1 von 7
„Lecker, aber zu groß.“ Prinz Charles und Camilla im Hofbräuhaus. Später gesteht er, dass er kleinere Gläser bevorzugt.
2 von 7
Spontanes Tänzchen im Hofbräuhaus: Prinz Charles und Margot Bissinger beim Walzer.
3 von 7
Eine Lederhose für Enkel Archie: Ministerpräsident Söder überreicht ein Gastgeschenk.
Britisches Thronfolgerpaar in München
4 von 7
Britisches Thronfolgerpaar vor der Residenz in München.
5 von 7
Der Brite Stephen Fowler wartet auf Prinz Charles und Camilla.
6 von 7
Familie Heiland ist extra für das Thronfolgerpaar aus Marktoberdorf im Allgäu angereist.
7 von 7
Hauptmann der Wackersberger Gebirgsschützen Hans Baumgartner.

München im Prinzen-Fieber

Royaler Ausnahmezustand in München

  • schließen
  • Max Wochinger
    Max Wochinger
    schließen

Prinz Charles und Camilla besuchen die Landeshauptstadt. Sie treffen Markus Söder, tanzen Walzer – und sitzen plötzlich im Hofbräuhaus vor einer Mass Bier. 

München – In ein paar Minuten wird Hans Baumgartner, der Hauptmann der Wackersberger Gebirgsschützen, vor Prinz Charles, 70, und Camilla, 71, stehen. Er wird lauthals die Befehle rufen. Und seine lederhosen-, orden- und lodenjackentragenden Männer werden am Max-Joseph-Platz vor der Oper ein ohrenbetäubendes Salut in den weiß-blauen Himmel schießen. So laut, dass sich Bayerns Ministerpräsident Söder die Ohren zuhalten wird. Aber jetzt sagt Baumgartner. „Das ist reiner Zufall, dass ich heute hier bin.“ Ein Megazufall, ein Sechser im Gebirgsschützenlotto. Eine Geschichte, die fast zu schön ist, um wahr zu sein.

Queen Elizabeth II. war 1965 in München

Denn sein Großvater war schon Hauptmann der Gebirgsschützen in Wackersberg, Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Immer wieder hat der Opa daheim von diesem einen Ereignis im Mai 1965 erzählt – damals hat er Queen Elizabeth II. in Bayern begrüßt, die Mutter von Charles, Prince of Wales. Hunderttausende Münchner waren auf den Straßen.

Heute übernimmt der Enkel den Job. Er zeigt der königlichen Familie aus Großbritannien, was bayerische Tradition und Brauchtum bedeuten. Die Kompanien, die zu Staatsempfängen dürfen, werden per Rotationsverfahren ausgesucht, man kann da nichts beeinflussen. „Eine große Ehre“, sagt Baumgartner, dann muss er los. „Kompanie, Marsch“, brüllt er. Und schon marschieren seine Männer die Maximilianstraße hoch zur Residenz.

Im Herzen ist Stephen Fowler Brite

Dort warten heute keine hunderttausend Fans, aber immerhin viele hundert Freunde des britischen Königshauses. Stephen Fowler steht ganz vorne am Absperrband. Wie die große Flagge am Mast am Max-Joseph-Platz, weht der Union Jack in seiner Hand im Wind. Der Regenschirm natürlich passend zur Fahne. Fowler ist vor 24 Jahren aus London nach München gekommen. Nun hat er die deutsche Staatsbürgerschaft. „Wegen des Brexits“, sagt Fowler schmunzelnd. Im Herzen aber ist er Brite, sein Lieblings-Royal ist Elizabeth II. Er hat die Queen schon einmal vor 25 Jahren beim berühmten Royal Ascot-Pferderennen in England gesehen. Der Besuch des Thronfolgers in München ist für Fowler ein Pflichttermin.

Aus einem ganz anderen Grund ist Peter Feldschmidt am Max-Joseph-Platz. Mit schneidiger Hirschlederhose, grauer Trachtenjacke und rosafarbener Krawatte steht der Rosenheimer vor der Residenz. Er will den Royals die landestypische Tracht präsentieren. Feldschmidt ist vom bayerischen Trachtenverband. „Schon beachtlich, dass auf die Schnelle 150 Trachtler gekommen sind“, sagt er. Die Trachtenvereine seien erst letzte Woche eingeladen worden.

Dass es so viele nach München geschafft haben, liegt an den Damen, sagt Feldschmidt. „Sie haben beim Friseur die Klatschpresse gelesen und sind deshalb jetzt im Royal-Fieber.“ Eh klar.

Ein Gastgeschenk made in Bavaria

Prinz Charles ist diese Woche wieder Opa geworden. Sein Enkel, der erste Sohn von Prinz Harry und Meghan, ist auch in München allgegenwärtig. „Congratulations for Archie“, rufen die Münchner immer wieder, als Charles auf dem über hundert Meter langen roten Teppich entlanggeht. Ministerpräsident Söder hat sogar eine Mini-Lederhose für den vierten Enkel des britischen Thronfolgers besorgt. Ein Gastgeschenk made in Bavaria. Aber eines, mit dem sich Charles offenbar bestens auskennt. Dem Ministerpräsidenten vertraut er im Laufe des Tages an, dass er in seiner Jugend selber mal eine Lederhose gehabt hat. Noch ein Kreis, der sich heute schließt.

„Camilla hat butterweiche Hände“

Die Royals kommen sowieso prima in München an, sie sind Hochadelige zum Anfassen. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Camilla hat butterweiche Hände“, schwärmt Theresa Heiland. Die junge Frau ist noch ganz aus dem Häuschen. Gerade hat sie beiden Gästen die Hände geschüttelt. Charles’ Händedruck, sagt sie, war sehr kräftig. Auch die Mama und die Oma sind heute extra aus Marktoberdorf nach München gefahren, einfache Fahrt 100 Kilometer. Alles wegen Charles und Camilla. „Das Ganze hat sich schon gelohnt“, sagt Theresa Heiland – und lacht übers ganze Gesicht.

So ein royaler Besuch ist natürlich immer ein Husarenritt für alle Beteiligten. Nach ein paar freundlichen Worten auf dem roten Teppich an die Besucher – O-Ton Camilla: „Thank you so much“ – geht es auch schon in die Residenz zum Goldenen Buch. Kurz darauf sitzen Charles und Camilla im Hofbräuhaus, in der Hand eine Mass Bier und vor ihnen ein Brotzeitbrettl. Noch nicht mal chinesische Reisegruppen schaffen ein schnelleres München-Besuchsprogramm, jede Wette. Beide nippen an ihrem Bier, kurz darauf sind sie schon beim nächsten Event – beim, kein Scherz, Seniorentanz im Hofbräuhaus. Einmal in der Woche trifft sich eine Gruppe Münchner dort zu Walzer und Foxtrott.

Baby Archie ist da: Insider verrät erste Details über junge Familie!

Die Mass Bier sei viel zu groß

Der Prinz von Wales schnappt sich kurzerhand eine Tanzpartnerin, sie heißt Margot Bissinger und tanzt schon seit 20 Jahren im Hofbräuhaus. Beide legen sofort einen Walzer aufs Parkett und Charles verrät der Bayerin sogar ein Geheimnis: Das Bier gerade sei zwar lecker gewesen – aber viel zu groß.

Keine Stunde später haben Charles und Camilla ihren nächsten Programmpunkt – ein Besuch in der Konzernzentrale von Siemens am Wittelsbacherplatz. Später am Abend ist noch ein Staatsbankett in der Residenz, am heutigen Freitag geht’s zu den Herrmannsdorfer Landwerkstätten, einem Vorzeige-Ökobetrieb im Kreis Ebersberg. Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum. Thronfolger zu sein, ist ein 24-Stunden-Job. Tag für Tag.

So bereiteten sich die Herrmannsdorfer Landwerkstätten auf die Royals vor!

Hans Baumgartner, der Gebirgsschützen-Chef, hat es da gemütlicher. Er macht am Nachmittag vor der Oper noch Erinnerungsfotos mit seiner Kompanie, er ruft ein paar schneidige Befehle, dann hat er Feierabend. „Jetzt trinken wir eine Mass“, sagt er. Eine auf Charles und Camilla und vielleicht eine auf den Großvater. So ein Tag wie dieser kommt schließlich nur ein einziges Mal im Leben. Und auch nur, wenn man großes Glüc k hat.

Zum 150. Geburtstag des DAVs: Hüttenwirte: „Die Erwartung an eine Berghütte ist zu groß“ 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Unsere Bilder des Tages
Die schönsten, skurrilsten und interessantesten Bilder des Tages. Aus München, Deutschland und der Welt.
Unsere Bilder des Tages