+
Rechtschreibreform - alte und neue Schreibweise

Bauprogramm in der Landeshauptstadt

Bauen für die Bildung: München investiert Mega-Summe für neue Schulen

  • schließen
  • Doris Richter
    Doris Richter
    schließen

Bildung mit Superlativ: München will erneut eine Rekordsumme für neue Schulen ausgeben.Doch damit sind die dringlichsten Projekte noch lange nicht abgedeckt.

Es passiert selten, dass in einer Stadtratsvorlage Ausrufezeichen auftauchen. Diesmal ist es so weit – und angemessen. Denn was München bei seinen Schulen plant, bricht einige Rekorde. Am Mittwoch will der Stadtrat über die zweite Runde der Schulbau-Offensive entscheiden. In den kommenden Jahren sollen erneut Milliarden Euro in Neubauten, Sanierungen und Erweiterungen gesteckt werden.

Damit sei „das größte kommunale Schulbauprogramm in Deutschland“ auf den Weg gebracht, schreibt Beatrix Zurek (SPD), Referentin für Bildung und Sport, in dem Beschlussentwurf, der unserer Zeitung vorliegt. Im Februar 2016 hatte der Stadtrat das erste Bauprogramm für 1,5 Milliarden Euro beschlossen. Das zweite Programm hat einen noch größeren Umfang – „das vorläufige Finanzvolumen liegt bei 2,375 Milliarden Euro!“, so Zurek. Die Pakete seien „eine noch nie da gewesene Investitionsoffensive in den Bau und damit in die Bildung und den Sport in München“.

Die rekordverdächtigen 400 Seiten

In der Stadtratsvorlage zeigt Zurek auf ebenfalls rekordverdächtigen 400 Seiten, wie komplex das Unterfangen Schulbau in der Boomstadt ist und wie sehr die Zeit drängt. Aktuell gibt es in München 135 Grund-, 44 Mittel-, 23 Realschulen, 39 Gymnasien und 36 Berufsschulen – und viele Einrichtungen platzen bereits aus allen Nähten oder sind marode, weil sie seit den 60er-Jahren nicht saniert wurden.

Alle Hände voll zu tun: Die Grafik zeigt alle Standorte, die Teil des neuen Schulbauprogramms sind.

Das erste Bauprogramm hatte 139 Baumaßnahmen mit höchster Dringlichkeitsstufe definiert. Darin enthalten sind komplett neue Schulstandorte – etwa auf dem Gelände der Bayernkaserne –, Generalinstandsetzungen, Erweiterungen sowie neue Turn- und Schwimmhallen. Viele Schulen brauchen mehrere Maßnahmen gleichzeitig. Von diesen dringlichsten Maßnahmen hatte der Stadtrat vergangenes Jahr 38 beschlossen, nun sollen weitere 38 hinzukommen. Zusätzlich sind 25 Maßnahmen als Vorarbeiten für künftige Bauprogramme nötig. Vor Jahren hatte sich der Stadtrat darauf geeinigt, das Beschlussverfahren derart zu beschleunigen und die Programme überlappend durchzuführen.

Erstes Programm: Was wann fertig wird

Im vergangenen Jahr wurde beschlossen: 19 Schulen sollen neu gebaut, sieben erweitert und vier generalsaniert werden. Die meisten Maßnahmen sollen 2020 bis 2021 fertiggestellt sein. 17 dieser dringlichsten Projekte sind laut Zurek schon weit gediehen, bei 13 ist die Vorplanung noch nicht abgeschlossen. Acht Projekte waren bereits in Arbeit und sind teilweise schon in Betrieb gegangen. Der Finanzrahmen von 1,5 Milliarden Euro wird aller Voraussicht nach eingehalten.

Zweites Programm: Was beschlossen wird

Kommende Woche soll der Stadtrat über weitere 38 Maßnahmen entscheiden: 17 Schulen werden neu gebaut, teilweise an neuen Standorten. 15 Schulen werden erweitert und sechs generalinstandgesetzt. In allen Schularten sollen neue Züge – Klassen pro Jahrgangsstufe – entstehen: 109 an allgemeinbildenden Schulen und 311 an Berufsschulen. Es entstehen 65 neue Sport- und vier Schwimmhallen, zudem 47 neue Betreuungsgruppen in Häusern für Kinder. Damit hat das zweite Programm vor allem Gymnasien und Berufsschulen im Blick, während sich das erste auf Grundschulen konzentrierte.

Die meisten Projekte werden laut Zurek 2022 und 2023 realisiert. Neu gebaut wird immer nach dem Lernhauskonzept, bei dem sich mehrere Klassenzimmer um einen Gemeinschaftsraum gruppieren. Auf einem Stockwerk ist ein Zug zusammen, also alle Jahrgangsstufen etwa der Klassen „a“. Das Lernhauskonzept, das vielen als pädagogisch überlegen gilt, hatte Zureks Amtsvorgänger Rainer Schweppe (SPD) eingeführt.

Ausblick auf die nächsten Jahre

In den kommenden Jahren sollen mindestens ein drittes und ein viertes Bauprogramm folgen. Allein von der Liste der 139 dringlichsten Maßnahmen sind noch 50 übrig, die der Stadtrat auch bald absegnen soll. Und es warten noch mehrere hundert Maßnahmen, die weniger dringlich, aber ebenso notwendig sind. Um künftige Projekte vorzubereiten, sind laut Zurek bereits jetzt 25 Maßnahmen nötig, die der Stadtrat ebenfalls diese Woche beschließen soll. So muss etwa für Generalinstandsetzungen vorab der Bauzustand einer Schule untersucht werden.

Zurek beschreibt auch die größten Herausforderungen, die sich dem Schulausbau stellen: dass sich noch während der Planung häufig erneut die Bedarfe ändern, beispielsweise an der Plinganserschule; die Beengtheit der Grundstücke; das Bau- und Planungsrecht; Vorschriften wie Baum-, Denkmal- und Immissionsschutz sowie Sicherheitsvorgaben. Um die Enge zu lindern, sind ein paar Lösungsideen erwähnt. Zurek erwägt etwa, maximal in die Höhe zu bauen, also Sporthallen und Lernhäuser zu „stapeln“. Pausenhöfe könnten auf Dachflächen gebaut, Sporthallen im Boden versenkt und die vorgeschriebenen Stellplätze in Tiefgaragen untergebracht werden. Zurek erwägt auch, in Einzelfällen die Sprengel zu ändern, um die Standorte ausgewogener zu belasten.

Zwischenlösung: Weitere Pavillons

Begleitend zum Schulausbau, um schnell zusätzlichen Platz an den Schulen und teils auch in Kindertageseinrichtungen zu schaffen, baut die Stadt sogenannte Pavillons, also Container. Drei Programme hat sie schon aufgelegt, ausgestattet mit 265 Millionen Euro. Seit 2015 wurden 37 Pavillons errichtet, acht gehen 2017 und 2018 in Betrieb. Mit den Programmen entstand Platz für 320 Klassen und elf Mensen. Nun steht ein viertes Bauprogramm an. Es sieht weitere Pavillonanlagen an insgesamt sechs Standorten vor, darunter vier Grund- und Mittelschulen. Kostenpunkt: rund 55 Millionen Euro.

Zusätzliches Personal in den Referaten

Um das umfangreiche neue Bauprogramm zu stemmen, brauchen die beteiligten Dienststellen der Stadt deutlich mehr Unterstützung. Vorgesehen sind insgesamt fast 135 neue Vollzeitstellen, der größte Teil (rund 100) davon fürs Baureferat und etwa 30 fürs Bildungsreferat. Die Kosten dafür, inklusive Nebenkosten etwa für Arbeitsplätze: rund 7,3 Millionen Euro jährlich ab 2019, zum großen Teil bereits ab 2018. Dazu kommen einmalig rund 1,5 Millionen Euro in 2018 sowie rund eine halbe Million Euro jährlich, befristet bis 2019, 2020 oder 2021.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Es tut mir leid, dass ich dich an dem Tag nicht schützen konnte“
Der Amoklauf in München hat die ganze Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt. Ein Jahr danach kommen Hunderte und gedenken der Opfer. Am bewegendsten sind die Worte …
„Es tut mir leid, dass ich dich an dem Tag nicht schützen konnte“
Thomas Helmut Seehaus: Das Münchner Millionen-Buberl wird 60
Thomas Helmut Seehaus hätte eigentlich nur Helmut heißen sollen. Aber dann wurde er berühmt: Mit seiner Geburt erreichte München im Dezember 1957 die magische Zahl von …
Thomas Helmut Seehaus: Das Münchner Millionen-Buberl wird 60
OB Reiter im Interview: „Wir lassen einander nicht allein“
Mit einer Feier gedenkt die Stadt an diesem Samstag der neun Toten des Amoklaufs am Olympiaeinkaufszentrum. Im Gespräch erinnert sich Oberbürgermeister Dieter Reiter an …
OB Reiter im Interview: „Wir lassen einander nicht allein“
Schüler schaffen Amoklauf-Opfern ein filmisches Denkmal
Die Stadt versuchte noch, sich aus dem Klammergriff des Traumas zu befreien – da reifte in einer Gruppe von sieben Schülern bereits die Idee, den Toten des Amoklaufs ein …
Schüler schaffen Amoklauf-Opfern ein filmisches Denkmal

Kommentare