Sozialreferentin Dorothee Schiwy.

Düstere Prognose

Bald 9000 Wohnungslose in München

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Immer mehr Menschen in München sind wohnungslos. Sie leben in Unterkünften – mit wenig Chancen auf eine Wohnung. Nun stellte die Stadt vor, was sie gegen Wohnungslosigkeit tut.

München - Rudolf Stummvoll nahm kein Blatt vor den Mund: Er rechne damit, dass Ende des Jahres bis zu 9000 Wohnungslose in München lebten, sagte der Leiter des Amts für Wohnen und Migration. Es war also dringend geboten, dass sich zwei Stadtratsausschüsse gestern der Versorgung mit sozialem Wohnraum widmeten und den „Gesamtplan III“ beschlossen. Darin setzt die Stadt ihre Strategie von 2002 gegen Wohnungslosigkeit fort.

Von einem „Plan“ indes sei nicht viel erkennbar, krittelte Stadtrat Christian Müller (SPD). Vielmehr berichtete das Sozialreferat von bestehenden Lösungsansätzen für das Problem – das zunehmend drängt: Gab es 2008 erst 2466 akut Wohnungslose, waren es zu Jahresbeginn bereits 7544 – eine Verdreifachung. Die Zahl der registrierten Haushalte in Stummvolls Amt stieg auf zuletzt rund 11.500.

Stadt macht mehr als sonst, aber es reicht nicht

„Wir machen immer mehr, trotzdem steigt die Wohnungslosigkeit“: Diesen Eindruck hatte Stadtrat Marian Offman (CSU). „Wir haben noch eine gewaltige Aufgabe vor uns.“ Stummvoll sah das genauso – auch weil die Zahl der Menschen, die in den Wohnungsmarkt vermittelt werden, „brutal eingebrochen“ sei. Darum bleiben viele immer länger in der Sofortunterbringung. Verschärft werden die Probleme durch die Zuwanderung aus Osteuropa und von Geflüchteten.

Stummvoll sagte aber auch: „Ohne Prävention hätten wir noch viel, viel mehr Wohnungslose.“ Einige Maßnahmen der Stadt hätten sich sehr bewährt. Das beste Mittel gegen Wohnungslosigkeit, schreibt Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) in der Beschlussvorlage, sei der „Erhalt von Mietverhältnissen“. Hier verzeichnet die Stadt einen kleinen Erfolg: 2016 wurden nur 474 Zwangsräumungen durchgeführt, im Vorjahr waren es noch 646 gewesen. Laut Stummvoll wird die Stadt mittlerweile häufiger über gefährdete Haushalte informiert, bevor Räumungsklagen vorliegen – sodass sie noch intervenieren kann, bevor die Wohnung weg ist. 2008 wurde jeder zweite Haushalt erst bekannt, wenn bereits eine Klage vorlag – inzwischen sind es weniger als 30 Prozent.

Sozialarbeiter ab 2018 unbefristet?

Bewährt hat sich laut Schiwy auch die aufsuchende Sozialarbeit, die initiativ zu Menschen mit Problemen hingeht. Sie schlug vor, die Sozialarbeiter ab 2018 unbefristet zu beschäftigen. Vorentschieden wurde, rund 200 zusätzliche Plätze in den Unterkünften zu schaffen. Kosten: rund 2,3 Millionen Euro. Besprochen wurde auch, was die Stadt insgesamt für das Thema Wohnen tut. Allein um die registrierten Haushalte konstant zu halten, wären jährlich 2800 neue Wohnungen nötig, so Schiwy.

Vor allem will sie nun den Bau der neu konzipierten „Flexi-Heime“ vorantreiben. In den kommenden acht Jahren sollen hier rund 5000 Wohnplätze entstehen: Zimmer mit Kochnische und Nasszelle, in denen Menschen zeitlich befristet leben, bis sie eine Wohnung finden – und wo es sich schon „weitgehend wie Wohnen anfühlt“, so Schiwy. Vorentschieden wurde gestern, jährlich rund 15 Millionen Euro für rund 500 Plätze auszugeben.

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