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Armutsbericht 2017 für München: Jeder Sechste in München muss in Armut leben.

269.000 Menschen stehen im sozialen Abseits

Schock-Zahlen! Jeder Sechste in München muss in Armut leben

Die Zahlen aus dem aktuellen Münchner Armutsbericht sind schockierend: Jeder Sechste in München muss in Armut leben. Immer mehr Menschen stehen im sozialen Abseits.

Draußen im Land und in der Welt wird München als schöne und reiche Stadt wahrgenommen; als Weltstadt mit Herz, wo die Menschen im Dallmayr einkaufen und im Bayerischen Hof dinieren. 

Übersehen wird gerne die Armut, die es in dieser Stadt auch gibt, und die rasant auf dem Vormarsch ist. 269.000 arme Frauen und Männer listet der Münchner Armutsbericht 2017 auf. Das sind rund 65.000 mehr als noch vor fünf Jahren! Die Quote erhöht sich damit von 14,7 auf 17,4 Prozent.

Arme 2011 in München

Arme 2016 in München

203.800

269.00

14,7 Prozent

17,4 Prozent

Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auf

Dass die Schere zwischen arm und reich weiter aufgeht, wie Bürgermeisterin Christine Strobl bei der Vorstellung des Berichts gestern sagte, belegt folgende Zahl: Der Anteil der gut und besser verdienenden Münchner stieg im gleichen Zeitraum von 30 auf annähernd 34 Prozent.

Als Hauptursachen der Armut benennt Sozialreferentin Dorothee Schiwy Arbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse und daraus resultierende niedrige Renten. Oder, im Klartext: „Mit niedrigem Einkommen lässt sich in München mit seinen hohen Lebenshaltungskosten und Mieten nur schlecht leben.“ Bemerkenswert: Nur knapp die Hälfte der Armen bezieht staatliche Unterstützung wie Hartz IV oder Sozialhilfe.

Traurig - immer mehr Münchner müssen dazuverdienen. Zahlen der Arbeitsagentur sagen: Mittlerweile haben schon 71.000 Münchner neben ihrem Hauptjob noch eine weitere Tätigkeit in Form eines Minijobs.  

Wie oft gibt es den Armutsbericht der Stadt München?

Den Armutsbericht legt die Stadt München alle fünf Jahre neu auf. Auf 268 Seiten listet das Werk Daten über die soziale Situation der Bürgerinnen und Bürger auf. Als Grundlage dient in erster Linie eine Befragung zur sozialen und gesundheitlichen Lage in München, bei der auch die Haushaltseinkommen ermittelt werden. Der Armutsbericht für Deutschland wurde im März 2017 vorgestellt. Mehr Infos finden Sie hier.

Beim letzten Armutsbericht von 2012 gab es Zoff im Rathaus

Armuts-Risikoschwelle in München

Die Statistiker der Stadt ermitteln daraus eine Armuts-Risikoschwelle, die ab folgenden Haushaltseinkommen gilt:

  • Einpersonenhaushalt 1350 Euro
  • Zweipersonenhaushalt 2025 Euro
  • Familie mit einem Kind unter 14 Jahren 2430 Euro

Auf dieser Basis sind es die genannten 269.000 Münchner, die als arm gelten.

München: Zahl der Hartz-IV-Bezieher steigt 

Obwohl der Arbeitsmarkt in der Landeshauptstadt brummt, obwohl München unter den deutschen Großstädten die mit Abstand geringste Quote von Hartz-IV-Beziehern hat, ist deren Zahl seit 2011 doch von 72.600 auf fast 75.000 gestiegen. Darunter sind gut 22.000 Menschen, die seit mehr als vier Jahren ohne Arbeit und damit langzeitarbeitslos sind. In diesen Haushalten leben über 22.000 Kinder – das sind fast zwölf Prozent aller Kinder. Und für die ist dieser Umstand oft eine schwere Hypothek fürs ganze Leben.

Wer arm ist, stirbt übrigens auch früher: Die Lebenserwartung liegt bei armen Frauen um 8,4 und bei armen Männern um 10,8 Jahre niedriger als bei den reichsten Menschen. 

Schock-Zahlen! Armutsbericht München 2017

Übrigens: Mehr als 150.000 Menschen sitzen in München in der Mini-Job-Falle. So auch Amela. Die 40-Jährige will nun aber neu durchstarten - und unsere Zeitung zeigt, wie. 

mdu

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