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Radlrouten: Die grüne Strecke wird gebaut, die rote Route hatten CSU und SPD einst favorisiert.

Rosenheimer Platz bis Orleansstrasse

Rosenheimer Strasse: Autos machen Radlern Platz

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München - Schwarz-Rot baut für Radler: Die Fahrspuren für Autos auf der Rosenheimer Straße sollen schmaler werden. Parkplätze fallen ganz weg. CSU und SPD machen grüne Politik – zum Ärger der Grünen.

Kurz glaubt man, sich verhört zu haben. Kurz überlegt man, ob der Grünen-Verkehrsexperte das wirklich gesagt hat. Aber die Zeiten haben sich geändert im Münchner Rathaus, da nimmt auch mal die CSU Autofahrern Platz auf einer der wichtigsten Ausfallstraßen weg. Und Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher mäkelt tatsächlich, dass zu viele Parkplätze wegfallen. „100 Parkplätze!“, schimpft er ins Telefon, wolle Schwarz-Rot opfern. Für eine schlechte Lösung, die „vor Ort noch für viel Ärger sorgen wird“.

Mit der Einschätzung steht Bickelbacher ziemlich alleine da. Die schwarz-rote Koalition hat gestern bekanntgegeben, wie sie sich den neuen Radlweg auf der Rosenheimer Straße vorstellt. Sie ist zufrieden – und auch die örtliche Bezirksausschuss-Chefin zeigt sich in einer ersten Reaktion erfreut.

Der Radlweg ist vielleicht das absonderlichste Projekt der schwarz-roten Koalition. Beide Seiten wollten es ursprünglich nicht, favorisierten Alternativrouten über Balanstraße und Lothringer Straße. Einzig der Bezirksausschuss (BA) trommelte stets für einen Radlweg auf der Straße, auf der sich mehrfach tödliche Unfälle mit Radlern beziehungsweise Fußgängern ereignet hatten. Im Wahlkampf 2014 machte sich die Grünen-OB-Kandidatin Sabine Nallinger den Radweg zu eigen. Eine „Radl-Demo“ zog durch Haidhausen. Im politisch tiefgrünen Viertel kam das sehr gut an. In den Verhandlungen um ein schwarz-rot-grünes Bündnis setzten die Grünen den Radlweg dann durch. Als die Gespräche scheiterten, erklärten CSU und SPD, die ausgehandelten Inhalte zu übernehmen. Nun kommt der Radlweg tatsächlich – und Schwarz-Rot findet das ziemlich okay.

Was geplant ist: Alle vier Autospuren bleiben erhalten – so wie es der CSU wichtig war. Allerdings werden sie zum Teil verschmälert, sollen dann 2,85 Meter breit sein. Zugleich fallen die Parkplätze weg. Dadurch können die Gehwege deutlich vergrößert werden und es sollen auf beiden Seiten 1,50 Meter breite Radfahrstreifen entstehen. Betroffen ist der ganze Abschnitt zwischen Rosenheimer Platz und Orleansstraße. Statt der weggefallenen Parkplätze sollen einzelne Anliefer-Halteplätze auf dem Gehweg ausgewiesen werden, die abends von Anwohnern als Parkplätze genutzt werden dürfen. Die Verwaltung soll nun einen konkreten Vorschlag ausarbeiten – auch für einen Taxistandplatz in der Nähe, da der bestehende am S-Bahnhof Rosenheimer Platz auch weichen muss. Die Bäume, die gefällt werden müssen, sollen „mindestens in gleicher Zahl ersetzt werden“.

Der Grüne Bickelbacher glaubt, dass das nicht gelingen wird. Er hält an einer ursprünglichen Planung fest, bei der nur noch eine Autospur pro Richtung geblieben wäre. Dadurch hätte man 80 Parkplätze mehr erhalten können, schätzt er.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält den Grünen-Vorschlag für unrealistisch. „Man kann bei dem Verkehr dort nicht einfach eine Spur wegnehmen“, sagte er. Der Vorschlag sei insgesamt „ein schönes Symbol für die Grundeinstellung, die im Straßenverkehr ohnehin vorherrschen sollte: gegenseitige Rücksichtnahme“. Aus der CSU hieß es, die Lösung sei ein „gangbarer Mittelweg für alle, ohne eine große Staufalle zu schaffen“. Mit Bauchschmerzen war der Vorschlag für die CSU offenbar trotzdem verbunden. Stadtrat Michael Kuffer sagt es so: „Es ist ein Kompromiss, mit dem man leben kann.“

Die örtliche BA-Vorsitzende Adelheid Dietz-Will, SPD, ist zufrieden. „Am wichtigsten ist uns, einen Fahrradweg zu bekommen“, sagte sie erleichtert. In Haidhausen geht es aber auch darum, die Straße etwas attraktiver zu machen. „Weil dort niemand langgeht“, sagte Dietz-Will, „haben wir immer mehr Wettbüros.“ Künftig dürften zumindest mehr Menschen vorbeiradeln.

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