Isabella – beide durch die TV-Gerichtsshow Richter Alexander Hold bekannt – sowie der Verteidiger des Nebenklägers vor Beginn der Verhandlung zum Gespräch zurück – und verständigten sich auf einen Deal, der die anschließende Verhandlung überflüssig machte.

Der 18-jährige Angeklagte, der den Erklärungen emotionslos zuhörte, räumte die Tat in vollem Umfang ein. Im Gegenzug erhielt der Münchner unter Einbeziehung eines Freizeitarrests (ebenfalls wegen Körperverletzung), zu dem er erst im September verurteilt worden war, zwei Wochen Dauerarrest aufgebrummt. Außerdem muss er an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen. „Das war ein brutales Vorgehen und völlig sinnlos“, fasste Richter Lupperger zusammen.

Das Verfahren gegen den zweiten Angeklagten war zuvor abgetrennt worden, nachdem Rechtsanwalt Kirkitadse den Erlass eines Strafbefehls und die Verhängung einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie die Zahlung von 1000 Euro an den Fahrlehrer angeregt hatte. Kommentar des Opfers: „Ich finde das Urteil arg lasch.“ Die Mutter des Täters nahm das Urteil hingegen lächelnd zur Kenntnis.

Rudi Stallein

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