Versicherung will nicht zahlen

Blindenhund krank: Besitzer bleibt auf Reise-Stornokosten sitzen

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Für einen 39-Jährigen Stuttgarter ist sein Hund nicht nur ein Haustier. Der Mann ist blind und auf den Vierbeiner angewiesen - auch im Urlaub. Ein Gericht sah den Fall jetzt anders.

München - Ein kranker Hund berechtigt nicht zum Rücktritt von einer Reise – auch dann nicht, wenn es sich um einen Blindenhund handelt, auf dessen Unterstützung der Reisende angewiesen ist. Das hat das Amtsgericht München in einem aktuellen Fall festgestellt.

Geklagt hatte ein 39-Jähriger aus Stuttgart gegen seine Münchner Versicherung, bei der er eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlosssen hatte. Der blinde Mann wollte mit seiner Mutter nach Fuerteventura fliegen, doch kurz vor der Reise erlitt sein Blindenhund Frazer einen epileptischen Anfall. Der Hund war in Behandlung und daher flugunfähig. Der Mann blieb zu Hause – um sich um seinen Hund zu kümmern, und weil er ohne dessen Unterstützung nicht verreisen konnte, wie er vor Gericht geltend machte.

Der Reiseveranstalter stellte 990 Euro Stornokosten in Rechnung, die der Kläger von der Versicherung ersetzt haben wollte. Er sei in der gleichen Situation wie ein Sehender, der plötzlich seine Sehfähigkeit verliert, argumentierte er. Es sei ihm objektiv unmöglich gewesen, die Reise anzutreten.

Das erkannte auch das Gericht an. Trotzdem wies es die Klage ab. Begründung: Das Ereignis, das den Kläger von der Reise abgehalten hat, sei unter den abschließend aufgezählten Punkten der Versicherungsbedingungen gerade nicht aufgeführt. „Bei der Reiserücktrittskostenversicherung besteht nach dem Grundsatz der Einzelgefahrendeckung nur bei den in den Versicherungsbedingungen konkret und abschließend aufgeführten Ereignissen Versicherungsschutz“, so das Urteil.

„Allein die Feststellung, dass die Teilnahme an der Reise für die versicherte Person aus anderweitigen Gründen, die nicht im Katalog der versicherten Ereignisse genannt werden, unzumutbar ist, löst die Eintrittspflicht des Versicherers nicht aus.“ Die Beklagte habe in ihren Versicherungsbedingungen lediglich bestimmte Sachverhalte als versicherte Ereignisse angeboten. Weitere Sachverhaltskonstellationen, die möglicherweise auf die Lebenssituation des Klägers zuträfen, seien nicht Vertragsbestandteil geworden. Der Blinde muss die Stornokosten selbst zahlen. Das Urteil (Aktenzeichen 191 C 17044/16) ist rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © picture alliance /dpa

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